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Es hackt! Holz soll Alte Kaserne heizen

Es hackt! Holz soll Alte Kaserne heizen

Mit Holzhackschnitzeln aus dem Eifelwald will die Bedabik GmbH das gesamte Konversionsgebiet "Alte Kaserne" zentral beheizen. Die neu gegründete Energiefirma greift dabei auf das vom US-Militär hinterlassene 1,8 Kilometer lange Leitungsnetz im Boden des elf Hektar großen Geländes zurück.

 In die alte Heizzentrale kommt neue Technik im Wert von einer Million Euro.
In die alte Heizzentrale kommt neue Technik im Wert von einer Million Euro. Foto: (e_bit )
 Wie der Zweckverband Flugplatz Bitburg, der das Kasernengebäude „2007“ (Foto oben) gekauft hat, richten sich bereits viele Firmen auf dem Konversionsgebiet in ihren neuen Immobilien ein. Alle Gebäude sind verkauft.
Wie der Zweckverband Flugplatz Bitburg, der das Kasernengebäude „2007“ (Foto oben) gekauft hat, richten sich bereits viele Firmen auf dem Konversionsgebiet in ihren neuen Immobilien ein. Alle Gebäude sind verkauft. Foto: (e_bit )

Bitburg. Es ist kalt: Gerade mal drei Grad Außentemperatur zeigt das Thermometer an, als die brandneue Energiefirma Bedabik GmbH zum Ortstermin in eine unbeheizte Halle die "Alte Kaserne" einlädt. In den kühlen Gemäuern der ehemaligen Heizzentrale des US-Militärs machen sich Michael Hauer und Kurt Rings, zwei der drei Gesellschafter, warme Gedanken: Sie wollen alle 19 Gebäude auf dem ehemaligen Kasernengelände, wo derzeit bereits einige der neuen Eigentümer einziehen, über das vom Militär hinterlassene Nahwärmenetz beheizen. Im Boden des knapp elf Hektar großen Areals liegt dafür nämlich schon ein 1,8 Kilometer langes Leitungsnetz bereit. Bis 2012 nutzte das US-Militär die mit Kunststoff und Isolierschaum ummantelten Rohre, um sämtliche Kasernengebäude zentral zu beheizen. In der ehemaligen Heizzentrale steht noch der alte Öl-Brenner. Diesen will die Bedabik GmbH durch eine moderne Holzhackschnitzelheizung ersetzen, damit Wasser auf 80 Grad erhitzen und durch das Leitungsnetz pumpen. 1,6 Millionen Euro will das Unternehmen in das Projekt investieren.
Die privaten Waldbesitzer aus dem Altkreis Bitburg sollen das Holz dafür liefern. "Für uns ist das Neuland", sagt Kurt Rings, Vorsitzender des Waldbauvereins Bitburg, der über seine Tochterfirma, den Forstbetriebshof Eifel GmbH, an dem Projekt beteiligt ist. "Wir haben bislang nur Stammholz verkauft, keine Hackschnitzel", erklärt Rings. Wenn die geplante Holzhackschnitzelheizung eines Tages mal auf Hochtouren laufe, dann brauche es im Jahr etwa 100 Lastwagenfuhren Stammholz, um die Anlage zu befeuern. Rings: "Die 1900 Mitglieder des Waldbauvereins können das liefern, das ist kein Problem." In den Brenner kämen Buche, Eiche, Esche, Erle und Pappel.
Das Stammholz muss zuvor allerdings gehäckselt werden. "Da gibt es mobile Häcksler, die wir dafür mieten wollen", erklärt Rings. Neben der Heizzentrale müsse eine Halle gebaut werden, in der die Hackschnitzel gelagert werden können. Von dort soll sie eine Förderschnecke in den Brenner transportieren. Doch ganz ohne fossile Energieträger kommt die Bedabik GmbH dann doch nicht aus. Michael Hauer, Geschäftsführer der Firma Erneuerbar Südwest, ist zweiter Gesellschafter und erklärt den Energiemix: "Holz macht 80 Prozent aus. Daneben nutzen wir Erdgas, 15 Prozent, mit dem wir in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) Strom für die Anlage und einige lokale Abnehmer erzeugen wollen." Das BHKW produziere zudem Wärme, die ebenfalls in die Heizanlage fließe.
Nur in der absoluten Spitze, die etwa fünf Prozent des Betriebs ausmache, werde auch noch ein Ölbrenner zugeschaltet, sagt Hauer. Rings: "Das ist nur der Fall, wenn draußen wirklich klirrende Kälte herrscht." Im Sommer soll die neue Heizanlage aufgebaut und angeschlossen sein. Derzeit beheizt die Firma eines der drei Teilnetze auf dem Kasernengelände bereits mit einem mobilen Ölbrenner. Denn eine Handvoll Firmen ist bereits im Konversionsgebiet eingezogen und benötigt Energie.
Die drei Gesellschafter, darunter auch Schreinermeister Willi Notte aus Bitburg, sind vom Erfolg ihres Nahwärme-Projekts überzeugt: "Derzeit haben alle Firmen, die Gebäude auf dem Gelände gekauft haben, Interesse an einem Anschluss bekundet", sagt Hauer.
"Damit können sie auf eine eigene Heizungsanlage verzichten und das Geld in andere Bereiche investieren." Für eine Kilowattstunde sollen die Kunden im Konversionsgebiet künftig fünf Cent bezahlen. Dazu kommt eine Grundgebühr von 35 Euro pro Kilowatt Anschlussleistung. Rings: "Wir sind zwar nicht der günstigste Anbieter, mit der nachwachsenden Energie aus dem Eifelwald aber der nachhaltigste." Die Bedabik GmbH konnte sich unter 15 Bewerbern, die an der Ausschreibung des Zweckverbands Flugplatz Bitburg teilgenommen hatten, den Zuschlag sichern.