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Erlebnisbad Cascade: Ein Publikumsmagnet, der Bitburg was kostet

Erlebnisbad Cascade: Ein Publikumsmagnet, der Bitburg was kostet

Mit 220.000 Besuchern rechnet das Cascade in diesem Jahr – im Schnitt macht das 600 pro Tag. Keine Frage: Das Bad ist ein Publikumsmagnet. Doch für eine schwarze Null unter dem Strich reicht das nicht. Einkalkuliert ist für 2016 ein Verlust von mehr als 600.000 Euro, den die Stadt Bitburg am Ende ausgleichen muss.

Wollte die Stadt Bitburg ihr Bad so betreiben, dass es unter dem Strich Null auf Null aufginge, müsste sie pro Nase drei Euro mehr Eintritt verlangen. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Denn die Preise lassen sich nicht beliebig in die Höhe schrauben. "Wir bewegen uns da schon an der oberen Kante", sagt Elfriede Grewe, Geschäftsführerin des Cascade. Eine Tageskarte für die Sauna kostet inzwischen 18 Euro. Zum Vergleich: In Trier zahlt man im Saunagarten 20,50 Euro; in der Treveris Therme 13 Euro für einen Tag.

Ist der Eintritt zu hoch, können oder wollen sich viele einen Besuch nicht mehr leisten. Ergebnis: Trotz höherer Eintrittspreise, die ja die Haupteinnahmequelle des Bads sind (siehe Extra), steht der Betrieb dann im Ergebnis wegen ausbleibender Besucher schlechter dar.

Zuletzt hat der Stadtrat 2014 eine Preiserhöhung für Schwimmen und Saunieren im Cascade beschlossen - kurz nachdem die Sauna für 500.000 Euro saniert worden ist (der TV berichtete). Im Juli 2015 wurden die Preise für Saunabesucher erneut angezogen. Hintergrund war die Erhöhung der Mehrwertsteuer. "Das drückt bei unseren Gästen aufs Portemonnaie, ohne, dass wir von dieser Erhöhung irgendwas übrig behalten", sagt Grewe.

Weniger Kinder, mehr Angebot

Eine andere - ebenfalls eher theoretische - Variante, das Bad kostendeckend zu führen, wäre denkbar, wenn es 100.000 Besucher im Jahr mehr gäbe. Doch woher sollen die kommen? "Wir haben längst nicht mehr so viele Kinder", sagt die Geschäftsführerin mit Blick auf den demografischen Wandel. Ein weiterer Faktor sind für Grewe aber auch Ganztagsschulen und ein zunehmend größeres Freizeitangebot: "Heute gibt es für Kinder und Jugendliche so viel mehr Möglichkeiten, als noch vor Jahren."

Diese Entwicklung trifft natürlich alle Bäder. Entsprechend wird auch landauf, landab in Verluste geschwommen. Mit einem Minus von mehr als 600.000 steht das Cascade laut Grewe im Vergleich zu anderen Häusern noch ganz gut da.
Für die Geschäftsführerin und ihr Team kommt es darauf an, das Angebot an die sich verändernden Zielgruppen anzupassen. Da wird beispielsweise am Kurskonzept gefeilt. "Heute wollen sich Mitte 50-Jährige richtig bewegen, weshalb wir Aqua Power Kurse anbieten. Der ganze Bereich Wassergymnastik ist inzwischen eher für die Generation 70 plus interessant", sagt Grewe.

Bedenklich findet die Bad-Chefin die Entwicklung der Saunabesucher, die wegen des hohen Pro-Kopf-Umsatzes (siehe Extra) für das Betriebsergebnis des Bades besonders wichtig sind. Da habe man mit mindestens 40.000 nach der Sauna-Renovierung kalkuliert - und nach der Erfahrung im vergangenen Jahr diese Zahl dann auf 36.000 nach unten korrigiert. Über die Gründe, warum die Saunagäste nicht so zahlreich kamen, wie erhofft, lässt sich nur spekulieren. Fakt ist: Die Konkurrenz wächst. Der Trierer Saunagarten hat erweitert; in Luxemburg ist in Hosingen ein neues Angebot entstanden. Zudem laden zunehmend auch Fitness-Studios und Hotels zum Schwitzen ein, und die Zahl privater Saunen im eigenen Heim steigt.

Während die Energiekosten im Cascade-Bad mit 325.000 Euro dank zweier hauseigenen Blockkraftheizwerke sogar unter denen vom ersten Betriebsjahr 1996 liegen, gibt es einen anderen Kostenblock, der in dem 20 Jahre alten Bad beständig steigt: die Instandhaltungsarbeiten. Dafür sind allein 2016 rund 300.000 Euro eingeplant. Und dafür wird, wie Bad-Chefin Grewe betont, gerade mal das absolut Nötigste gemacht - nur Technik, keine Kosmetik: "Wir müssen das Dach jetzt sanieren, damit das Gebäude keinen Schaden nimmt."

Extra Zahlen, Daten, Fakten
Im Wirtschaftsplan 2016 für das Cascade-Bad kalkuliert die Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft Bitburg (BVB) mbH, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadt unter Geschäftsführung von Elfriede Grewe, wie folgt:

Größte Einnahmequelle sind die Eintritte der rund 218.000 Besucher - davon 36.000 in der Sauna und 182.000 im Schwimmbad - die dieses Jahr erwartet werden. Damit rechnet das Bad mit einem Plus von 7000 Gästen im Vergleich zum Vorjahr. Während der Schwimmbadbesucher im Schnitt 4,50 Euro bringt, ist es beim Saunagast mit 11,20 Euro mehr als doppelt so viel. So wird für 2016 mit Erlösen von 820.000 Euro aus dem Badebetrieb und 403.000 Euro aus dem Saunabetrieb gerechnet. Massage/Fußpflege (70.000), der Shop (76.000) sowie Pachteinnahmen (63.000) bringen zusammen noch mal knapp 200.000 Euro. Den Gesamteinnahmen von 1,5 Millionen Euro stehen Kosten von 2,5 Millionen Euro gegenüber. Größter Kostenposten ist die Betriebsführung mit rund 1,2 Millionen Euro gefolgt von den Kosten für Wasser, Gas und Strom von zusammen rund 325.000 Euro. An Instandhaltungsarbeiten sind in dem 20 Jahre alten Bad für 2016 gut 300.000 Euro eingeplant. Dabei geht es um Heizungs- und Lüftungsanlage, Badetechnik und eine Dachsanierung. scho