Erinnerungen eines Brandschützers

Ferschweiler · Schönes und Schreckliches hat Klemens Mossal in seinem "Feuerwehrleben" erfahren. Im TV-Gespräch erinnert sich der frisch pensionierte Wehrleiter der Verbandsgemeinde Irrel an einschneidende Ereignisse.

50 Jahre Feuerwehrmann: Klemens Mossal. TV-Foto: Katharina Hammermann

Ferschweiler. Immer wieder wird seine durchdringende Stimme so laut, dass sie mehrere Räume füllt. Auch sein Gesicht, seine Hände und seine dunklen Augen beginnen zu sprechen, während er sich zurückerinnert. An Schönes und an Schreckliches. An ein Feuerwehrleben.
Fast 50 Jahre lang war Klemens Mossal Feuerwehrmann. Schon als Kind war er fasziniert von roten Pumpen, Wasserspritzen und all der anderen Technik, die er über seinen Vater kennenlernte, der ebenfalls Feuerwehrmann war. 1962, mit 14 Jahren, trat er dann selbst in die Feuerwehr ein, und sie wurde sein Hobby, sein Beruf und seine Leidenschaft. Seitdem hat er viel erlebt. Und manche Ereignisse haben Bilder hinterlassen, die er niemals vergessen wird. Sie werden wieder lebendig, während er berichtet. Und sie berühren ihn - das ist deutlich zu sehen - noch heute.
So wie das Bild, das er sehen musste, als er als Erster an dem Ort eintraf, wo zwei Autos frontal aufeinandergeprallt waren. Schon von Weitem erkannte er den Mercedes. Ein Feuerwehrkamerad aus dem Nachbarort. Der Beste, wenn es darum ging, Unfallopfer aus ihren zerstörten Autos zu befreien. Tot. Genau wie der andere Fahrer. "Er hat so vielen Menschen das Leben gerettet und wir konnten ihm nicht mehr helfen. Wenn man das sieht …", sagt Mossal und hält inne.
In diesem Fall gab es für den Wehrleiter der Verbandsgemeinde Irrel nur noch eine wichtige Entscheidung zu treffen: Er schickte die aus dem Ort des Verunglückten herbeigeeilten Kameraden wieder weg, um ihnen den Anblick zu ersparen. Andere Entscheidungen fallen ungleich schwerer. Denn schwer wiegt die Verantwortung, die ein Wehrleiter tragen muss. So wie beim Hochwasser 2003, als Mossal seine Leute nachts in einem Schlauchboot auf die reißende Sauer hinausschickte, um nach einem Mann zu suchen, der in seinem Auto abgetrieben worden war. "Da habe ich mehrere Vaterunser gebetet", sagt Mossal. Seine Leute kamen heil zurück. Leider ohne den Vermissten, der wenige Tage später nur noch tot geborgen werden konnte. Schwer ist auch die Frage, ob man einem lebensgefährlich Verletzten zur Not das Bein bricht, um ihn schneller aus seinem Auto befreien und ins Krankenhaus bringen zu können. Schreckliche Bilder.
Doch es gab natürlich auch beglückende Erfahrungen. Noch heute beginnen Mossals Augen zu leuchten, wenn er an die Dankbarkeit einer Familie zurückdenkt, deren Wohnhaus er mit seinen Kameraden in den 80er Jahren vor den Flammen gerettet hatte. Dann scheint er den handgemahlenen Kaffee wieder zu riechen und die mangels Strom auf einem Holzofen erhitzen Mettwürstchen wieder zu schmecken, die ihnen von den dankbaren Hausbesitzern damals nach harter Arbeit bei Kerzenschein gereicht wurden. "Diese Dankbarkeit findet man heute selten", sagt Mossal.
Was die Feuerwehrarbeit ihm und all den anderen Kameraden aber immer schon geboten hat und weiterhin bieten wird, ist die Gemeinschaft, der Spaß mit den Kameraden und auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Das Gefühl, helfen zu können.kah Klemens Mossal aus Fersch weiler (63) war von 1995 bis Juni 2011 Wehrleiter der Verbandsgemeinde Irrel. Bereits 1962 ist er in den Feuerwehrdienst eingetreten, den er später auch zu seinem Beruf gemacht hat: Nach einem Ingenieursstudium und einer zweijährigen Fachausbildung wurde Mossal 1980 feuerwehrtechnischer Bediensteter der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Ein Job, den er wegen Nachfolgeproblemen trotz Altersteilzeit noch bis Ende 2011 ausüben wird. Mossal ist verheiratet und hat drei Kinder.