1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Fairkaufen, fairmarkten, fairanstalten

Stadtentwicklung : Fairkaufen, fairmarkten, fairanstalten

Morgen ist internationaler Weltladentag. Daran beteiligt sich auch das „Alasitas“-Geschäft in Bitburg. Im Prümer „Weltladen“ steht dieses Jahr auch einiges an. Was geplant ist und warum es nicht immer leicht ist, sich für globale Gerechtigkeit zu engagieren.

Wie Kirschen sehen sie aus: klein, rot, oval. Von Hand pflücken die Arbeiter die Kaffeebohnen und legen sie in die umgeschnallten Körbe. Bäume und Bananenstauden spenden ihnen Schatten vor der Sonne Nicaraguas. Regen fällt in der Erntezeit kaum über der Region Boaco, im Herzen des südamerikanischen Landes. Dafür bläst der Wind in den  Höhen von 600 bis 1000 Metern, auf denen die Arabica-Bohne wächst. Vom Herbst bis Anfang des Frühjahrs verlesen die Bauern der Kooperative Tierra Nueva die Früchte.

Zwei Monate später liegt ihr Produkt, geröstet, gemahlen und verpackt, im Regal des Alasitas-Ladens in der Bitburger Hauptstraße. Der sogenannte Gässestrepper-Kaffee  ist nur in der Bierstadt und in Leipzig zu haben. Die Idee stammt nämlich vom gebürtigen Bitburger und Wahlleipziger Jens Klein, der auf einer Reise in Nicaragua Kontakt zu den Bauern der Kooperative geknüpft hat.

"Alasitas" bedeutet auf Aymara, der indigenen Sprache Boliviens, so viel wie "Kauf mich". Es ist aber auch der Name des Bitburger Weltladens in der Hauptstraße. Hier werden allerhand Waren angeboten - etwa der Gässestrepperkaffee (rechts). Foto: TV/Christian Altmayer

Der Bitburger Kaffee ist nur eines von dutzenden Produkten, die im Weltladen gehandelt werden. Ledertaschen hängen hier neben Ketten, Öle stehen auf den Regalbrettern neben Tees und Reis. Und all diese Waren haben eines gemeinsam: Sie wurden unter  fairen Bedingen  produziert. Das heißt, die Hersteller haben am Verkauf so viel verdient, dass sie davon leben können. Das ist weltweit noch immer keine Selbstverständlichkeit. Waren werden in Südamerika, Asien und vor allem in Afrika teils in Kinderarbeit und Ausbeutung produziert. Das weiß auch Mariele Langenfeld, die Vorsitzende der „Initiative für eine solidarische Welt“, dem Trägerverein des Ladens. Sie will daher immer wieder auf den fairen Handel und auf ihr Geschäft gegenüber des Rathauses aufmerksam machen.

Ein Anlass dafür ist der jährliche internationale Weltladentag. Der geht am Samstag, 12. Mai, in die 23. Auflage. Und auch in Bitburg will die Initiative im Geschäft von 10 bis 16 Uhr neue Lebensmittel und Rezepte vorstellen. Neben dem Weltladentag stehen aber auch andere Aktionen auf der Agenda des Vereins. Da wären zum Beispiel die Faire Woche im September und ein Kinderhilfsprojekt in Nkoumise-Sud, Kamerun (der TV berichtete).

Doch dies auf die Beine zu stellen und dann noch Ehrenamtliche zu finden, die regelmäßig und unentgeltlich Schichten im „Alasitas“-Laden übernehmen wollen, sei schwierig, sagt Langenfeld: „Wir sind sehr knapp mit freiwilligen Helfern.“ Etwa 50 Mitglieder zählt der Verein zwar, der Laden aber nur 20 Mitarbeiter. Und das reiche vor allem in den Ferienzeiten nicht aus, um die Schichten zu besetzen. „Unsere Ehrenamtlichen arbeiten ja alle. Und in der Ferienzeit sind dann viele im Urlaub“, sagt Langenfeld. Da müsse der Laden dann auch hin und wieder geschlossen bleiben. Was sie sich wünschen würde, wären mehr Unterstützer.

Solche Schwierigkeiten kennt Mechthild Ballmann nicht. Die Vorsitzende des Vereins „Weltladen Prüm“ finde immer genügend Freiwillige, die Dienste im Fairen Laden in der Abteistadt übernehmen wollen, sagt sie. 40 Mitglieder zähle ihr Verein, etwa 20 arbeiteten im Laden. Ballmanns Problem sei zurzeit eher, dass das Geschäft zu gut laufe: „Der Weltladen macht zu viel Umsatz.“ Das Finanzamt habe daher die Gemeinnützigkeit des Vereins angezweifelt. Fairkehrte Welt! Diese eher bürokratische Hürde  gelte es nun aus dem Weg zu schaffen, etwa mit der Gründung eines zweiten Fördervereins. Dabei könne auch Ballmanns Organisation am Ende des Jahres keine großen Sprünge machen. Der Überschuss, den der Laden abwerfe, fließe in Spenden für Hilfsprojekte, Renovierungsarbeiten im Laden und die Anschaffung von Material. Ein bisschen Geld bleibe da aber immer noch übrig für Aktionen. In diesem Jahr wolle sich der Verein zwar nicht am Weltladentag beteiligen, sagt die Vorsitzende, dafür aber an der Fairen Woche und am Prümer Sommer. Außerdem planen die Freiwilligen ein Benefiz-Konzert für den Tag, an dem der Hahnplatz wieder eröffnet wird.

In Prüm scheint alles zu laufen. Aber auch in Bitburg sei die „Faire Idee“ angekommen, sagt Mariele Langenfeld. Das Geschäft laufe besser als noch vor Jahren. Nur eines würde sich die Bademerin noch wünschen: Dass auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung ein Zeichen setzen und in Zukunft häufiger zum Gässestrepper-Kaffee greifen. „Der Laden ist ja direkt gegenüber vom Rathaus“, sagt Langenfeld. So geht Fairmarktung.