Erstes Gitarrenfestival in Bitburg: Vier Saitenmagier zeigen ihre Tricks

Bitburg/Densborn · Zum ersten Mal richten das Atelier Käpper in Densborn-Usch und die Jazzinitiative Eifel gemeinsam ein Festival für akustische Gitarrenmusik aus: Am dritten April-Wochenende sind vier versierte Könner im Haus der Jugend und im Haus Beda zu erleben - tagsüber geben sie Tipps, wie man am Instrument besser werden kann, abends spielen sie ein Konzert.

 Tolle Kurven: eine Akustikgitarre. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Tolle Kurven: eine Akustikgitarre. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Foto: (e_pruem )

Bitburg/Densborn. Klingt nach einem Freudentag für Fingerpicker: Das erste Gitarrenfestival in Bitburg bringt am Samstag, 23. April, vier Könner auf dem Griffbrett in die Stadt - zu einem eintägigen Workshop im Haus der Jugend und zum Konzert am Abend im Haus Beda.

André Käpper, Musiker und Gitarrenlehrer, betreibt in Densborn-Usch sein Atelier, in dem er bereits öfter renommierte Kollegen zu Gast hatte. Jetzt packt er es etwas größer an und organisiert erstmals dieses Festival, zu dem er gemeinsam mit der Jazzinitiative und dem Haus der Jugend einlädt.Kniffe von den Profis lernen


Käpper, selbst auch als Dozent dabei, hat drei weltweit auftretende Musiker für die Premiere anheuern können: den preisgekrönten kanadischen Gitarristen Don Alder, den US-Amerikaner Adam Rafferty und den Maler und Musiker Piet Hodiamont aus Belgien. Wer sich von den Fähigkeiten der vier überzeugen lassen will: Auf Youtube findet man einiges an Anschauungsmaterial.
Viel näher dran ist man aber in Bitburg - da könne man den Musikern richtig auf die Pelle rücken, sagt André Käpper, und dabei der Frage nachgehen: "Was machen die denn da?" Genau darum geht es auch in den Workshops: Kniffe zu erleben, die man sonst nicht mitbekommt - und vielleicht herauszufinden, dass nicht alles so schwierig ist, wie es manchmal klingt.

Die drei internationalen Dozenten, sagt Käpper, seien alles "ganz eigene Vögel" und "alle supernett". Und er musste sich nicht einmal groß um die Kollegen bemühen, im Gegenteil: Alle hätten sich darum beworben, auf seiner Bühne zu spielen. Das täten sogar recht viele - "aber bei mir tritt nur der auf, mit dem ich auch menschlich gut kann. Und wir haben uns gleich super verstanden."

Don Alder, der mitreißende Sachen auf seinem Instrument macht, geht besonders auf die Techniken der Gitarren-Perkussion ein - und ermutigt jeden, seinen eigenen Weg über das Griffbrett zu finden. Bei einem Kurs in Käppers Atelier habe er zu den Schülern gesagt: "Versucht nicht, mich zu kopieren, sondern macht aus eurer Schwäche eine Stärke, dann findet ihr euren Stil."
Adam Rafferty wiederum ist studierter Jazzgitarrist - und ging dann in eine ganz andere Richtung. Sein Markenzeichen: treibender Rhythmus und außergewöhnliche Instrumentalversionen bekannter Songs von, beispielsweise, den Beatles, Stevie Wonder oder Michael Jackson.

Wieder anders: Piet Hodiamont, wie Käpper auch Bildender Künstler, beide verarbeiten afrikanische, orientalische und andere Einflüsse. Käpper demonstriert außerdem, was man mit offener Stimmung (alle Saiten sind auf einen Akkord getrimmt) so alles anstellen kann. Piet Hodiamont verbindet unterschiedliche Stile und Techniken auf spanischer Laute, zehnsaitiger-Gitarre, Syntheziser-Gitarre und zeigt, wie man mit elektronischen Schleifen ("Loops") arbeiten und sich damit begleiten kann.Vier Solisten in einer Band


Da wäre also einiges zu erleben im Haus der Jugend und abends im Haus Beda, wenn die vier solo und als Band auftreten: Festival-Termin ist Samstag, 23. April. Im Haus der Jugend kann man den Musikern von 9 bis 17 Uhr in vier Workshops auf die Finger schauen. Um 20 Uhr beginnt dann im Haus Beda das Dozenten-Konzert, bei dem alle vier als Solisten und anschließend auch gemeinsam als Band auftreten.

