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Experiment Dorfladen scheitert: Thomas Plattner schließt Lebensmittelgeschäft in 700-Einwohner-Gemeinde Oberkail

Experiment Dorfladen scheitert: Thomas Plattner schließt Lebensmittelgeschäft in 700-Einwohner-Gemeinde Oberkail

Fleischermeister Thomas Plattner hat mit seinem Dorfladen in Oberkail, den er im April eröffnet hatte, ein Experiment gegen den Trend der Zeit gewagt - und ist damit gescheitert. Sein Lebensmittelgeschäft in Oberkail hat er "mangels Potenzial" wieder geschlossen.

Oberkail/Badem. Obst, Gemüse, Fleisch, Milch, Brot, aber auch Zeitschriften und Blumen: Eigentlich konnte man sich in Thomas Plattners Dorfladen, den er im Frühjahr in Oberkail eröffnet hatte, mit allen Dingen für den täglichen Bedarf eindecken. Nachdem der Dorfladen seit Sommer 2015 leer stand, hatte Plattner, der in Badem einen Lebensmittelmarkt und eine Fleischerei betreibt, das Experiment in Oberkail gewagt: Gegen den Trend der Zeit - denn der Einzelhandel zieht sich kontinuierlich aus den Dörfern zurück - hatte er mit seinem Lebensmittelgeschäft den 700 Einwohnern wieder eine Grundversorgung geboten.Rollende Märkte im Ort


Doch nach nicht mal vier Monaten ist sein Experiment gescheitert. "Ich bin froh, dass der Laden wieder zu ist. In Oberkail ist definitiv kein Potenzial für solch ein Geschäft", erklärt Plattner gegenüber dem TV. Mehr gebe es - aus seiner Sicht der Dinge - dazu nicht zu sagen.
Viele Oberkailer seien traurig, dass Plattner mit seinem Dorfladen gescheitert sei, erklärt Ortsbürgermeisterin Petra Fischer: "Die Freude war groß, dass das noch mal geklappt hatte. Aber er hat das nicht gemacht, damit wir eine Grundversorgung haben, sondern weil er ein Geschäftsmann ist, der Geld verdienen muss."

Wenn sich der Dorfladen nicht rechne, müsse man im Ort mit dieser Entscheidung leben. "Dabei hat er sich richtig viel Mühe gegeben und ein tolles Angebot mit frischen Waren auf die Beine gestellt", sagt Fischer. 2500 Produkte auf 250 Quadratmetern inklusive Backwaren sowie Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Schlachtung hatte Plattner im Angebot.

Nur sei in Oberkail mit 700 Einwohnern nicht die Masse an Kunden vorhanden, die ein Lebensmittelhändler wohl zum Überleben brauche, meint Fischer. "Mehr als gute Angebote machen und frische Waren anbieten, kann man als Händler nicht machen. Wenn das nicht ausreicht, liegt das nicht an ihm."

Damit hat sich die Grundversorgung in Oberkail wieder erledigt. "Ich denke, mit Lebensmittelläden wird es das gewesen sein, obwohl man die Hoffnung ja nie aufgeben sollte", sagt Fischer. Einzig bei den rollenden Händlern wie Heiko und bei verschiedene Bäckerwagen, die den Ort mehrmals wöchentlich ansteuern, können die Oberkailer nun noch Lebensmittel kaufen. Ansonsten muss man sich dazu nun ins Auto oder in den Bus setzen, um in Bitburg, Wittlich, Badem oder Kyllburg seine Einkäufe zu erledigen.

"Dabei haben wir in anderen Bereichen eine gute Infrastruktur", meint Fischer. "Wir haben eine Bank, ein Autohaus, einen Friseur, einen Physiotherapeuten, verschiedene Gewerbebetriebe sowie eine Grundschule und einen Kindergarten - aber für den täglichen Bedarf gibt es jetzt nichts mehr."