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Ex-Abteilungsleiter der HWK weist Vorwürfe zurück

Trier. Der ehemalige Leiter des Umweltzentrums der Trierer Handwerkskammer will nichts gewusst haben von den seltsamen Honorar-Verschiebungen, die es in seinem Haus 2007 gegeben hat. Vor dem Trierer Amtsgericht bestritt er gestern, einem Mitarbeiter dabei geholfen zu haben, Gehalt an dessen Gläubiger und dem Finanzamt vorbeigeschleust zu haben.

Trier. Es sind nur ein paar Tausend Euro, die der Hauptangeklagte seinen Gläubigern vorenthalten haben soll. Und nur gut 2000 Euro Lohnsteuer, die er erst mit fünf Jahren Verspätung ans Finanzamt überwiesen hat. Seine drei Mitangeklagten - darunter der ehemalige Chef des Umweltzentrums der Trierer Handwerkskammer - sollen ihm laut Anklage geholfen haben, das Geld an Gläubigern und Fiskus vorbeizuschleusen.
Doch die Verhandlung, die gestern vor dem Amtsgericht begonnen hat, ist nicht wegen dieser Anklage interessant. Vielmehr gewährt sie Einblicke in die Abläufe in der Trierer Handwerkskammer vor deren großer Krise, in die sie 2008 geschlittert war. Mehr als fünf Jahre lang ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Subventionsbetrugs. Gegen vier ehemals leitende Mitarbeiter der Kammer - darunter der Ex-Hauptgeschäftsführer, sein Stellvertreter und der Ex-Leiter des Umweltzentrums - hat die für Wirtschaftsdelikte zuständige Koblenzer Staatsanwaltschaft im vorigen Herbst Anklage erhoben. Terminiert ist der Prozess vor dem Koblenzer Landgericht noch nicht.
Die Verhandlung vor dem Trie rer Amtsgericht ist so was wie ein Abfallprodukt der Ermittlungen der Koblenzer Staatsanwaltschaft. Gut 13 000 Euro Gehalt soll der Hauptangeklagte L. über Umwege vom Umweltzentrum erhalten haben. Das Geld wurde zunächst an zwei freiberufliche Dozenten überwiesen, die die Summen teils in bar, teils per Überweisung an L. weiterleiteten. Die Staatsanwaltschaft wirft L., den beiden ehemaligen Dozenten sowie dem Ex-Abteilungsleiter B. vor, das Geld so Ls. Gläubigern wissentlich vorenthalten zu haben. Alle Angeklagten bestreiten das. L. behauptet, die Honorarverschiebung sei mit seinem Vorgesetzten B. abgesprochen gewesen. "Ich hatte Hunderte Überstunden, die so abgegolten werden sollten." Sein damaliger Vorgesetzter B. kontert: "Überstunden wurden leitenden Mitarbeitern der HWK nie bezahlt. Und wenn ich sie hätte doch honorieren wollen, hätte ich das auf offiziellem Weg getan." Einer der beiden mitangeklagten Dozenten beteuert allerdings, dass B. von den Honorarverschiebungen gewusst habe: "Ich hatte Angst, dass die Sache nicht ganz korrekt läuft und habe mit B. darüber gesprochen." B. bestreitet ein solches Gespräch.
Auch Zeugin F., die damals ebenfalls im Umweltzentrum arbeitete, hat Zweifel daran, dass B. von den Machenschaften nichts wusste. Mehrfach habe sie ihn darauf angesprochen, dass im Zusammenhang mit Mitarbeiter L. Dinge nicht korrekt laufen würden. "Doch meine Bedenken wurden immer abgewiesen", sagt sie. Insgesamt seien die Missstände so groß gewesen, dass sie Rat bei einem Rechtsanwalt gesucht habe, der dann die Staatsanwaltschaft in Kenntnis gesetzt habe.
Der Prozess wird am Dienstag, 29. Juli, fortgeführt. woc