Es wird gerettet, gelernt und gebaut

Rettungsdienst : Es wird gerettet, gelernt und gebaut

Rund 23 000 Einsätze hatte der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Bitburg-Prüm im vergangenen Jahr. Fast jeder zweite Einsatz wurde von der Wache in Bitburg aus gestartet. Die Wurzeln des DRK, das 150-Jähriges feiert, liegen in Prüm.

Am Ende des Jahres steht unter dem Strich immer ein dickes Minus. 2018 war das nicht anders. „Wir haben ein Defizit von 1,9 Millionen Euro erwirtschaftet“, sagt Rainer Hoffmann, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Bitburg-Prüm. Wäre der Kreisverband ein eigenständiges und allein auf Wirtschaftlichkeit ausgelegtes Unternehmen, dann hätten die Banken wahrscheinlich schon längst die Reißleine gezogen.

„Der Rettungsdienst im Eifelkreis funktioniert nur, weil es innerhalb des DRK-Landesverbands einen Finanzausgleich gibt“, erklärt Hoffmann und ergänzt: „Müssten wir die Kosten alleine stemmen, dann könnten wir noch nicht mal ein Jahr überleben.“ Unter den 30 Kreisverbänden in Rheinland-Pfalz gibt es also durchaus Verbände, die jedes Jahr ein Plus erwirtschaften.

Dass das DRK Bitburg-Prüm nicht zu dieser Gruppe gehört, liegt schlichtweg an der Struktur des Kreisgebiets: eine riesige Fläche mit vergleichsweise wenig Einwohnern.

Um zu gewährleisten, dass selbst in den am dünnsten besiedelten Ecken die 15-Minuten-Frist zwischen Alarmierung und Ankunft des Rettungsdienstes eingehalten werden kann, hat das DRK Bitburg-Prüm vor gut zehn Jahren das Netz weiter ausgebaut. Seitdem gibt es im Kreis acht Rettungswachen: Bitburg, Prüm, Speicher, Arzfeld und Neuerburg sowie seit 2008 zusätzlich noch Echternacherbrück, Badem und Winterspelt.

Die mit Abstand größte und einsatzintensivste ist die Wache in Bitburg-Masholder. Von den 23 030 Einsätzen im vergangenen Jahr wurden allein 11 269 von Bitburg aus gefahren, was einem Anteil von fast 49 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Die Wache in Winterspelt an der Grenze zu Belgien hatte 2018 lediglich 778 Fahrten und damit einen Anteil von weniger als vier Prozent an den Gesamteinsätzen.

Zusammen haben die rund 170 Mitarbeiter etwa 990 000 Einsatz-Kilometer zurückgelegt. Gegenüber dem Vorjahr (1,04 Millionen Kilometer) ist das ein leichter Rückgang. Die Zahl der Einsätze ist dennoch minimal gestiegen – alles in allem liegt das DRK damit aber recht konstant im Schnitt der vergangenen Jahre.

In knapp 43 Prozent der Einsätze handelte es sich um Krankentransporte. Eine Notfallrettung, also der Einsatz von Rettungs- und Notarztfahrzeugen, lag in knapp 47 Prozent der Fälle noch davor. Die restlichen gut zehn Prozent waren Fehlfahrten.

Zu den größten Einsätzen im vergangenen Jahr zählten schwere Verkehrsunfälle auf der B 51 und A 60 und nicht zuletzt die hochwasserbedingten Einsätze Anfang Juni.

Wie Rettungsdienstleiter Manfred Böttel erklärt, gibt es für Hochwasserereignisse und damit verbundene Evakuierungen Pläne, in denen die Abläufe geregelt sind. „Die Wirklichkeit schmeißt dann aber viele dieser Pläne über den Haufen, weil es immer Faktoren gibt, die man nicht beeinflussen oder vorsehen kann“, sagt Böttel. „Und dann muss man eben improvisieren.“

Ein Großteil der Mitarbeiter im Rettungsdienst sind Rettungsassistenten. Ihr Anteil wird allerdings von Jahr zu Jahr geringer. „Aufgrund der Novellierung des Notfallgesetzes wird es zukünftig keine Rettungsassistenten mehr geben“, erklärt Böttel. Ersetzt würden diese bis spätestens 2023 durch Notfallsanitäter. Dafür seien eine längere Ausbildung beziehungsweise zusätzliche Prüfungen erforderlich. Beim DRK Bitburg-Prüm ist die Umstellung bereits seit einigen Jahren am laufen. Acht Mitarbeiter sind im vergangenen Jahr zum Notfallsanitäter ausgebildet worden, weitere sechs folgen in diesem Jahr.

Darüber hinaus wurde und wird auch kräftig investiert. Die neue Rettungswache in Speicher soll Ende des Jahres bezugsfertig sein. Rund 1,25 Millionen Euro hat die Einrichtung gekostet; 75 Prozent davon hat der Kreis übernommen. „Das war dringend notwendig“, sagt Böttel. Zudem seien in Speicher nun ganz im Sinne des Katastrophenschutzes Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Rotes Kreuz an einem Standort.

„Mit den Rettungswachen ist es wie mit dem eigenen Haus“, sagt Hoffmann: „Wenn man denkt, man ist endlich fertig, tut sich schon die nächste Baustelle auf.“ Und damit meint er die Rettungswache in Bitburg. Vor 20 Jahren wurde sie direkt am B 257-Anschluss bei Masholder errichtet. Nun soll sie umgebaut und erweitert werden. „Wir haben inzwischen mehr Fahrzeuge und eine viel höhere Ausstattung als noch vor 20 Jahren“, erklärt der DRK-Chef. Zudem sei auch der Frauenanteil im Rettungsdienst inzwischen deutlich höher, weshalb auch im Sanitärbereich Änderungen notwendig seien. Es gebe dazu auch schon Gespräche mit dem Kreis, sagt Hoffmann. „Wir müssen da auf jeden Fall was tun.“

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