Erkundungsteam des Bistums in der neuen Pfarrei Prüm

Bistumsreform : Halbzeit auf der Pfarr-Erkundungsfahrt durch die Eifel

Seit Mai sind die Dreier-Teams des Bistums in der Region unterwegs, um mit den Gläubigen über die neuen Pfarreien zu sprechen. Auch in den künftigen Großeinheiten Bitburg, Prüm und Neuerburg. Ein Bericht zum Pausenstand.

Von Stadtkyll bis Büdesheim, von Lambertsberg bis Winterspelt: Die neue Pfarrei Prüm wird eine riesengroße Einheit. Ob die fast 22 000 Schäfchen dort auch eine solch große Einheit finden werden – und wie dort kirchliches Leben gedeihen kann: Das alles sollen die sogenannten Erkundungsteams des Bistums herausfinden.

Auch in der künftigen Pfarrei Neuerburg: „Von Wallendorf bis Großkampen“, sagt Pfarreienratsvorsitzende Martina Ludwig aus Sinspelt, werde die neue Einheit reichen. Große Gebiete also, in denen viel Arbeit steckt: Denn wo die Pfarrer fehlen, müssen die Gläubigen ran.

Gar nicht so leicht. Das zeigte sich im Mai, beim ersten Prüm-Besuch der drei Erkunder Karen Alt, Erzieherin und Elternbegleiterin im Hochwald, Roland Hinzmann, Pastoralreferent in Schweich, und Andreas Schäfer, Theologe und Pädagoge vom Caritasverband Trier. Mehr als 60 Bürger nahmen teil, viele von ihnen zeigten sich skeptisch gegenüber der Reform (der TV berichtete). Ähnlich in Bitburg und Neuerburg.

Inzwischen hat es eine ganze Reihe weiterer Besuche gegeben, und aus den großen Gruppen haben sich einige kleinere geschält: „Wir sind bei um die 20 Personen, die mitmachen“, sagt Roland Hinzmann zur Situation im Prümer Land. Und sie gehen weiter in ihre Orte, ergänzt er, um dort die Gläubigen zu fragen: „Was kann die Kirche für euch tun?“

Welche Fragen stehen ganz vorn? „Das Thema Familie ist groß“, sagt Hinzmann. Da ergebe sich eine ganz neue Aufgabe: „Wir müssen deutlich machen, dass wir nicht mehr als Moralinstanz in die Familien hineinwirken.“ Sondern? „Unterstützend und begleitend.“

Denn die Familien stünden heutzutage unter viel größerem Druck. Finanziell, in der Erziehung, bei der Betreuung der Menschen, gerade dann, wenn sie in Schwierigkeiten gerieten, zum Beispiel bei Scheidung oder Trennung. „Es gibt ja Angebote von der Caritas. Das ist da, das ist abrufbar“, da wolle die Kirche zeigen, dass sie an der Seite der Menschen stehe.

Zumal das klassische Familienbild längst eine Erweiterung erfahren habe, Stichwort Patchwork. Und ja, auch gleichgeschlechtliche Ehen: „Da gibt es keine Sperre mehr. Das ist auch das Familienbild der Synode.“

Zu den Miterkunderinnen gehört auch Renate Humble, eine der beiden Gemeindeschwestern plus in der Verbandsgemeinde Prüm. Sie hat sich der Senioren angenommen und sie befragt. Großes Thema bei den alten Leuten: „Einsamkeit“, sagt sie. Die Frauen und Männer wünschten sich Möglichkeiten, mit anderen zusammen zu sein.

„Ob da die Kirche helfen kann?“, fragt Renate Humble. „Aber wenn man da etwas bewegt bekäme, wäre das ja schön.“ Sie will aber nicht vorgreifen: „Wir sind ja erst bei der Sammlung. Und noch nicht bei der Lösung. Ich bin auch mal gespannt.“

Das ist auch Dagmar Thome aus Wawern, Mitglied im Pfarreienrat Waxweiler: So richtig wisse man eben noch nicht, worauf das jetzt alles hinauslaufe. Gehe es ums Engagement in den Dörfern? Das sei gerade in ihrer Pfarreiengemeinschaft hoch: Senioren, Kinder, um alle kümmere man sich. Und man habe sehr viele Messdiener. „Nur: Wenn hier kein Dienst mehr ist, was machen wr dann mit denen?“ Das sei eben eine der Sorgen, die immer wieder geäußert würden.

Wenn Pfarrer Georg Müller „auch noch weg ist, ist die Frage: Werden wir noch mal mit einem Pastor bedacht? Viele haben Angst, dass der Gottesdienst verloren geht.“ Das erlebt auch Martina Ludwig so: „Dieses Messbedürfnis im eigenen Dorf – das ist ein großes.“ Allerdings hält sie es auch für sinnlos, einen Priester „30 Kilometer fahren zu lassen, und da sitzen dann drei Seelen.“

Unterm Strich machten die „Miterkunder“ in den Dörfern auch viele gute Erfahrungen, sagt Roland Hinzmann: „Die sagen: Wir werden eigentlich sehr offen empfangen, das Interesse ist da.“ Und viele registrierten auf Seiten der Kirche auch „eine Offenheit, die es vor 50 Jahren nicht gab“.

„Das ist auch für uns ein ganz neues Denken“ bestätigt Martina Ludwig. „So haben wir Kirche noch nicht erlebt.“ Und die Leute, die man in den Gesprächen erreiche, „die sind ganz positiv gestimmt., die finden das gut.“ Eine Frage allerdings bleibe: „Wie kriegen wir das umgesetzt?“ Es dürfe nicht so sein, dass man am Ende der Erkundungen einen Bericht nach Trier sende – „und das war’s dann“, sagt Martina Ludwig.

Kurzum: „Da ist noch mehr Potenzial, das wir noch nicht ausgeschöpft haben“, sagt Hinzmann.

Das gilt auch bei einem weiteren Thema, das die Eifel beschäftigt: dem Zukunfts-Check Dorf. Am Freitag, 8. Februar, soll es daher um 15 Uhr im Gemeindehaus von Lasel einen weiteren Termin geben. Denn auch dabei wolle man fragen, „wie die Kirche am Thema mitarbeiten kann“, sagt Roland Hinzmann.

Die Erkundungen gehen nach der Halbzeitpause zum Jahreswechsel weiter. Im Sommer sollen dann Lösungsvorschläge präsentiert werden.

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