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Fahrservice für Senioren läuft gut an

Fahrservice für Senioren läuft gut an

Der Bürgerbus in Arzfeld ist seit dem 15. August im Einsatz (der TV berichtete). Er fährt ältere und behinderte Menschen zum Arzt, Supermarkt oder zur nächsten Bushaltestelle. Der TV fuhr bei einer Tour mit.

Arzfeld/Reiff. Manfred Michels löst den Stecker aus der Ladestation und verstaut das Kabel im Auto. Der Bürgerbus der Verbandsgemeinde Arzfeld ist einsatzbereit. Michels ist einer von 19 ehrenamtlichen Fahrern, die an drei Tagen in der Woche mit dem Fahrzeug ältere und behinderte Menschen zu Hause abholen und sie zum Einkaufen, zum Arzt oder zur nächsten Bushaltestelle fahren.
Heute führt die Tour nach Wässerchen, einem Ortsteil von Reiff. Dort wohnt Maria Schäfer. Die 77-Jährige hat keinen Führerschein ("die größte Dummheit meines Lebens") und ist darauf angewiesen, dass sie jemand fährt. Doch Tochter und Schwiegertochter sind berufstätig, eine Koordination der Termine ist nicht immer einfach. Die einzige Möglichkeit, Reiff zu verlassen, besteht darin, mit dem Schulbus morgens mitzufahren und mittags wieder zurück. Doch das ist kaum zumutbar für ältere Menschen. "Der Bürgerbus - das ist wirklich ein tolles Angebot", sagt Maria Schäfer. Obwohl sie lange gezögert habe mit ihrem Anruf: "Sollst du oder sollst du nicht", hat sie sich immer wieder gefragt und sich dann doch getraut.
Doch so zurückhaltend braucht keiner zu sein. "Ich würde mich freuen, wenn dieser Beitrag zur Mobilität in der Verbandsgemeinde rege wahrgenommen würde. Sie brauchen sich nicht zu scheuen, das Angebot anzunehmen", schreibt Bürgermeister Andreas Kruppert in einem Aufruf im Amtsblättchen.
Claudia Breuer, die das Projekt in der Verbandsgemeinde betreut, ist bisher zufrieden mit dem Zuspruch. "Von den elf Tagen, die der Bus genutzt werden konnte, wurde er zehnmal von 15 Menschen in Anspruch genommen", sagt sie. Wenn sich das Angebot weiter herumspricht, rechnet sie mit noch mehr Anfragen. Wenn der Bus nicht im Einsatz ist, wird er als Dienstfahrzeug genutzt. Der Akku des Elektrofahrzeugs hat bisher für die Fahrten ausgereicht. Die Bürger fahren gebührenfrei mit. Zum wesentlichen Teil werden die Kosten vom RWE getragen. Die Verbandsgemeinde muss 3000 Euro im Jahr zuschießen. Kruppert hatte auf eine Landesförderung gehofft, doch vergebens. "Wir sind wirklich betrübt, dass es kein Geld vom Land gibt", sagt VG-Pressesprecher Michael Thiel. Nun versuche man, das fehlende Geld über Spenden zu finanzieren. Außerdem können die Nutzer des Bürgerbusses einen kleinen Obolus in die Spardose im Auto werfen.
Manfred Michels hat Maria Schäfer beim Arzt abgesetzt. Für die Wartezeit hat er sich ein Buch mitgenommen. Außerdem interessiert sich der ehemalige Servicetechniker für Kälte-, Klima- und Lüftungsanlagen für die neue Technik und will sich die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs durchlesen. "Vielleicht kaufe ich mir ja auch mal ein Elektroauto", sagt der Rentner, der sich selbst als Umweltfreak bezeichnet.
Für den Fahrdienst habe er sich gemeldet, weil er vielleicht später auch mal "in die Verlegenheit kommt", so ein Angebot zu nutzen. "Und dann bin ich froh, wenn es so etwas gibt."Meinung

Starker Einsatz
Seit Mai 2010 ist Andreas Kruppert Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld. Der Nachfolger von Patrick Schnieder hatte sich vor der Wahl viel auf die Fahnen geschrieben. Wenn man sieht, was davon umgesetzt wurde, hat er damals nicht zu viel versprochen. Ob Jugendparlament, eigener Energiebetrieb Islek Energie oder Umkleidesituation im Freibad Waxweiler - Andreas Kruppert und viele engagierte Menschen in der VG haben gezeigt, dass man auch in Zeiten leerer Kassen etwas bewegen kann. Jüngstes Positiv-Beispiel ist der Bürgerbus, der kostenlos Senioren und behinderte Menschen auf den Dörfern mobil hält. s.glandien@volksfreund.deExtra

Der Bürgerbus fährt montags, mittwochs und freitags. Wer mit ihm fahren möchte, muss sich jeweils bis zum Vortag, 12 Uhr, bei der VG-Verwaltung melden (Telefon: 06550/974-122 oder -123). Fahrten sind nur innerhalb der VG Arzfeld möglich. red