Erstes internationales "Guitar-Festival" in Bitburg kommt gut an - Wiederholung nicht ausgeschlossen

Erstes internationales "Guitar-Festival" in Bitburg kommt gut an - Wiederholung nicht ausgeschlossen

Vier Saitenartisten aus Deutschland, den USA, Belgien und Kanada ließen sich am Samstag im Bitburger Haus der Jugend (HdJ) in Workshops auf die flinken Finger schauen. Abschluss und Höhepunkt des Tages war ein Konzert der international renommierten Musiker im Haus Beda.

Bitburg. Der Tag beginnt morgens um neun Uhr im Musikraum des Hauses der Jugend (HdJ): 22 Gitarristen packen ihre Instrumente aus - unter Musikern weltweit das Signal, mit zwangloser Konversation zu beginnen: "Was ist das für ein Tonabnehmer?", fragt einer. "Schöne Gitarre, was hast du dafür bezahlt?", will ein anderer wissen.Langer und intensiver Tag


Einige sind schon seit Stunden unterwegs, um pünktlich zum ersten Workshop der vom Atelier Käpper, der Jazzinitiative Eifel und dem HdJ Bitburg ausgerichteten Veranstaltung zu erscheinen. Till Duft (16) ist aus Köln angereist, Valentin Stenger (20) aus Hilgenroth. Andere Teilnehmer kommen aus Trier, Bitburg und den umliegenden Ortsgemeinden.

Doch egal, für wen der Wecker wann geklingelt hat, für alle wird es ein langer und intensiver Tag voller spannender Eindrücke und vieler musikalischer Aha-Erlebnisse. Auch für André Käpper, den Co-Organisator des ersten "International Modern-Acoustic-Guitar-Festivals" in der Eifel, hat der Tag bereits um sechs Uhr in der Früh begonnen. "Ich bin bester Dinge", sagt Käpper, der unmittelbar nach seinem Workshop, in dem Flamenco-Techniken das Hauptthema sind, ins Haus Beda eilt, um den Aufbau der Licht- und Tontechnik für das Konzert am Abend zu koordinieren. "Ich bin froh, dass die Workshops gut besucht sind und dass der Vorverkauf für das Konzert einiges verspricht." Rund 130 Besucher wollen später am Abend den Auftritt der vier Gitarrenvirtuosen im Haus Beda sehen.

"Ich möchte, dass sich jeder von euch eine Trommel kauft", sagt der New Yorker Jazzgitarrist Adam Rafferty. In seinem Workshop werden die Gitarren erst einmal beiseite gelegt, der körpereigene Rhythmus hat für den Amerikaner unbedingte Priorität. "Ohne das richtige Gespür für den Beat eines Songs funktioniert das Gitarrenspiel nicht", betont Rafferty und gibt einen Groove vor, in den die Runde klatschend und auf den Oberschenkeln trommelnd einsteigt.Bumm Tschack, Bumm Tschack


"Was würde das Schlagzeug spielen?", ruft er. "Alle zusammen: Bumm Tschak, Bumm Bumm Tschack!" Zuvor hatten die Seminarteilnehmer den sphärischen Klangwelten des Belgiers Piet Hodiamont gelauscht, die der Gitarrist aus Eupen mithilfe einer Synthesizer-Gitarre und aufwändiger Loop-Technik zaubert und dabei ausführlich erklärt, wie die Geräte funktionieren.

"Das war richtig cool", sagt Jonas Lang. Er ist mit 13 Jahren der Jüngste im Raum, spielt aber bereits seit vier Jahren Gitarre. Der kanadische Gitarren-Irrwisch Don Alder ist für Jonas jedoch der Mann des Tages. "Die Sache mit dem Klopfen hat richtig Spaß gemacht", sagt er. Das "Klopfen" ist Teil einer virtuosen Spieltechnik, die Don Alder weltweit bekannt gemacht hat. Der Kanadier schafft es, seine Gitarre als Percussion-Instrument zu nutzen, während er zugleich Melodien spielt und mit dem Daumen eine Bassbegleitung zaubert. Und das alles mit zwei Händen. "Versucht, die linke und rechte Hand voneinander unabhängig zu bewegen - das ist schon das ganze Geheimnis", rät Alder, geht durch die Reihen, gibt Tipps und Hilfestellung. So mancher schaut ungläubig auf die eigenen Hände, die sich trotz eindeutiger Befehle der Schaltzentrale weigern, im Rhythmus zu bleiben. Es wird viel gelacht, und Jonas rätselt, wie das wohl zu schaffen sei. "Üben", entgegnet Alder trocken. "Wenn es einmal klappt, dann bleibt es für immer." Beim Mittagessen erzählt Don Alder aus seinem Leben, geht auf die kanadische Musikszene ein und fachsimpelt mit den anderen Dozenten über Klänge und Gitarrenbauer. "Aber die Wahrheit ist", sagt der gestandene Gitarrist: "Niemals klang ich besser als damals mit meiner ersten Klampfe daheim im Kinderzimmer." Abends, beim Konzert, klingt sein Gitarrenspiel jedenfalls fantastisch - genauso wie das der Kollegen Käppert, Rafferty und Hodiamont.

Nach ihren Soloauftritten formen sich die vier Ausnahmemusiker zu einer Band, und als letztes Stück erklingt eine famose Version des John-Lennon-Songs Imagine. Fast alle Workshop-Teilnehmer sind zum Konzert gekommen und bejubeln ihre Dozenten. Auch Jonas sitzt im Publikum. Imagine: Stell dir vor, du könntest so Gitarre spielen.