Es ist nicht alles schlecht in der Bauern-Welt

Es ist nicht alles schlecht in der Bauern-Welt

Die Mitglieder der (Rinder-) Züchtervereinigung Eifel haben bei ihrer Versammlung in Gondelsheim eine Reihe von Erfolgen des abgelaufenen Jahres gewürdigt und eine ganze Latte von Betrieben für hohe Leistungen ausgezeichnet. Die Marktentwicklung betrachten sie mit Sorge - und stemmen sich mit tapferer Haltung dagegen. Und mit guter Arbeit.

Weinsheim-Gondelsheim. Anne von Koppel. Alpia von Stavros. Lustre von Goldwin. Das sind doch mal Namen - und alles preisgekrönte Milchkühe aus den Ställen der Bauern, die der Züchtervereinigung Eifel angehören. Im Landkreis Vulkaneifel und dem Eifelkreis Bitburg-Prüm sind das 260 Landwirte mit rund 47 000 Tieren - was, sagt Geschäftsführer Gerd Grebener, etwa die Hälfte aller Kühe in Rheinland-Pfalz sei.

Bei der Jahreshauptversammlung am Mittwoch im Gondelsheimer Hotel Kirst - mit knapp 80 Teilnehmern, die anderen sind wahrscheinlich beim schönen Wetter mit Pflug oder Güllewagen auf den Feldern unterwegs - lässt Grebener das abgelaufene Jahr passieren und verweist auf die großen Erfolge, die beim Export von Tieren, bei Versteigerungen und Schauen erzielt wurden. Unter anderem von den oben genannten Kühen, wobei "Lustre" aus dem Stall von Familie Kreutz in Wilsecker sogar eine höchstbewertete "Exzellenzkuh" ist und damit eines der wenigen bundesweiten Spitzenrinder.Man kann sogar was verdienen


Stark auch die hohe Milchleistung von oft mehr als 100 000 Litern im Jahr. Zwei Dinge sind Grebener wichtig: "Mit den Kühen kann man sogar Geld verdienen. Und eine Kuh, die 100 000 Liter Milch gibt, die schafft das nur, wenn es ihr auch gut geht. Wir machen keine Qualzucht."
Das Thema nehmen sie sehr ernst, auch der Vorsitzende der Vereinigung, Alfred Bormann aus Biesdorf, unterstreicht das: Es sei einfach sehr schade, wie von manchen Interessengruppen oder Medienvertretern diese gute Arbeit runtergemacht und damit "ein Keil zwischen Erzeuger und Verbraucher" getrieben werde.
Alles in allem ist, trotz elender Milchpreise, insgesamt noch ein gutes Jahr für die Züchter. Das aber werde nicht so weitergehen: Die Gesamtkrisenlage (Milch-, Fleisch- und Getreidepreis, Krieg in Exportländern, Russlandembargo, Chinagedöns) wird den Bauern an allen Ecken und Enden die Erträge verhageln.

Was tun? Dazu spricht Gastreferent Gregor Veauthier, Chefredakteur des Fachblatts "Elite" aus Münster: Er macht den Bauern keine Hoffnug, dass sich die Marktlage vor Jahresende verbessern werde. Aber er erteilt auch der vom Bundesverband der Milchviehhalter geforderten Mengenregelung für Krisenzeiten eine Absage: Die würde, wenn überhaupt, nur europaweit funktionieren. Aber eine solche Einigkeit auf dem Kontinent zu erzielen, sei unmöglich. Sein Rat, "obwohl das keiner hören will: besser werden - wo man kann."

In solchen Zeiten tut es gut, mit Bauern zu sprechen, die mutig versuchen, so gut zu sein wie möglich: Wie Daniela Eiden, auch aus Biesdorf, oder Marco Weires aus Olmscheid. Die beiden jungen Landwirte gehören zu den am Mittwoch Ausgezeichneten - unter anderem mit der Kammerpreismünze. Daniela und ihr Mann Thomas Eiden erhielten sie in Bronze, Marco Weires in Gold.
Was macht man in diesen harten Zeiten? Das Geldverdienen sei sehr schwierig geworden, sagt die 36-Jährige. Aber Jammern? "Nützt ja nichts." Zudem sei die Landwirtschaft ohnehin "kein Job, sondern eine Lebenseinstellung". Da gehe man auch spät noch mal im Stall gucken, "wenn irgendwas ist. Man fühlt ja mit".

Und bis auf weiteres gelte es, den Betrieb am Laufen zu halten. "Keine Investitionen", sagt Marco Weires. "Abschreibungen werden nicht reinvestiert, sondern verflüssigt." Man halte die Ausgaben im Rahmen, sagt Daniela Eiden, und die Tiere gesund: Dann liefern sie auch, was man von ihnen will und kosten weniger.
Auch Weires ist Bauer aus Überzeugung: "Ich mag Kühe sehr gern, meine Frau hat Spaß an dem Job. Und wenn man dahintersteht, dann arbeitet sich das anders, als wenn man alles schlechtredet." Kurz: Noch sei er ganz guter Stimmung. "Aber wenn die Preise noch zwei Jahre so bleiben, dann ist die irgendwann vorbei."

Die zwei sind nicht die einzigen jüngeren Bauern, die in Gondelsheim dabei sind und ausgezeichnet werden. Man erhält den Eindruck, sie alle hätten sich etwas von "Talento" abgeschaut, der "Knallerkuh" (Gerd Grebener) von Frank Königs aus Stadtkyll: "Die ist ultrahart im Nehmen."

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