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Erste Urnenbeisetzungen im Prümer Bestattungswald

Archiv November 2018 : Ein Hektar Frieden: Erste Beisetzungen im Prümer Bestattungswald

Gut anderthalb Jahre nach dem Vorschlag im Stadtrat ist der Prümer Bestattungswald Wirklichkeit geworden. Dieser Tage wurde er eingesegnet, am Wochenende sind die ersten Beisetzungen.

So flott ist in Prüm noch selten eine Idee in die Tat umgesetzt worden. Und noch viel seltener hörte man dabei in der Stadt so wenige begleitende Störgeräusche: Im Februar 2017 schlug Peter Wind, Chef des Forstamts und CDU-Stadtrat, einen Bestattungswald vor, am Prümer Kalvarienberg, direkt über der Kapelle dort (der TV berichtete). Und am Samstag werden bereits die ersten Urnen unter den Douglasien beigesetzt.

Vorige Woche segneten deshalb der evangelische Pfarrer Clemens Ruhl und der katholische Pater Jineesh Emmanuel Manganthanath den Bestattungswald ein – zusammen mit rund 150 Bürgern und dem Musikverein Prüm.

 Großer Zuspruch: Die Einsegnung des Prümer Bestattungswalds.
Großer Zuspruch: Die Einsegnung des Prümer Bestattungswalds. Foto: Peter Wind

Für die Stadtbürgermeisterin ein bewegender Moment: „Es war wirklich beeindruckend“, sagt Mathilde Weinandy, „wie viele Leute da hingekommen sind.“ Schon im vorigen Jahr hatte sich gezeigt, dass Peter Wind mit seiner Idee genau richtig lag: Unmittelbar nach dem TV-Artikel hatten bereits zahlreiche Bürger die der Stadtchefin darauf angesprochen und ihr Interesse angemeldet. Die Gründe? Viele wollen eben in der Natur ihre letzte Ruhe finden. Oder die Angehörigen nicht mit der Grabpflege belasten, zumal diese oft ja auch aus der Stadt fortgezogen seien, sagt Mathilde Weinandy.

Allerdings sei der Kalvarienberg auch „irgendwie etwas Besonderes für die Leute. Die Kapelle steht da, wir haben diesen wunderbaren Kreuzweg von Baptist Lenz, Wanderwege führen dort vorbei“, hinzu komme das Denkmal oben auf dem Berg, das an die Explosionskatastrophe von 1949 erinnere – es sei eben eine ganz spezielle Atmosphäre.

Die Stadt hat inzwischen einen Teil des etwa einen Hektar großen Bestands unterteilt und für die Bestattungen vorbereiten lassen. „Es ist noch nicht ganz fertig, da müssen noch Parkplätze gebaut werden“, sagt Mathilde Weinandy. Aber die Wege seien angelegt, die geeigneten Douglasien ausgewählt. Und jetzt könne man dort hingehen „und sich einen Baum aussuchen“.

Dabei bestehen drei Möglichkeiten – immer mit zwölf Urnenplätzen für jeden der zurzeit etwa 200 vorgesehenen Bäume: Es gibt Gemeinschaftsbäume, unter denen Einzelpersonen bestattet werden, Familienbäume für Verwandte und Freunde – und sogenannte Regenbogebäume. Dort können Kinder bestattet werden, die ihre Geburt nicht überlebt haben oder nur bis zu einem Jahr alt geworden sind.

Alles muss sozusagen naturbelassen bleiben: Kränze, Grabschmuck, Grabmale oder Erinnerungsstücke dürfen nicht aufgestellt oder angebracht werden. Lediglich ein kleines Schild ist erlaubt, auf dem ein Spruch oder der Name des bestatteten Menschen zu lesen sein dürfen.

Dass der Zuspruch insgesamt und auch bei der Einsegnung so groß ausfällt, freut den Initiator: „Ich war ja ledglich der Ideengeber“, hält sich Peter Wind zwar zurück. Aber er sei schon „davon ausgegangen, dass das ein Thema ist. Dass es allerdings eine so riesige Resonanz hervorruft, hat mich dann doch überrascht“, sagt der Forstamtsleiter, zeige aber zugleich, „dass es längst überfällig war“.

Es liege aber eben auch, das sieht er genauso wie die Bürgermeisterin, am Ort: „Der Kalvarienberg hat für die Prümer eine große Bedeutung. Und das macht sich an dem Interesse jetzt bemerkbar.“

Bleibt der Zuspruch so hoch, dann ist an der jetzigen Stelle noch nicht Schluss: Bisher ist nur ein Teil des Waldes für Bestattungen vorbereitet. Eine Erweiterung, sagt Mathilde Weinandy, sei deshalb problemlos möglich.

Am kommenden Samstag, 24. November, bieten Mathilde Weinandy und Peter Wind den Bürgern Informationsgespräche rund um den Bestattungswald an. Sie sind von 11 Uhr bis 12.30 Uhr an Ort und Stelle.

Wer Fragen hat, kann sich ans Büro der Stadtbürgermeisterin wenden, Telefon 06551/6410. Auskunft erteilt auch Roswitha Meinz bei der Verbandsgemeinde. Telefon: 06551/943303.