Experten halten großes Tier in der Vulkaneifel nicht für einen Wolf

Kostenpflichtiger Inhalt: Natur : Autofahrer filmt Tier in der Vulkaneifel: Ist das ein Wolf? (Video)

Ein Autofahrer war sich sicher, bei Schutz in der Eifel einen Wolf gefilmt zu haben. Inzwischen hat ein Experte das Video ausgewertet und am Ort des Geschehens ein Haar sichergestellt. Eine DNA-Probe soll nun Klarheit schaffen.

Die Nacht des sechsten Septembers ist finster. Nur zwei Autoscheinwerfer beleuchten gegen 22.30 Uhr die Landstraße 27 zwischen Bleckhausen und Schutz. Im Wagen sitzt Wolfgang Krämer, auf dem Rückweg von der Probe mit dem Blasorchester. Der Kyllburger lauscht dem Radio, als sich plötzlich die Silhouette eines großen Tiers am Straßenrand abzeichnet.

Krämer hält an und zückt sein Handy. Durchs Fahrerfenster filmt er den Vierbeiner, der davon offenbar kaum Notiz nimmt. Interessanter für das Tier scheint der Abfall im Straßengraben zu sein. Es ist bestimmt 80 Zentimeter hoch und länger als einen Meter. Sein Fell erscheint auf der Aufnahme hellbraun, fast gelb. Die Schnauze ist lang, die Ohren spitz, die Rute nicht aufgestellt. „Könnte das ein Wolf sein?“, fragt sich Krämer. Doch da bewegt sich etwas in einem nahen Haus. Und der vermeintliche Isegrim macht sich mit einem großen Satz auf in Richtung Wildnis.

Autofahrer filmt Tier zwischen Schutz und Bleckhausen

Den Eifeler aber lässt die Geschichte nicht los. Er will wissen, ob es ein Wolf war, den er da aufgenommen hat: Denn das wäre eine kleine Sensation. Zwar sind vereinzelte Räuber bereits nach Rheinland-Pfalz zurückgekehrt – etwa in den Westerwald. Die Eifel haben die einst ausgerotteteten Säugetiere aber noch nicht erobert. Das Tier bei Schutz wäre der erste belegte Wolf in der Region Trier seit etlichen Jahrzehnten.

Also schickt Krämer den Film an den Trierischen Volksfreund. Seine Bitte: Die Zeitung möge der Sache nachgehen. Der Kyllburger selbst ist unsicher: „War es ein streunender Hund, ein junger Wolf, vielleicht aus dem Tierpark ausgebüchst?“

Wolf oder Wolfshund? Das soll nun eine DNA-Probe ergeben. Das Bild stammt aus dem Video, das ein Autofahrer am sechsten September gemacht hat. Foto: TV/Wolfgang Krämer

Die Recherche beginnt im Netz. Dort erfahren wir: Es war nicht die erste Wolfssichtung in der Gegend. Auch in Eisenschmitt (VG Wittlich-Land) und Salm (VG Gerolstein) will jemand eines der Tiere erspäht haben. Der genetische Nachweis fehlt aber. Auch ein Bekannter Krämers hat das Tier diese Woche beobachtet. Auf einer Wanderung zwischen Bleckhausen und Salm sei ihm der Vierbeiner aufgefallen, erzählt der Freund am Telefon: „Für mich ist das ein Wolf.“

„Mit solchen Fällen haben wir es immer wieder zu tun“, erklärt Michael Lueg. Meistens, sagt der Großkarnivorenbeauftragte für den Raum Gerolstein, handele es sich bei den beobachteten Tieren aber nicht um Wölfe.

Das Problem: Ein Laie könne die Tiere nämlich kaum von bestimmten Hunden unterscheiden. Der tschechische Wolfshund etwa sehe dem Rudeltier zum Verwechseln ähnlich. Kein Wunder: Ist er doch eine Kreuzung aus Wolf und Schäferhund.

Genau so ein Exemplar will der Fachmann auch auf dem Video erkennen. Für einen Wolf sei das Gesicht des Tieres nämlich zu lang. Auch der Gang und das Verhalten ähnele eher dem eines Hundes. „Ein Wolf würde nicht so vertraut neben einem Auto stehenbleiben und der Musik lauschen“, sagt Lueg. Die Räuber seien scheuer.

Und Lueg ist nicht der einzige, der im Video nicht den Canis Lupus erkennt. Auch sein Bitburger Kollege Andreas Weinand sieht „einen Hund und keinen Wolf.“ Der Eifeler Großkarnivorenbeauftragte macht das an der Kopfform und dem Körperbau des Tieres fest. Und auch das „Haarkleid“ sehe anders aus.

Warum die Fellnase ohne Herrchen in der Wildnis unterwegs ist, können die Beauftragten natürlich nicht beantworten. Womöglich sei das Tier ausgebüchst oder ausgesetzt worden.

Absolute Klarheit über die Identität des Vierbeiners gibt es aber nicht, und damit auch noch ein bisschen Hoffnung für Wolfsfans. Auch wenn sich die Experten einig sind: Für Sicherheit kann nur eine DNA-Probe sorgen.

Lueg hat daher am Ortseingang von Schutz ein Haar eingesammelt und nach Frankfurt geschickt. Mitarbeiter des Senckenberg-Museums werden es einem Gentest unterziehen. Dies könne, sagt Lueg, einige Wochen dauern: „Dann haben wir es offiziell.“

Das Video des vermeintlichen Wolfes gibt es online auf:

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