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Es ist viel mehr als nur ein Kleidungsstück

Es ist viel mehr als nur ein Kleidungsstück

Das Modeatelier von Margret Gasper wird am 2. November 20 Jahre alt. Seit der Gründung ist das Unternehmen stetig gewachsen. Heute nähen, sticken, stricken und häkeln 19 Mitarbeiter Designermode für Kunden aus Deutschland und Luxemburg.

Waxweiler. Es ist vielleicht nur ein schöner Zufall, aber die Zahl 20 scheint für die Modedesignerin Margret Gasper in diesem Jahr prägend zu sein. So feiert sie am 2. November das 20-jährige Bestehen ihrer Firma. Ihr Mode-Atelier "Haute Couture Margret Gasper" befindet sich im pittoresken Eifelörtchen Waxweiler, in einem schönen, alten Haus in der Hauptstraße Nummer 20. Sie beschäftigt mittlerweile 19 Angestellte. Doch sie bemüht sich gerade darum, einen syrischen Flüchtling, einen gelernten Schneider, in ihr Team aufzunehmen - dann wäre auch hier die 20 komplett. Bleibt noch zu erwähnen, dass das denkmalgeschützte Haus, in dem die Designerin arbeitet, 200 Jahre alt ist - na gut, das ist jetzt eine Null zu viel, aber die 20 ist auch da präsent.Von der Pike auf gelernt


Das mag nun alles zufällig sein, ihr Erfolg ist es nicht, sondern ein Ergebnis harter Arbeit. Ihr Handwerk hat die Schneidermeisterin von der Pike auf gelernt. Geboren in Konz-Krettnach, studiert sie Modedesign in Trier und arbeitet anschließend drei Jahre lang freischaffend. "Doch das hat mir nicht gefallen", sagt sie. Am 2. November 1995 entstand die Idee zur Selbstständigkeit: "Sie kam in mein Büro und sagte zu mir: ‚Ich mache hier einen Laden auf'. Und da ich ein braver Ehemann bin, habe ich mein Büro geräumt", sagt Hans-Peter Gasper, der damals noch als selbstständiger Malermeister und Restaurator gearbeitet hat.
"Die kleine Stofferia" war geboren. Mit einem kleinen Kundenstamm fing sie an, heute stehen 1200 Adressen in der Kartei. "Manche Kundinnen kommen regelmäßig, manche, wenn sie etwas Besonderes brauchen. Ich habe auch viele neue Kunden - das Schönste ist: Die meisten kommen wieder", sagt sie.
Für Margret Gasper ist es nicht nur "das Kleid" oder "die Hose", die sie für jemanden schneidert - für sie ist immer eine Geschichte damit verbunden. "Ich führe erst ein Gespräch mit meiner Kundin, ich gucke, wie sie sich bewegt, was sie trägt, möchte wissen, für welchen Anlass das Kleidungsstück gedacht ist." Und dann gibt es ein Unikat. Denn im Hause Gasper gibt es alles nur einmal. "Ich erkenne alle meine Kleider wieder, egal, wie alt sie sind." Sie habe ein fotografisches Gedächtnis. Wenn sie einen Lehrling ins Lager schickt, um einen Stoff zu holen, weiß sie genau, an welchem Platz im Regal dieser liegt.
Vor dem fertigen Kleidungsstück gibt es die Idee und dann eine Skizze. "Ich zeichne überall, spontan, egal, wo ich bin - meine ganze Handtasche ist voller Skizzen." Doch letztlich passiere alles im Team. "Ich kann diese Dinge nicht alleine machen", sagt die 56-Jährige. "Früher war ich eine Einzelkämpferin, heute bin ich eine Teamworkerin."
Sieben Tage die Woche, bis zu zwölf Stunden am Tag arbeitet sie. "Müde bin ich immer nur nach einer Modenschau." Ist der Akku leer, geht sie wandern, in den Garten oder backt. "Möchten Sie mal ein Anti-Aggressions-Plätzchen probieren? Die sind lecker", sagt ihr Mann, lacht und holt welche aus der Küche.
"Sie verlangt viel von ihren Mitarbeitern, aber nicht mehr, als sie selbst leistet. Manchmal ist sie ein bisschen chaotisch", sagt ihre Mitarbeiterin Andrea Jäger, die ihr im Büro den Rücken frei hält. "Ich mache meine Arbeit gerne, es ist meine Berufung", sagt Margret Gasper. Warum sie ausgerechnet in Waxweiler ihr Atelier hat? "Das hat sich so ergeben. Es hätte genauso in Timbuktu sein können." Die Kunden, die zum Teil weite Wege auf sich nehmen, schätzen die Arbeit der quirligen Designerin. "Es ist unsere klassische, hochwertige Verarbeitung, die überzeugt." Und ihr Stil. Trends interessieren sie nicht. Sie spürt lieber gesellschaftlichen Stimmungen nach. Und sie stöbert gerne in alten Sachen. Für die neue Kollektion hat sie im Antiquariat zwei Schnittmuster gefunden aus den 30er Jahren. Natürlich blickt sie auch nach vorn. So plant sie zurzeit einen Internet-Laden, um sich neue Käuferschichten zu erschließen. Und wie ist ihre neue Kollektion? "Die ist frech, die Schnitte fallen locker und die Farben sind fröhlich ." Ach ja: So eine Kollektion umfasst um die 100 Einzelteile - also fünf Mal 20.
Gefeiert wird am Samstag, 21. November. Margret Gasper veranstaltet einen Adventssalon, wo ihre Mode gezeigt wird.Extra

Diese fünf Klassiker sollte jede Frau im Kleiderschrank haben: 1. Eine Lederhose oder eine schlichte Tuchhose in der Farbe, die zur Grundgarderobe passt. 2. Schlichter, leichter Mantel, knielang. 3. Pulli aus leichtem Material. 4. Rock oder Kleid in schlichter Grundform oder eine weite Hose. 5. Ein Blazer. Und so schafft man Ordnung im Kleiderschrank: Man sortiert den Inhalt auf drei Plätze. Platz eins sind die absoluten Lieblingsteile, Platz zwei für die offiziellen Anlässe und auf Platz drei kommen die Teile, die man tragen wollte, aber bislang nicht angezogen hat. "Und die Sachen, die man heiß und innig liebt, ergänzt man mit guten, neuen Stücken", rät Modedesignerin Margret Gasper. sn