"Es gibt Stress"

Seit drei Wochen schon stehen die Baumaschinen der Trierer Firma Schnorpfeil auf dem Hahnplatz. Das wichtige Wort im vorigen Satz ist: stehen. Der Beginn der Arbeiten verzögert sich. Und am Regen liegt’s nicht.

Prüm. Vorfreude, zart getrübt: Am Sonntag nächster Woche, dem 26. Juni, beginnt der Prümer Sommer - zum 25. Mal wird dann in der Abteistadt der Auftakt des großen Volksfests gefeiert. Ein sehr beliebter Programmpunkt aber ist nicht dabei: das Treffen der "Old- und Youngtimer", stets organisiert vom Prümer Motorsportclub. Die schicken Autoschätzchen parkten dann immer vor der Basilika, bevor sie sich am Nachmittag auf ihre umjubelte Runde durch die Innenstadt machten. Aber am Hahnplatz parken jetzt andere Maschinen - nämlich die der Trierer Baufirma Schnorpfeil (der TV berichtete). Und bewegen sich nicht. Auch die Straße ist noch nicht aufgerissen - in der ersten Bauphase soll ja unter anderem der neue Kreisverkehr mitten auf dem Platz gemacht werden. Beginn noch nicht in Sicht

Hätte man das vorher gewusst - der Prümer-Sommer-Auftakt wäre wie immer über die Bühne gegangen. So aber: Ein Programmpunkt weniger. Und noch kein Baubeginn in Sicht.Die Prümer fragen sich, wann es denn nun losgeht mit ihrem Vier-Millionen-Projekt. Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy auch. Und sie redet erst gar nicht groß herum: "Es gibt Stress", sagt sie. Wegen der Pflastersteine, die in den Hahnplatzboden gelegt werden sollen. Und dass man für Dienstag ein Gespräch mit allen Beteiligten, inklusive Baufirma, Planer Maik Böhmer und dem Landesbetrieb Mobilität (LBM), angesetzt habe. Damit geklärt werden könne, wann und wie es los- und weitergeht. Bruno von Landenberg und Josef Arens sind beim LBM für das Prümer Projekt verantwortlich: Die Firma Schnorpfeil, erklären die beiden, habe bis jetzt noch kein Muster mit Prüfzertifikat für die Pflastersteine vorgelegt. Was, wie der TV inzwischen erfuhr, auch daran liegt, dass man in Trier mittlerweile vom ursprünglich vorgesehenen Stein-Lieferanten abgerückt und zu einem anderen gewechselt ist. Die Steine, sagt Josef Arens, "kommen wahrscheinlich aus China oder Vietnam". Und bis der Lieferzeitpunkt feststehe, könne man die Arbeiten, die in der ersten Phase drei Monate dauern sollen, nicht freigeben.Denn auch der LBM will sich nicht in die Bredouille bringen. "Das Ganze muss vorher wasserdicht sein, bevor wir der Firma den Startschuss geben", sagt Bruno von Landenberg. Denn was man auf keinen Fall wolle, sei eine ruhende Baustelle.Und was sagt die Baufirma? Christoph Schnorpfeil spricht von "Irritationen" und "Missverständnissen", was, zum Beispiel, das Material betreffe: Er dürfe sich, stellt er klar, seine Lieferanten immer noch selbst aussuchen. Und ja, er sei von der ursprünglichen Firma abgerückt. Aber nicht weil die andere - er bestätigt, dass es sich um eine vietnamesische Firma handelt - billiger sei. Sondern weil sie ihm insgesamt bessere Bedingungen biete: Der neue Lieferant trage das Risiko für das Material, bis es per Schiff in Deutschland angekommen sei. Lieferzeit: acht bis zwölf Wochen. Gesamtwert: 800 000 Euro, sagt Schnorpfeil, "das sind keine Peanuts". Sollte am Dienstag alles geklärt werden können, sagt der Bauunternehmer, könnten seine Arbeiter, auch wenn die Steine dann noch nicht rübergeschippert sind, "sofort" anfangen. Es gebe ja auch noch andere Arbeiten zu tun, bevor das Pflaster gelegt werde. Und: "Ich habe die Leute in den Startlöchern."Gut zu wissen. Aber: "Er muss ein Zeugnis bringen über die Qualität der Steine", sagt Mathilde Weinandy. "Und das hat bisher nicht funktioniert." Für Dienstag. habe Schnorpfeil angekündigt, das Zertifikat vorzulegen. Und Hahnplatz-Architekt Maik Böhmer gehe davon aus, dass dann alles den Anforderungern entspreche. Wenn nicht, ist man schon mehr als zwei Wochen hinter Plan. Das wären dann auch keine Peanuts.Meinung

"Es gibt Stress"
Foto: (e_pruem )

Mehr DruckEifelweit findet man in diesem Jahr wohl keine Baustelle, die so unter Beobachtung steht wie der Hahnplatz. Da wundert man sich, dass die Trierer Firma bisher nicht in die Gänge kommt. Der Auftrag ist ja so klein nicht. Und auch nicht erst gestern vergeben worden. Kurz: Fehlstart. Jetzt muss aufgeholt werden. So viel Kredit sei dem Auftragnehmer gegeben. Der Druck, dass alles gut läuft, ist allerdings deutlich größer geworden. f.linden@volksfreund.de