Exklusives Örtchen in zentraler Lage

Exklusives Örtchen in zentraler Lage

PRÜM. Um Bürgern und Touristen täglich geöffnete Toiletten im Zentrum bieten zu können, hat die Stadt Prüm ein "stilles Örtchen" am Hahnplatz gemietet. An der Höhe der Benutzungsgebühr scheiden sich die Geister.

Die Geschichte der öffentlichen Toiletten in Prüm ist von Gewalt, hohen Kosten und der vergeblichen Suche Ortsfremder nach einer WC-Anlage geprägt. Die einstigen Toiletten bei den Telefonzellen am Übergang zum unteren Hahnplatz sind seit vielen Jahren dicht. Das zwischenzeitlich gebaute WC im Parkhaus am Teichplatz wurde immer wieder demoliert. Zuletzt für 10 000 Euro aufwändig renoviert, war es schon kurze Zeit später wieder defekt. "Wir brauchten also eine andere Lösung, zumal die Toiletten idealerweise im Zentrum leicht zu finden sein sollen", berichtet Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU). Die alten Hahnplatz-Toiletten zu sanieren, hätte viel Geld gekostet. Aus diesem Grund scheiterte auch die Überlegung eines Anbaus am Prümer Pfarrhaus neben der Basilika. In dieser Situation fruchtete ein Vorschlag Weinandys an Joachim Kruft: Der Hauseigentümer baute eines seiner Ladenlokale am Busbahnhof vor dem Regino-Gymnasium zu Toiletten um und vermietet sie seit Januar auf 15 Jahre an die Stadt. 500 Euro Miete zahlt die Stadt monatlich, dazu Nebenkosten wie Wasser, Strom, Heizung, Toilettenpapier und demnächst einen Stoffhandtuchhalter. Kruft bezahlt die Reinigung. Öffnungszeiten: täglich von etwa 7.30 bis gegen 20 Uhr.Türautomaten halten Vandalen ab

Die Damentoilette dient auch als Behinderten-WC. Bei Anlässen wie der Kirmes kann unter Aufsicht eine Tür zu weiteren Toiletten im Keller geöffnet werden. Eine stadteigene Toilette befindet sich im Parkdeck am Friedhof. Auch dort gibt es immer wieder Vandalismus-Schäden. Keine Schäden verzeichnet die Stadt hingegen bei den Toiletten im Haus des Gastes am oberen Hahnplatz. Dieses WC ist allerdings nur zu den Öffnungszeiten der Tourist-Info nutzbar und für Behinderte sehr umständlich erreichbar. "Der Betrieb öffentlicher Toiletten gehört zu den schwierigsten Dingen in der Stadt. Man hat ewig Ärger", weiß Weinandy. "Das Eigentum der Allgemeinheit ist anscheinend nichts mehr wert. Dabei trifft es letztlich jeden einzelnen." Mit dem neuen privaten Modell stehe sich die Stadt finanziell auf jeden Fall besser als bei einem Weiterbetrieb des Parkhaus-WC, da eventuelle Reparaturen zu Lasten des Vermieters gehen. Nicht Bestandteil des Vertrags, aber abgesprochen war die Möglichkeit für Kruft, durch einen Geldautomat Gebühren zu kassieren. Nicht abgesprochen war laut Weinandy allerdings die Höhe dieser Gebühr: "Das hat mich überrascht." Als Lösung könnte Weinandy sich ein Bonsystem vorstellen, bei dem ein Teilbetrag in Prümer Geschäften einzulösen wäre, ähnlich wie in Autobahn-Raststätten. Dazu müssten allerdings erst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden und alle einverstanden sein. "So eine saubere öffentliche Toilette hat Prüm noch nie gehabt und wird sie auch nie mehr bekommen", stellt Joachim Kruft fest. Nach anfänglichen "Sauereien" baute er vor einigen Monaten die Türautomaten ein und hat seitdem Ruhe vor Vandalen. Zudem sehe er selbst jeden Tag nach dem Rechten. Als Gebühr habe er zunächst an 50 Cent gedacht. Weinandy habe aber zu ihm gesagt: "Holen Sie dafür ruhig einen Euro." Weinandy bestreitet diese Aussage. Nach Krufts Erfahrung haben die meisten Nutzer kein Problem damit. Mit einem Absenken der Gebühr auf 50 Cent wäre Kruft einverstanden, wenn die Stadt bereit wäre, die Neueinstellung der Automaten und höhere Nebenkosten zu zahlen. Als weitere Möglichkeit habe er das Gebäude auch schon der Stadt zum Kauf angeboten. Möglicherweise wird sich der Stadtrat mit dem Thema befassen (siehe Extra).

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