"Es juckt und kratzt": Gäßestrepper-Taufe in der Bitburger Fußgängerzone

"Es juckt und kratzt": Gäßestrepper-Taufe in der Bitburger Fußgängerzone

Sie sind fällig: Am heutigen Samstagnachmittag sollen aus dem Kreissparkassenvorstand Rainer Nickels, dem Turnverein-Geschäftsführer Thomas Elgass und dem Bürgermeister der Bitburger Partnerstadt Rethel, Guy Deramaix, im Rahmen der Gäßestrepper-Taufe echte Beberiger werden. Für die Täuflinge ist das eine Ehre - zunächst aber vor allem eine recht juckende Angelegenheit.

Bitburg. Für Gerd Wanken war es so wie eine kleine Reise in seine Kindheit. Nur dass die damit verbundenen Erinnerungen keine schönen waren. "Es ist eigentlich so, wie wenn man früher als Kind in Brennnesseln gefallen ist", sagt Wanken lachend.
1995 wurde der Leiter des Bitburger Hauses der Jugend gemeinsam mit Werner Pies und Peter Neu getauft. Und dass sich Wanken mehr als 20 Jahre später noch so gut an den Höhepunkt seiner Gäßestrepper-Taufe erinnern kann, hängt mit dem Taufwasser zusammen. Wobei die Bezeichnung Taufwasser etwas irreführend ist. Denn die Brühe besteht nur zu einem gewissen Grad aus Wasser im eigentlichen Sinn.

Der Rest setzt sich zusammen aus Bier, Batralzem, Salz, Pfeffer, Beifuß, gegebenenfalls auch Wasserlebewesen und eben Bohnenkraut. Und vor allem letzteres sorgt dafür, dass aus der Taufe ein ganzheitliches Erlebnis mit prickelnder Wirkung wird.

Das bestätigt auch Markus Müller. Der Mitarbeiter der Volksbank wurde vergangenes Jahr getauft, weil er als Protokollant und Kassenwart die Brüderschaft unterstützt. Und Taufpater Karli Bosse, der mit seinen Mitbrüdern das Ritual vollzieht, hat dabei nicht mit Taufwasser gegeizt. "Es juckt schon schrecklich", sagt Müller. "Ich bin 20 Minuten später duschen gegangen und da kam so einiges an Dreck runter", erinnert er sich.
Der Kassenwart hatte das Glück, dass er bei der Taufe der dritte von drei Täuflingen war. Der Abstand zwischen Taufe und Dusche war dadurch etwas kürzer. Schließlich müssen alle Täuflinge warten, bis die Zeremonie abgeschlossen ist. Und da Karli Bosse gerne viel redet und die stillen Momente zwischen seinen Sätzen mit Bier und Gesang gefüllt werden, zieht sich die Prozedur durchaus etwas in die Länge.

Allerdings ist die Taufgemeinschaft um Fairness bemüht: Der letzte Täufling des Tages bekommt in der Regel das meiste über, sodass der Juckreiz zwar kürzer, dafür aber umso intensiver ist. Die meisten der bislang rund 60 Ehrentäuflinge der vergangenen 35 Jahre waren Männer. Hin und wieder kommt diese Ehre aber auch Frauen zu Teil. Wie zuletzt 2014 Gisela Nospes, Wirtin im Bitburger Gasthaus LouM. Dass die Taufgemeinschaft bei Frauen mit der Taufplörre möglicherweise etwas zurückhaltender ist, kann die Wirtin nicht bestätigen. Im Gegenteil: Nospes bekam damals zusätzlich noch einen Eimer mit Eiswürfeln übergeschüttet - in Anlehnung an die so genannte "Ice bucket challenge", die zu der Zeit im Internet kursierte und bei der sich Menschen vor laufender Kamera für einen guten Zweck mit Eiswürfeln gefüllte Eimer über die Köpfe schütteten.Eis gegen Juckreiz


"Bei Frauen sind die auch nicht rücksichtsvoller", so das Resümee der Wirtin. Immerhin aber habe bei ihr das Eis den Juckreiz gedämpft. Mit Zeremonien, die ein leichtes Kribbeln hervorrufen, kennt sich Margot Hoffmann aus. Schließlich war sie bis zu ihrer Pensionierung vor zwei Jahren Standesbeamtin im Bitburger Rathaus. Als sie 2007 getauft wurde, war es mit ein bisschen Kribbeln aber nicht getan. "Das juckt und kratzt eklig", sagt Hoffmann. Das Schlimmste aber sei der Batralzem gewesen. Das mit Wermut aufgesetzte Allheilmittel aus der Eifel ist nämlich nicht nur Zutat der Taufbrühe, sondern auch elementarer Bestandteil der Zeremonie. Wer getauft wird, muss danach noch ein Glas Batralzem trinken. Und die ehemalige Standesbeamtin gehört leider nicht zu dem auserwählten Kreis derjenigen, denen das Getränk schmeckt. "Das war der erste Batralzem in meinem Leben", sagt Hoffmann, "und auch der letzte." uheExtra

Die unter der Federführung des Gewerbevereins organisierte Gäßestrepper-Taufe auf dem Petersplatz beginnt am heutigen Samstag gegen 16 Uhr mit der Ankunft der Täuflinge und der Taufgemeinschaft. Ebenfalls mit dabei sind der Städtische Musikverein, der Männergesangverein, die Bitburger Volkstanzgruppe, die Beberiger Kameradschaft, der Turnverein Bitburg sowie als Gäste der Hansenorden St. Goar und die Gerolsteiner Stadtsoldaten. Auftakt des Gäßestrepper-Fests ist aber bereits um 11 Uhr. Der ehemalige Konditor und Taufpater Karli Bosse hat in den vergangenen Tagen den Gäßestrepper-Orden, den alle Täuflinge nach ihrer Taufe umgehängt bekommen, als rund drei Quadratmeter großen Kuchen gebacken. Dieser wird um 11 Uhr angeschnitten und von den Freunden der Bütt für einen guten Zweck den ganzen Tag über verkauft. uhe

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