Fallschirmspringer löst Großeinsatz aus

Fallschirmspringer löst Großeinsatz aus

Nachdem eine Frau am Samstagabend gesehen hat, wie ein Mann von der Kylltalbrücke bei Wilsecker gesprungen ist, hat es zwei große Suchaktionen gegeben - doch vergeblich. Vermutlich handelte es sich um einen Fallschirmspringer.

Wilsecker. Das Auto, das vor der Augenzeugin auf der A 60 zwischen Badem und Bitburg unterwegs ist, fährt plötzlich rechts ran. Hält auf dem Seitenstreifen der Kylltalbrücke bei Wilsecker. Ein Mann steigt aus. Klettert rasch über das Geländer. Und springt. Der andere Mann steigt ebenfalls aus und sieht ihm hinterher.

Dort zu springen bedeutet 93 Meter Fall bis zum Grund des bewaldeten Kylltals. Ein Selbstmörder? Wohl kaum. Wer lässt sich schon zum Selbstmord fahren? Um 21.40 Uhr geht am Samstag bei der Polizei der Anruf jener Autofahrerin ein, die das Geschehen beobachtet hat. Eine Suchaktion beginnt.

Bis Mitternacht sind die freiwilligen Helfer der Feuerwehren Kyllburg, Gindorf und Badem sowie Kräfte des Technischen Hilfswerks im Einsatz. Laufen die Schienen der Kylltalbahn ab, durchkämmen den Wald - doch ohne Erfolg. Auch ein Notfallteam der Deutschen Bahn ist vor Ort. Für den Fall, dass die Strecke gesperrt werden muss. Wie sich herausstellt, ist dies jedoch unnötig. So kommt es laut Bahn lediglich bei einem Zug zu einer 16-minütigen Verspätung.

Am Sonntagmorgen wird die Suche ab 7 Uhr fortgesetzt. Erneut durchforsten 75 Feuerwehrleute und zehn Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes das waldreiche Gebiet unter der Brücke. Erneut findet sich von dem Brückenspringer keine Spur. Nur aus dem Polizeihubschrauber, der über dem Wald seine Runden dreht, ist etwas zu entdecken, das darauf hinweisen könnte, was am Vorabend geschehen ist: Polizisten glauben in einem Baumwipfel einen sogenannten "Drifter" zu erkennen. Fallschirmspringer werfen solche Bändchen vor dem Sprung ab, um erkennen zu können, wohin der Wind sie tragen wird.

Ein Fallschirmspringer also? Die Polizei geht davon aus. Zumal sich auf der Brücke noch ein Aufkleber gefunden hat, der ebenfalls darauf hindeuten soll. Sogenannte "Base-Jumper" (siehe Extra) sorgen immer mal wieder für Trubel. 2003 mussten Suchtrupps ihretwegen zur Ourtalbrücke bei Winterspelt ausrücken. Gefunden wurde jedoch nie jemand. Dafür gehe das meist alles zu schnell. Nun sucht die Polizei weitere Zeugen, um dem Springer doch noch auf die Spur zu kommen: Telefon 06561/968570. Extra Base-Jumper sind Ex tremsportler, die mit Fallschirmen von Hochhäusern, Brücken, Sendemasten oder Felsen abspringen. Wer das in Deutschland legalerweise tun möchte, muss dafür zunächst Genehmigungen beantragen. Laut Wikipedia kam es beim Ausüben dieses Sports zwischen 1981 und 2009 weltweit zu 143 erfassten Todesfällen.

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