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Es knistert hinter den Kulissen

Es knistert hinter den Kulissen

Postengerangel um die Stellvertreter: In der Verbandsgemeinde (VG) Speicher ging die SPD bei der Wahl der Beigeordneten leer aus. Ebenso erging es den Genossen in der VG Arzfeld. Ob sie einen Beigeordneten in der VG Südeifel (hervorgegangen aus der VG Irrel und VG Neuerburg) stellen werden, ist fraglich, denn die CDU will die Kandidatin der FWG-Fraktion, Suzette Weber, unterstützen.

Neuerburg. Kaum sind die Ratsmitglieder und Bürgermeister der neuen Kommunalparlamente gewählt, geht das Kräftemessen los. Da werden Mehrheiten ausgespielt, Ränke geschmiedet, Absprachen getroffen, denn es gilt, die Beigeordneten-Posten neu zu besetzen.Fest steht, dass Norbert Schneider (parteilos), ehemaliger Bürgermeister der VG Neuerburg, per Gesetz hauptamtlicher Beigeordneter wird. Aber welche Partei die beiden ehrenamtlichen Posten besetzen wird, ist offiziell erst Thema der Ratssitzung am heutigen Donnerstag um 18 Uhr in der Zehntscheune in Wallendorf.Vertrauen ist Bedingung

Hinter den Kulissen wird bereits kräftig an den Strippen gezogen. Die CDU beansprucht den zweiten Beigeordneten-Posten für sich, denn mit 13 Mandaten ist sie die stärkste Fraktion im Rat. "Wir nominieren Uschi Wilmsen aus Irrel. Sie ist das Ratsmitglied mit den meisten Wählerstimmen und ist eine angesehende Frau", sagt CDU-Fraktionssprecher Niko Billen, der bei dieser Personalentscheidung nicht mit großen Diskussionen bei den anderen Parteien rechnet. Zwar hätte man gerne einen CDU-Kandidaten aus der ehemaligen VG Neuerburg aufgestellt, doch die seien alle beruflich zu sehr eingespannt.Für die Besetzung des dritten Beigeordneten wünscht er sich einen Kandidaten, der ein enges Verhältnis zum neuen Bürgermeister Moritz Petry haben sollte. "Es kann nicht sein, dass jemand, der im Wahlkampf auf ihn draufgehauen hat, sein Stellvertreter wird." In der ersten Ältestenratssitzung gab Billen außerdem bekannt, dass in Zukunft die Gruppierungen von CDU, FDP, FWG und Liste Lentes im Vorfeld der VG-Ratssitzungen sich zu gemeinsamen Fraktionssitzungen treffen wollen. "Das haben wir in der ehemaligen VG Irrel auch so gehalten, und es ist ja auch legitim, dass man Themen miteinander abstimmt", sagt er. Gemischte Gefühle bei SPD

Günter Scheiding, SPD-Fraktionssprecher, sieht das mit gemischten Gefühlen. "Ich habe die Befürchtung, dass das angenehme Verhältnis, das wir in der VG Neuerburg hatten, vorbei ist und dass zukünftig wieder parteitaktisch agiert wird." So würde seine Partei als zweitstärkste Fraktion (sieben Sitze) gerne den dritten Beigeordneten stellen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.Auch in anderen Verbandsgemeinden lief es für die SPD nicht gerade gut. Darüber, dass sowohl in der VG Speicher als auch in der VG Arzfeld die SPD bei der Bestückung der Beigeordneten-Posten unberücksichtigt blieb, "sind wir stinkig", sagt Scheiding. Auch das Argument, die SPD habe im Wahlkampf Norbert Schneider unterstützt und somit quasi einen eigenen Mann als ersten Beigeordneten, lässt Scheiding nicht gelten. "Norbert Schneider ist kein SPD-Mann. Wir haben ihn nur unterstützt, weil er die Fusion befürwortet hat." Er halte es nicht für gut, wenn die SPD nun außen vor bliebe. Ihr Kandidat Günter Colling habe in der Vergangenheit als ehemaliger erster Beigeordneter bewiesen, dass er auf Kommunikation größten Wert lege. "Es gibt also keine Argumente der CDU, ihn abzulehnen", sagt Scheiding. FWG mit eigener Kandidatin

Heinz Haas, Fraktionssprecher der FWG, sieht das anders. "Die SPD hat mit Herrn Schneider einen hauptamtlichen Beigeordneten, denn ihn haben sie als Bürgermeister-Kandidaten auf den Schild gehoben." Die FWG möchte Suzette Weber, Ortsbürgermeisterin von Wallendorf, als dritte Beigeordnete nominieren. Ihre Wahl ist so gut wie gesetzt. Denn die CDU hat laut Haas bereits ihre Zustimmung signalisiert. Meinung

Frust statt LustDie Beigeordnetenwahlen interessieren die meisten Wähler wahrscheinlich nicht die Bohne. Doch für die Parteien scheint dieses erste Kräftemessen in den neuen Räten von immenser Bedeutung zu sein. Die neue Hackordnung wird so erstellt, und die Starken zeigen den Schwachen schon mal, wo der Hammer hängt. Was bringt das? Vor allem viel Frust für die Menschen, die angetreten sind, um gute Politik zu machen. Ein vertrauensvolles Klima im Rat wird so jedenfalls nicht geschaffen. Die erste Zeit wird dafür draufgehen, Scherben zusammenzukehren, statt konstruktiv zu arbeiten. Wirklich schade! s.glandien@volksfreund.deExtra

Der Rat der neuen Verbandsgemeinde Südeifel besteht aus 32 Mitgliedern in sieben Gruppierungen. CDU (13 Mandate): Fraktionssprecher ist Niko Billen. SPD (7): Fraktionssprecher ist Günter Scheiding. Unabhängige Bürgervertretung (UBV, 4): Fraktionssprecher ist Peter Trauden. Freie Wählergemeinschaft (FWG, 3): Fraktionssprecher ist Heinz Haas. Grüne/Bündnis 90 (2): Fraktionssprecher ist Georg Högner. Liste Lentes (2): Sprecher ist Paul Lentes Junior. FDP (1): Werner Windhausen.