"Es ist schon bitter"

Neuer Fall von Unterschlagung in der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll: Offenbar hat ein langjähriger Mitarbeiter der Verwaltung insgesamt 800 Euro veruntreut. Rathaus-Chef Werner Arenz ist erschüttert. Erst vor eineinhalb Jahren hatte ein großer Veruntreuungsfall für Schlagzeilen gesorgt.

Jünkerath. "Das hat mich aus den Schuhen gehauen", sagt Werner Arenz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Obere Kyll. So wie es aussieht, hat ein langjähriger Mitarbeiter seiner Verwaltung insgesamt 800 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet.

Aufgefallen war der Mann seinen beiden Kolleginnen, die die Auffälligkeiten zunächst als Versehen ansahen. Doch als sich die "Versehen" wiederholten, stellten sie ihren Kollegen zur Rede und schickten ihn zu ihrem Chef.

Mitarbeiter kann Verhalten selbst nicht erklären



"Mir gegenüber hat der Mann die Vorwürfe direkt eingeräumt", sagt Arenz. Er habe aber nicht erklären können, warum er sich dazu habe hinreißen lassen, so Arenz. Der Mann stamme aus guten Verhältnissen und habe keine finanziellen Probleme. Er bekam noch am selben Tag die fristlose Kündigung.

"Es ist unfassbar, warum jemand seinen Arbeitsplatz wegen so einem bisschen Geld gefährdet." Zumal sich der altgediente Mitarbeiter über die Konsequenzen seines Verhaltens bewusst sein musste.

Der Fall zeige aber, dass das Frühwarnsystem nach dem großen Unterschlagungsfall funktioniere. "Die Mitarbeiter sind einfach sensibilisiert, auch wenn es nicht einfach ist, einen Kollegen zu bezichtigen", sagt Arenz. Dennoch sei der erneute Vorfall "an Ärgerlichkeit und Peinlichkeit nicht zu überbieten." Es gebe anscheinend immer wieder Menschen, die der Versuchung nicht widerstehen könnten.

Bereits vor rund eineinhalb Jahren hatte die Obere Kyll schon einmal wegen Veruntreuung Schlagzeilen gemacht - wenn auch in ganz anderer Größenordnung. Damals veruntreute der Kämmerer rund zwei Millionen Euro.

Polizei und Kommunalaufsicht wurden umgehend eingeschaltet, auch die Beigeordneten der Verbandsgemeinde wurden informiert. Das Gemeinde-Prüfungsamt in Daun soll laut Arenz jetzt mit den entsprechenden Unterlagen eine Prüfung vornehmen. "Mehr kann ich nicht tun", sagt Arenz. "Es ist schon bitter."

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