"Es wird Entlassungen geben"

"Es wird Entlassungen geben"

Gedrückte Stimmung herrschte bei den Mitarbeitern des Saargummi-Werks in Büschfeld (Kreis Merzig-Wadern), nachdem sie die dreistündige Betriebsversammlung verlassen hatten. Viele fürchten um ihren Job.

Büschfeld. So recht will sich der Himmel über dem Saargummi-Werk in Büschfeld an diesem Tag nicht aufklären. Die gedrückte Stimmung spiegelt sich in den Gesichtern der Mitarbeiter, die am frühen Nachmittag die mehr als dreistündige Betriebsversammlung in der Schlossberghalle verlassen, wider.

"Ich fürchte sehr, dass ich in naher Zukunft nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit bei einem Investor zum Billiglohntarif arbeiten muss", meint Karin Kerber aus der "Nicht-Automotive-Produktion".

Ein anderer Mitarbeiter, kurz vor der Rente stehend, klagt: "Seit Gründung des Unternehmens am 5. Mai 1965 bin ich dabei und kann nicht glauben, dass mein Arbeitgeber mir heute Ratenzahlung für eine mir zustehende Lohnleistung anbietet." Ein weiterer, der wie sein Vorredner nicht genannt werden möchte, sieht die Misere im zahlenmäßigen Missverhältnis zwischen Geschäftsführern, Verwaltung und Produktion. Zu viele Häuptlinge und immer weniger Indianer hätten einer Sache noch nie gutgetan. Betriebsrätin Andrea Seimetz gesteht: "Ich konnte mir die Frage nicht verkneifen, ob die Geschäftsführer überhaupt noch miteinander reden."

Die Glaubwürdigkeit der Geschäftsleitung habe in den vergangenen Monaten aufgrund sich häufender kontroverser Aussagen unendlich gelitten. Betriebsratsvorsitzender Harald Hero sagt: "Es wird leider Entlassungen geben müssen." Details zur Personalreduktion lägen noch nicht vor, dazu müssten sich die Verantwortlichen erst einen Überblick verschaffen.

Sicher sei jedoch, dass verlustbringende Artikel ausgelagert würden, und das bezogen auf die gesamte Produktion. Die Stabilisierung der Produktionsstätte habe nur eine Chance, wenn sich das Unternehmen auf die Zulieferung der Kraftfahrzeughersteller konzentriere.

Saargummi werde komplette Bereiche veräußern, so viel stehe zurzeit fest. Ein Investor habe bereits konkret sein Interesse am Bereich Salzbad bekundet. Darüber hinaus könne man mit neuen Produkten im Bereich Fahrzeugbau aufwarten, und damit erheblich zur Arbeitsplatzsicherung beitragen.

Eine offizielle Erklärung der Geschäftsführung werde für die kommenden Tage erwartet. "Wenn das alles getan wird, worüber heute gesprochen wurde, hat der Standort Büschfeld Zukunft", findet Hero.

Martin Leidinger, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, ist nicht glücklich über den bevorstehenden Personalabbau.

Selbstverständlich werde man einen Sozialplan ausarbeiten, aber Sorge bereiten ihm ebenso gravierende Einschnitte bei den Ausbildungsplätzen. "Gegenüber den vergangenen Jahren werden die Stellen für Auszubildende enorm reduziert", erklärt Leidinger.

In kommerziellen Berufen, auch im kaufmännischen Sektor, stünden in den kommenden Jahren statt ehemals 20 nur noch zwei Ausbildungsplätze pro Jahr zur Verfügung. Rolf Sikorski, Landesbezirksleiter der IGBCE Rheinland-Pfalz/Saarland, und Frank Rolle, gewerkschaftlicher Betreuer vor Ort, sprechen von einem hohen Vertrauensverlust der Unternehmensleitung.

"Die müssen endlich mal die Menschen mitnehmen", sagt Sikorski und hofft, dass das Management in Zukunft mehr Kommunikation wagen wird. Ebenfalls wolle man die Entflechtung der vier Gesellschaften vorantreiben und mehr Transparenz schaffen.

Frank Rolle ist stolz, im Gütetermin am 29. Januar einen "großen Erfolg" für die Mitarbeiter erstritten zu haben. Die zunächst nicht gewährte Jahresleistung für das Jahr 2009 wird in drei gleichen Teilen in den Monaten April, Mai und Juni in voller Höhe ausgezahlt. Extra Die Saargummi-Gruppe stellt Dichtungssysteme und Formartikel - vornehmlich für die Automobilindustrie und deren Zulieferer - her. Sitz der Holdinggesellschaft ist seit 2005 das luxemburgische Schengen. Sitz der deutschen Gesellschaft ist Büschfeld. 2008 beschäftigte die Saargummi-Gruppe international rund 3500 Mitarbeiter und erzielte laut eigener Auskunft einen Umsatz von 410 Millionen Euro. Saargummi hat unter anderem Fertigungsstandorte in Tschechien und der Slowakei.

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