Porträt: „Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören“

Porträt : „Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören“

Matthias Moos war 35 Jahre lang Ortsbürgermeister von Weidingen in der Südeifel. In dieser Zeit hat sich in der Gemeinde einiges getan.

„Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören“, sagt Matthias Moos. 35 Jahre lang war er Ortsbürgermeister der Gemeinde Weidingen mit rund 180 Einwhonern. Er habe mit Johannes Fandel einen Nachfolger gefunden, „der sich richtig ins Zeug legt“.

Als er das Amt des Ortsbürgermeisters übernahm, hatte er nach eigenen Aussagen keine Ahnung von Kommunalpolitik. Zwölf Jahre, nachdem der gebürtige Uppershausener nach Weidingen gezogen ist, habe man ihn mit den zweitmeisten Stimmen in den Gemeinderat gewählt. Und der Rat habe ihn dann direkt zum Bürgermeister ernannt.

„Damals gab es Streit im Dorf“, erinnert sich Moos. Doch dieser konnte im Verlauf der Jahre beigelegt werden. Dass er von außerhalb gekommen sei und selbst, anders als die meisten Dorfbewohner, kein Landwirt war, habe es ihm möglich gemacht, mit allen unvoreingenommen zu reden und so schließlich Einigkeit im Ort zu schaffen.

Und mit dieser Einigkeit ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten so einiges bewegen. Sehr stolz ist Matthias Moos auf das Gemeindehaus, das in seiner Amtszeit entstanden ist. 5300 Stunden Eigenleistung hätten die Dorfbewohner dafür aufgebracht. Samstagmorgen habe seine Frau Hildegard Schnittchen und Kaffee für alle Helfer gemacht. Moos selber konnte oft nicht dabei sein, weil er als KFZ-Meister samstags bei seiner Firma in Bitburg arbeiten musste. „Aber, wenn ich angerufen und nachgefragt habe, waren immer genug Helfer da“, berichtet er.

Bis heute schreibe das Gemeindehaus, das jetzt seit 17 Jahren im Betrieb ist, schwarze Zahlen. Vermietet wird der großzügige Bau gegen Gebühr unter anderem für Feste wie Hochzeiten. Außerdem wird der Erlös des jährlichen Weihnachtsmarktes auch für die Unterhaltung des Gemeindehauses genutzt. Ebenso wie der Erlös des Fischerfestes. Einen Fischweiher gebe es zwar nicht, sagt Moos. Aber als es diesen noch gab, erfreute sich das Fest so großer Beliebtheit, dass man nun den Fisch einkaufe und zubereite.

Ein weiteres Projekt, das Moos am Herzen liegt, ist die Renovierung der Kirche. Rund 800 000 Euro wurden hier schon investiert. Von außen ist zu sehen, dass der Anstrich erneuert wurde. Auch die Madonna über der Eingangstür erstrahlt in neuen Farben. Aber auch innen konnten durch sorgfältige Arbeit alte Malereien wieder freigelegt werden.  Mehr als die Hälfte des Geldes sei allein durch Spenden zusammen gekommen. Und die Arbeit ist noch nicht beendet. Auch wenn Moos sich politisch nicht mehr engagieren will, so wird er in der Kirche am Ball bleiben.

Ein wenig stolz ist Matthias Moos auf die Bekanntheit des Ortes bei Kunstliebhabern. Zum einen habe der international anerkannte chinesische Künstler Xiabai Su in Weidingen gelebt und dem Ort als „Dauerleihgabe“ Bilder für das Gemeindehaus überlassen. Zum anderen hat der Galerist Max-Ulrich Hetzler eine Stiftung für Kunst in Weidingen gegründet. Künstler können in seinem Gästehaus wohnen und in der Werkstatt arbeiten. Jährliche Sommerausstellungen locken im Sommer viele Kunstinteressierte nach Weidingen.  

Ein weiteres großes Thema in seiner Amtzeit sei die Flurbereinigung gewesen, sagt Moss. Und die Verlegung des Abwasserkanals, mit dem er sich nicht nur Freunde gemacht habe. Denn der Ausbau wurde vorgezogen, um neue Grundstücke direkt an das System anschließen zu können. Das habe nicht allen gefallen, die dafür zur Kasse gebeten wurden.

Doch insgesamt erinnert sich Moos eher an die angenehmen Seiten seiner Amtszeit. Und ist seiner Frau Hildegard und seiner ganzen Familie dankbar für die Unterstützung. Seine Frau habe oft den Unmut der Bürger abbekommen, weil sie daheim die Anrufe entgegennahm. „Wenn ich abends von der Arbeit kam, hatten die sich schon wieder beruhigt“, sagt der 68-Jährige lachend.

Für sein langjähriges Engagement wurde er jetzt für ihn völlig überraschend mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette ausgezeichnet.

Ein guter Abschluss für seine lange Tätigkeit. Aus der Kommunalpolitik hat er sich jetzt ganz zurückgezogen. „Die sollen ganz neu anfangen“, wünscht sich Matthias Moos. Natürlich gehe er noch zu den Sitzungen, aber nur als Zuhörer.

Das Bürgerhaus ist eines der wichtigen Projekte, die Matthias Moos in seiner Amtszeit als Ortsbürgermeister erfolgreich angegangen ist. Foto: TV/Nora John

Langweilig wird ihm aber trotzdem nicht. Seine eigene Autowerkstatt, die er mit Hilfe seines Sohnes betreibt, ist stets ausgebucht. Und die Kinder und Enkelkinder halten Matthais Moos und seine Frau reichlich auf Trab.

Mehr von Volksfreund