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Erst Bäumchen, dann Bienchen

Matzen - Wo Umweltschutz offenbar Spaß macht : Erst Bäumchen, dann Bienchen

Rund 70 Bürger haben in Matzen etliche Nistkästen und Insektenhotels zusammengebaut. Doch die Gruppe „Matzen Buddelt“ plant schon die nächste Aktion: Blühstreifen.

Es ist still geworden auf den Eifeler Feldern. Wo es früher noch brummte und summte, herrscht mittlerweile fast gespenstische Ruhe.

Denn die Insekten sind weg. Schleichend seien in den vergangenen nicht mal 30 Jahren drei Viertel der Krabbeltiere verschwunden, berichten Studien. Ob Bienen, Heuschrecken oder Schmetterlinge – alle haben sie zu kämpfen. Unter dem Verlust von Lebensraum, aber auch unter Pestiziden aus der Landwirtschaft.

Auch rund um den Bitburger Stadtteil finden die Tiere kaum noch Unterschlüpfe, kaum noch Nahrung. Für die Verstecke haben die Bürger inzwischen gesorgt. Bei einer Aktion am vergangenen Wochenende haben rund 70 Interessierte im Gemeindehaus mehr als 60 sogenannte Insektenhotels und über 80 Nistkästen für Vögel zusammengebaut. Jetzt wollen die Iniatoren von „Matzen Buddelt“ Biene und Co. noch einen reich gedeckten Tisch herrichten.

Rund um das Dorf, erzählt Organisator Markus Thiex, wollen die Matzener Blühstreifen aussähen. Derzeit laufe die Suche nach passenden Standorten, die dann im Frühjahr bepflanzt werden sollen. Was Thiex und seinen Mitstreitern dabei wichtig ist: „Aus Gründen der Biodiversität wollen wir keine riesige Blumenwiese, sondern viele kleine.“ Ähnliche Aktionen hat es in Weinsheim, Brühlborn und bei den Nachbarn im Bitburger Stadtteil Mötsch gegeben. Nun wollen die Matzener nachziehen.

Derweil plant die Feuerwehr, das, was am Wochenende zusammengeschraubt wurde, im Ort aufzuhängen. Nistkästen und Insektenhotels werden am Gemeindehaus, am Donatusplatz, am Spielplatz und anderen öffentlichen Stellen platziert. Und davon sollen auch die Bürger etwas haben.

Denn Thiex plant zusammen mit einem Jugendlichen, in manchen der Kästen Webcams zu installieren. Die Idee dahinter: Interessierte sollen über die Homepage des Stadtteils verfolgen können, was sich in den Vogelunterschlüpfen tut. Womöglich den Vögeln beim Schlüpfen zusehen, oder der Vogelmutter beim Füttern ihrer Jungen. „Das soll helfen“, sagt Thiex, „zwischen Mensch und Natur wieder einen Bezug herzustellen“.

Insgesamt hat sich die Gruppe „Matzen Buddelt“ auf die Fahnen geschrieben, die Bürger für Umwelt- und Klimaschutz zu sensibilisieren. Und auch für die Arbeit vor Ort zu mobilisieren und zu begeistern. Dass das klappt, hat die Resonanz der bisherigen Aktionen gezeigt.

Etliche Bürger haben sich bereits Ende 2019 zum „Buddeln“ in Matzen versammelt und knapp 50 Obstbäume gepflanzt (der TV berichtete). Und auch zum Nistkastenbau und zum Vortrag von Peter Brixius (NABU) haben sich wesentlich mehr Besucher zusammengefunden, als Thiex erwartet hätte: „Die kamen nicht nur aus dem Ort, sondern teils sogar aus Trier, aus Wolsfeld, Herforst, von überall her.“ Die wochenlangen Vorarbeiten, bei denen „Jung und Alt“ mitangepackt haben, hätten sich daher gelohnt.

Und die Bürger können die weiteren Aktionen offenbar kaum erwarten. „Nachdem wir mit den Nistkästen fertig waren, haben mich viele im Dorf gefragt, was nun als Nächstes ansteht“, sagt Thiex. Umweltschutz kann offensichtlich auch Spaß machen.