Erstes Jahr ohne Tote auf der B 51

Erstes Jahr ohne Tote auf der B 51

Heute vor genau zwei Jahren verlor eine 22-jährige Frau bei einem Unfall auf der B 51 bei Bitburg ihr Leben. Seither ist eine Menge passiert, um die Bundesstraße sicherer zu machen. 2010 gab es mit 178 Unfällen so wenig wie seit Jahren nicht - und erstmals ist kein Verkehrstoter zu beklagen.

Bitburg. Ein Augenblick der Unaufmerksamkeit, der ein Leben auslöschte: Eine junge Frau verlor am 2. März 2009 bei einem Unfall auf der B 51 ihr Leben. Die 22-jährige Autofahrerin stand im Berufsverkehr mit ihrem Auto bei Bitburg am Ende eines Staus. Ein LKW-Fahrer übersah das Stauende.

Eine Tragödie, die etwas bewegt hat


Die Folge: Der 40-Tonner donnerte gegen den Kleinwagen und quetschte diesen in einen Lastwagen, der vor dem Auto der Frau stand. Für die junge Frau kam jede Hilfe zu spät, sie erlag an der Unfallstelle ihren Verletzungen.

Eine Tragödie, die auch Polizei und Straßenbauer nicht kalt gelassen hat. "Achtung Staugefahr" warnt dort seither ein Banner die Verkehrsteilnehmer. Denn bei Bitburg schieben sich die Fahrzeuge tagtäglich im Berufsverkehr Stoßstange an Stoßstange über die B 51. Grund sind die vielen Auf- und Abfahrten. Will sich jemand noch schnell einfädeln, muss der fließende Verkehr abrupt abbremsen und es gibt Rückstaus an Stellen, an denen keiner damit rechnet. Das Warnbanner ist eine der Maßnahmen (siehe Extra), die der Landesbetrieb Mobilität (LBM) gleich nach dem tödlichen Unfall umgesetzt hat. Zudem wurde rund um Bitburg das Tempo-Limit 70 eingeführt.

Doch das ist für Harald Enders, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Gerolstein, ein zweischneidiges Schwert: "Dadurch vermeidet man Überholunfälle, aber das führt auch zur verstärkten Pulkbildung des Verkehrs, was das Auf- und Abfahren erschwert. Daher planen wir, die Ein- und Ausfahrten zu verlängern und denken über eine zusätzliche Fahrspur zwischen Bitburg und A 60 nach, um Überholdruck abzubauen."

Die B 51 beschäftigt seit den sechs tödlichen Unfällen im Jahr 2008 auch die Polizei, die auf der als "Todesstrecke" verrufenen Bundesstraße verstärkt den Verkehr kontrolliert. Mit Erfolg: Es gibt weniger Unfälle, weniger Verletzte (siehe Grafik) und 2010 erstmals auch keinen Verkehrstoten. "Die deutlich rückläufigen Zahlen zeigen, dass die Zusammenarbeit von Polizei und Verkehrsbehörde und die von ihnen umgesetzten baulichen, verkehrstechnischen und Überwachungsmaßnahmen die B 51 sicherer machen", sagt Enders. Das bestätigt auch Hauptkommissar Ulrich Müller von der Polizeidirektion Wittlich: "Die Polizeipräsenz hat sich wohl rumgesprochen. Es gibt weniger einheimische Verkehrssünder und damit nimmt auch die Zahl der Überholverbote ab. Ein Problem sind die hohen Geschwindigkeiten, die wir nun verstärkt kontrollieren."

Ein mulmiges Gefühl bleibt. Eben wegen der vielen Raser - 140 Stundenkilometer sind laut Polizei keine Seltenheit. Hinzu kommt: Die Verkehrsdichte ist mit mehr als 20 000 Fahrzeugen täglich auf der B 51 doppelt so hoch wie auf der A 60 bei Spangdahlem. Der viele Verkehr soll durch den dreispurigen Ausbau der B 51 zwischen Helenenberg und Meilbrück entzerrt werden. "Das ist sinnvoll", sagt Müller. Aber er mahnt alle Fahrer: "Die Ursache für schwere Unfälle ist und bleibt menschliches Versagen."EXTRA

Das Maßnahmen-Paket von Straßenbau-Behörde, Bund und Polizei für mehr Sicherheit auf der B 51: Ausbau: Der rund zwölf Millionen Euro teure dreispurige Ausbau zwischen Helenenberg und Meilbrück soll Überholdruck abbauen und gefährliche Kreuzungen werden durch Brücken ersetzt. Kontrollen: Die Polizei baut "Überwachungsdruck" auf, um das Fahrverhalten zu ändern. 2010 war sie 262 Stunden auf der B 51 aktiv: 720 Fahrer wurden angezeigt und 42 Fahrverbote erteilt. Neue Regeln: Zwischen Bitburg und A 60 gilt Überholverbot und "Tempo-Limit 70". Richtungs-Trennung: Auf dem vierspurigen Abschnitt bei Bitburg wurden die Fahrtrichtungen optisch durch rote Kegel (siehe großes Foto) getrennt, die das Überfahren der Mittellinie verhindern. Warnhinweise: Die B 51 ist die erste Bundesstraße, auf der "Runter vom Gas"-Plakate warnen, die sonst nur an Autobahnen üblich sind. Einfädeln: Um den Verkehr zu entzerren, wurde der Überholstreifen bei der Abfahrt zum Flugplatz aus Richtung Trier verkürzt. Die B 51-Auffahrten rund um Bitburg sollen verlängert werden. (scho)Drei Fragen an…Harald Enders (51), Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Gerolstein: Was macht aus Ihrer Sicht die B 51 gefährlich? Enders: Das Gefährliche ist das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer: Zu hohe Geschwindigkeiten, riskante Überholmanöver und Fehler beim Einbiegen waren die Hauptursachen der schweren Unfälle in den vergangenen Jahren. Wird die Straße durch den weiteren Ausbau sicherer? Enders: Durch den aktuell laufenden dreispurigen Ausbau zwischen Meilbrück und Helenenberg werden vier Kreuzungspunkte auf der B 51 beseitigt - Stellen, an denen es schon mehrfach zu tödlichen Unfällen kam. Was ist das riskanteste Fahrmanöver, das Sie selbst auf der B 51 erlebt haben? Enders: Bei Bitburg wurde ich in einem eigentlich zweispurigen Abschnitt trotz Gegenverkehr überholt. Da stockt einem schon kurz der Atem. (scho)

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