Die Festival-Ankündigung macht so langsam die Runde: "Wir haben jetzt schon Anrufe", sagt André Käpper, "und wir versuchen, bei allen Anmeldungen die Jugendlichen vorzuziehen." Allerdings würden auch "junggebliebene Erwachsene" berücksichtigt. Noch etwas ist wichtig: Niemand solle sich abschrecken lassen von Spielniveau und Fähigkeiten der Dozenten, der Workshop sei für praktisch jeden geeignet, der eine Gitarre halten kann.
Akustische Gitarren sind für die Workshops mitzubringen. Anmeldung und Karten bei der Kulturgemeinschaft Bitburg im Rathaus, Telefon 06561/6001-225 (oder 220). Weitere Infos auf www.kaepper.de oder unter 06594/921862. Die Teilnahme am kompletten Workshop (nur mit Anmeldung) kostet für Jugendliche 40 Euro, für Erwachsene 60 Euro. Konzert: Jugendliche 12 Euro, Erwachsene 18 Euro.Extra

Wer es auf der akustischen Gitarre nicht bringt, hat Keith Richards von den Rolling Stones sinngemäß in seiner lesenswerten Autobiografie "Life" geschrieben, der braucht erst gar nicht auf der elektrischen anzufangen. Man kriegt die Instrumente in allen Preislagen, von 50 Euro (billiges Material, meistens Pressholz, Fertigung meistens in China) bis 5000 Euro (massives, ausgesuchtes Holz) - und noch deutlich mehr, je nach Hersteller. Bei etwa 300 Euro beginnen die Preise für gute, solide Gitarren, die mit einer massiven Decke ausgestattet sind, während für die Seitenteile (Zargen) und den Boden laminierte Hölzer verwendet werden. Bekannteste Marke für Westerngitarren ist Martin aus Pennsylvania (USA). Weitere prominente Hersteller: Taylor, Gibson, Guild, in Japan Ibanez und Takamine, in Deutschland Lakewood. Der Preis wird von zwei wesentlichen Faktoren bestimmt: Material und Herstellungsort. Eine Lakewood-Gitarre zum Beispiel, in Deutschland gebaut, kostet dadurch rund 2000 Euro und aufwärts. Mehr und mehr erobern jüngere Marken das vor allem mittlere Preissegment. Ein Tipp: Furch in Tschechien. Handgefertigte Instrumente, die bei unter 1000 Euro beginnen. Oder Faith, eine britische Marke, bei der man eine Gitarre aus Massivholz schon für 500 Euro bekommt. fplExtra

Bei den akustischen Instrumenten unterscheidet man zwischen der Konzert- oder klassischen Gitarre mit Nylonsaiten und der Stahlsaiten- oder Westerngitarre. Die Konzertgitarre hat ein breiteres Griffbrett, ihre Saiten sind aufgrund der niedrigeren Spannung und des Materials leichter zu greifen. Einen kräftigeren und härteren Klang bietet die Westerngitarre, die vor allem in der Popularmusik präsent ist. Bekannteste Korpusform, vom Traditionshersteller Martin (USA) entwickelt, ist die Dreadnought ("Fürchtenichts"), benannt nach einem britischen Kriegsschiff (weil sie von oben betrachtet eine ähnliche Form hat). Die Dreadnought ist das Instrument für alle, die sich damit auch in einem Ensemble durchsetzen wollen - genau für diesen Zweck wurde sie auch im vergangenen Jahrhundert entwickelt. fpl