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Erst kommt das Grübeln, dann kommt das Graben

Erst kommt das Grübeln, dann kommt das Graben

Der nächste Schritt auf dem Weg zur kombinierten Versorgung der Region mit Wasser, Strom, Erd- und Biogas plus schnellerem Internet ist getan: Die Verantwortlichen für die "Eifel-Pipeline" haben in Prüm fünf dicke Ordner mit Planungsunterlagen an die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord überreicht.

Prüm. Selten hat eine unterirdische Idee so viel Zuspruch erfahren wie die Eifel-Pipeline - und ist so schnell auf die Bahn gesetzt worden. Das Vorhaben der Kommunalen Netze Eifel (KNE), mit einer rund 80 Kilometer langen Leitung die Region von der nordrhein-westfälischen Eifel bis hinab nach Trier mit Wasser, Energie und flotterem Internet zu versorgen (der TV berichtete, siehe Extra), ist wieder ein Stück vorangekommen.
Große Pläne, dicke Ordner


Denn bevor da irgendetwas sprudelt, muss das Ganze ja noch genehmigt werden. Die Verantwortlichen der IGR AG in Rockenhausen (Donnersbergkreis), von den Kommunalen Netzen nach europaweiter Ausschreibung mit der Planung des Riesenprojekts beauftragt, haben ihre vorbereitende Arbeit getan: Fünf dicke Aktenordner mit Unterlagen, die jetzt in der Prümer KNE-Zentrale der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord zur wohlwollenden Prüfung übergeben wurden.
Im November habe man damit angefangen, sagt IGR-Chef Hubert Bruch, Anfang März die Abgabe - da sei einiges an Nächten durchgearbeitet worden. SGD-Präsident Ulrich Kleemann erwartet allerdings keine größeren Probleme im Verfahren, denn die kniffligen Fragen habe man geklärt. Beispiel: "Wo geht die Trassenführung lang, wo sind naturschutzfachliche Probleme zu erwarten - das ist alles im Vorfeld schon ausgeräumt worden."
Ohne Schneise auf die Reise


Wie das an einem Punkt ausgesehen hat, erläutert Daniel Heintz, Umweltwissenschaftler von IGR: "Ursprünglich waren über zehn Hektar Waldrodung vorgesehen. Jetzt sind wir bei 1,5 Hektar. Keine einzige neue Schneise wird geschlagen."
Hier und da musste dazu der Verlauf der Trasse geändert werden. KNE-Vorstand Helfried Welsch, mit seinem Kollegen Arndt Müller einer der beiden Väter des Vorhabens, weist zudem darauf hin, dass man sich bei der Trassenführung an bereits vorhandenen Wegen orientiere, sodass kaum irgendwo mitten in der Natur schwere Eingriffe vorgenommen werden müssen.
Und weil das alles bisher so gut und, darauf weisen die Beteiligten immer wieder hin, so kooperativ abgelaufen sei, erwarten sie auch den Spatenstich noch für dieses Jahr, auch wenn da noch kein Termin in Sicht ist. An der SGD, sagt Kleemann, soll es jedenfalls nicht liegen: Man habe für das Projekt fünf Mitarbeiter eingeteilt. Und werde bei Bedarf sogar noch weitere hinzuziehen.
Ansonsten beginnen nun die Verhandlungen mit den meist öffentlichen und teils privaten Eigentümern, durch deren Grundstücke sich der Graben ziehen wird: Rund 300 Personen sind das, denen zusammen gut 16 Hektar Fläche gehören, sagt Helfried Welsch. Insgesamt werden für die Trasse 39 Hektar benötigt. Mit diesen Eigentümern wolle man Nutzungsverträge vereinbaren.
Welsch hofft da auf die Kooperation der Eigner, "weil wir denken, dass alle die Vorteile für die gesamte Region erkennen werden". Zudem seien nach dem einmaligen Eingriff auf den Flächen kaum Beeinträchtigungen zu erwarten. Mögliche Ernteausfälle bei Landwirten während der Bauphase werde man nach gängigen Regeln ausgleichen.
So nutzt man Ressourcen


Kurz: "Ein wunderbares Projekt, das wir da vor der Brust haben", sagt Landrat Joachim Streit, zugleich Vorsitzender des KNE-Verwaltungsrats. Und das übrigens, ergänzt er, fünf Jahre nach der Fukushima-Katastrophe: "Wir haben die Aufgabe, nachhaltig mit den Ressourcen auf der Welt umzugehen", und die Eifel-Pipeline sei ein solch nachhaltiges Vorhaben.
Weshalb natürlich die noch bis Sonntag amtierende grüne Umweltministerin Ulrike Höfken das Projekt kräftig unterstützt und das Land entsprechend Fördergeld in die Wassertrasse pumpt. Und das vor dem Hintergrund der gerade bekannt gewordenen massiven und zunächst vertuschten Probleme im französischen Atomkraftwerk Fessenheim: "Projekte wie dieses zeigen, dass es auch anders geht", sagt die Ministerin. "Und 2022 sehen wir uns dann alle hoffentlich wieder".Extra

Die Kommunalen Netze Eifel wollen bis 2022 eine neue Wasserleitungs-Trasse legen, von der Oleftalsperre in der nordrhein-westfälischen Eifel bis hinab nach Trier. Mit im Boot: die Stadtwerke Trier, die Stadtwerke Bitburg und die Werke der Verbandsgemeinden Bitburger Land, Schweich, Speicher, Südeifel und Trier-Land. Der Leitungsgraben wird knapp 80 Kilometer lang sein, soll 140 Millionen Euro kosten und 245 000 Bürger mit sauberem und bezahlbarem Trinkwasser versorgen, hinzu kommen Glasfaser-, Strom- und Gasleitungen. Dabei sollen regionale Anlagen für Strom aus Biogas, Wind, Sonne und Wasser ins System integriert werden. Zudem bietet man Telekommunikationsunternehmen die Möglichkeit, alle angrenzenden Orte mit schnellen Internetanschlüssen zu versorgen. 25 Millionen Euro gibt das Land für den Wasseranteil, der insgesamt 80 Millionen beträgt. Für das Pipeline-Projekt sind die KNE, die künftig als "Landwerke Eifel" firmieren wollen, voriges Jahr als einer der Preisträger im bundesweiten Innovationswettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" geehrt worden. fpl