"Familie ist das Rückgrat"

"Familie ist das Rückgrat"

BITBURG-PRÜM. Seit 20 Jahren treffen sich Angehörige psychisch kranker Menschen aus dem Kreis Bitburg-Prüm regelmäßig unter dem Dach der Caritas. Sie helfen sich gegenseitig dabei, die Belastungen der familiären Situation zu verarbeiten.

Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, aber nachhaltig erfolgreich wirkt eine Gruppe von Menschen, die ähnliche Schicksale teilen. Seit 1985 bietet der Caritas-Verband für die Region Westeifel Angehörigen von psychisch Kranken die Gelegenheit, ihre Erfahrungen auszutauschen. "Es gehört zu den großen Bewältigungsaufgaben für Angehörige, die psychische Erkrankung eines Kindes oder Partners nach und nach akzeptieren zu lernen", erklärte Diplom-Sozialpädagoge Josef Fuchs bei einer Feierstunde im Sitzungssaal der Kreisverwaltung. Der Suchtberater der Caritas wirkt für die Gruppe als Koordinator und führt mögliche Neuzugänge in Vorgesprächen heran. Die monatlichen Treffen selbst laufen zwanglos ab. Bei Kaffee und Kuchen kommen die Teilnehmer ins Gespräch, mal in der großen Runde, mal unter vier Augen. Im Laufe der Zeit gelingt es den meisten, freier über ihre eigene Situation zu sprechen. "Wir stützen uns gegenseitig und tragen unser Leid gemeinsam", sagte Katharina Wagner, selbst Mutter eines Patienten. "Die Familie ist das Rückgrat der Kranken", stellte Dorothea Schlenkhoff, Zweite Beigeordnete der Stadt, fest. "Sie als betroffene Angehörige lassen Mitmenschen täglich Güte erfahren. Ich habe Respekt und Hochachtung vor Ihrer Arbeit." "Machen Sie sich bemerkbar, stellen Sie sich nach außen dar", empfahl der Schönecker Arzt Dr. Erdal Dogan den Mitgliedern. Während weitere Vertreter aus dem sozialen Bereich der Einladung ins Kreishaus gefolgt waren, schickten Ehrengäste Grußworte.Kämpfen gegen Vorurteile und Unkenntnis

Ministerpräsidenten-Gattin Roswitha Beck, Vorsitzende des "Kuratorium Verein zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz" bekräftigte das Ziel, die Ausgrenzung psychisch Kranker zu vermeiden. Monika Zindorf, Vorsitzende des Landesverbands der Angehörigen psychische Kranker, mahnte die Mitglieder, auf ihre eigene Gesundheit zu achten: "Sie müssen lernen, auch etwas für sich zu tun." Was aber fehlt den Betroffenen? Woran hakt es noch? Im Gespräch mit dem TV wird schnell klar, dass es weniger um finanzielle Unterstützung geht. "Wir haben einfach keine Lobby, kämpfen gegen Vorurteile und Unkenntnis", klagt eine Teilnehmerin. Menschen im Umfeld blieben oft auf Distanz, statt auf betroffene Familien zuzugehen. "Man kommt sich vor wie gebrandmarkt. Ich habe anfangs oft geweint und konnte mit niemandem darüber reden", berichtet eine Angehörige. Spannungen in der Familie selbst entstehen oft durch Missverständnisse und Stimmungsschwankungen. Der Tag-Nacht-Rhythmus wird häufig gestört. Gemeinsames Essen oder Feiern kennen solche Familien kaum noch. Allgemeine Aussagen über Problemlagen sind allerdings schwierig, da jedes Krankheitsbild anders ist. Der große Wunsch einer Angehörigen: "Aufklärung über psychische Erkrankungen wäre so wichtig, um Verständnis bei denjenigen zu wecken, die selbst nichts damit anfangen können."

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