Erstaunliche Reife

BITBURG. (gkl) Ein Klavierabend mit Georg Michael Grau, dem Sieger des Bitburger Klavierwettbewerbs, hat viele Musikfreunde im Haus Beda nicht enttäuscht.

Ein bisschen steif, ein wenig unbeholfen - das war der erste Eindruck, den man von Georg Michael Grau haben musste, als er im Bitburger Haus Beda die Bühne betrat. Grau ist der Sieger des Bitburger Klavierwettbewerbs, den er überzeugend und mit Bravour für sich entschied (der TV berichtete). 17 Jahre ist der Pianist alt, da erscheint es nur normal, dass ihm noch ein Teil der Lässigkeit auf der Bühne fehlt. Dieses "Manko" sorgt geradezu dafür, dass ihm die Sympathie des Publikums schon sicher ist, bevor überhaupt ein Ton erklungen ist. Als Grau dann aber an seinem Instrument Platz genommen hatte, schien er seine Zuhörer vergessen zu haben. Nichts mehr von Unbeholfenheit, nichts mehr von Unsicherheit. Dies war seine Welt, hier war er zu Hause. Freilich, er ist noch jung, von Perfektion darf bei ihm noch nicht die Rede sein. Was der Vorstudent der Musikhochschule Stuttgart aber seinen Zuhörern zu bieten hatte, hätte so manchem erheblich älteren Pianisten voll und ganz zur Ehre gereicht. Seine Technik war verblüffend, sein Anschlag machte staunen. Kaum eine spielerische Hürde, die er nicht genau so, nämlich spielerisch überwand. Nun gehören zur Musik immer zwei Aspekte. Hier die erlernbare Technik, die aber ohne die Musikalität auf der anderen Seite die größten Kompositionen zu einer leeren Hülle werden lassen. Eine Gefahr, die gerade für junge Künstler sehr groß ist. Bei Grau, das darf man nach dem Bitburger Abend ohne jede Einschränkung sagen, besteht sie nicht. Auch unter Berücksichtigung seiner Jugend muss man ihm eine durch und durch erstaunliche Reife attestieren. Ob Ludwig van Beethovens F-Dur Sonate, Opus 10/2, oder die vier der insgesamt acht Fantasiestücke Opus 12 von Robert Schumann, ob Franz Schuberts A-Dur Sonate, D 664, oder der beschließende Mephisto-Walzer von Franz Liszt, in jedem der einzelnen Werke offenbarte Grau, dass er sich gründlich mit den Intentionen der Komponisten auseinander gesetzt, sie verarbeitet hatte.