"Es war schrecklich!"

Niemand weiß, wer sie waren, aber ihre Beisetzung hat auch symbolischen Wert: Auf der Beerdigung der drei unbekannten deutschen Soldaten in Wallendorf (der TV berichtete) ist viel über Frieden und Krieg in Europa gesprochen worden.

Wallendorf. "Meine Mama erzählte mir, dass sie mal über einen toten Soldaten gefallen ist. Das bleibt mir immer in Erinnerung und ich bin jetzt 62 Jahre", sagt eine Bewohnerin aus Wallendorf, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie ist sichtlich gerührt. Gerade hat sie an der Beisetzung drei gefallener Soldaten auf dem Ehrenfriedhof in Wallendorf teilgenommen. Die 70 Jahre alten sterblichen Überreste der Soldaten sind bei Grabungsarbeiten gefunden worden (der TV berichtete). Ihre Identität ist unbekannt, jedoch deutet vieles darauf hin, dass sie im Zweiten Weltkrieg in der Nähe der Ortsgemeinde starben.
Ihre Beisetzung bedeutet neben einer menschenwürdigen Beerdigung aber noch viel mehr. Sie erinnert daran, wie wertvoll Frieden sein kann. Die Grabreden beinhalten besonders die aktuellen Krisen Europas. Ortsbürgermeisterin Suzette Weber sagt: "Die Versuchung, Konflikte mit Gewalt und Krieg zu lösen, ist nicht überwunden. Das haben die vergangenen Monate deutlich vor Augen geführt." Sie plädiert für die Erhaltung und die Weiterentwicklung der Europäischen Union. Auch Pater von Rüden thematisiert politische Konflikte: "Wir wissen, dass Kriege immer unmenschlich sind." Außerdem spricht er über die Menschen, die aus Kriegsgebieten zu uns flüchten: "Sie brauchen unsere Solidarität und Hilfe." Raimund Schneider von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass die über 830 Kriegsgräberstätten in Rheinland-Pfalz für das Gedenken, aber auch als Mahnung für den Frieden stehen.
"Hoffentlich passiert so etwas nie wieder", sagt die 62-Jährige. Sie ist gekommen, weil sie Teilnahme an solchen Ereignissen ganz wichtig findet. "Mensch ist Mensch. Da möchte ich auch die letzte Ehre erweisen." Eine weitere Bewohnerin der Ortsgemeinde, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat den Krieg miterlebt: "Es war schrecklich", sagt sie. Während sie ihre persönliche Geschichte erzählt, hat sie Tränen in den Augen. Um der Kriegssoldaten zu gedenken, kommt sie regelmäßig mit ihrer Schwester zum Ehrenfriedhof. Sie wünscht sich nur eines: nie wieder Krieg. sjs