Familie Maksuti aus dem Kosovo ist abgeschoben - Sohn ist mehrfach behindert

Familie Maksuti aus dem Kosovo ist abgeschoben - Sohn ist mehrfach behindert

Die kosovarische Familie Maksuti, untergebracht in der Prümer Stadtwaldsiedlung (der TV berichtete), ist abgeschoben: Vor einigen Tagen verschafften sich Polizei und andere Behördenvertreter nachts Zugang zur Wohnung und schickten Mutter, Vater und fünf Kinder zurück in ihre Heimat. Damit besteht auch keine Chance mehr für den blinden und gehörlosen Sohn, eine medizinische Behandlung zu erhalten.

Für die kosovarische Familie Maksuti, über deren Situation der TV erstmals im Mai berichtete, besteht kein Anspruch auf Asyl. Deshalb ist sie nun zurück in ihre Heimat geschafft worden. Vor einigen Tagen, erzählt Annette Schwahlen aus Olzheim, die sich bisher zusammen mit ihrem Mann Rainer um Merita und Muhamed Maksuti und deren fünf Kinder gekümmert hatte, seien nachts Polizisten in die Wohnung am Stadtwald eingedrungen und hätten alle fortgeschafft.Hoffnung zerstört


"Die haben die Tür aufgeflext", erzählt Annette Schwahlen. "Sieben Mann waren das, die kamen ohne Vorwarnung." Alles sei sehr dramatisch gewesen, die Kinder hätten geweint und geschrien. "Für Deutschland ist das ein Armutszeugnis", sagt die 70-Jährige. "Und eine Schande."
Vor allem aber ist es ein großes Unglück für den kleinen Amar, der Anfang 2014 als Frühgeburt zur Welt kam - blind, gehörlos und mit weiteren Behinderungen. In Deutschland bestand für ihn Hoffnung auf eine medizinische Behandlung, nach der er zumindest hätte hören können, man hatte bereits damit begonnen.
Diese Hoffnung ist nun zerstört. Die Kreisverwaltung in Bitburg bestätigt auf TV-Anfrage die Abschiebung. Zwar gebe man aus Datenschutzgründen keine Auskunft zu Einzelfällen, sagt Pressesprecherin Heike Linden. Aber die Anordnung sei vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gekommen.
Und die Abschiebungen "werden generell jetzt so schnell umgesetzt. Wenn der Bescheid vorliegt, sind das zwei, drei Tage."
Und das geschieht dann eben ohne Rücksicht auf das traurige Schicksal, das manchmal dahintersteckt: "Auch wir sind innerlich zerrissen", sagt Landrat Joachim Streit, selbst wenn man gesetzlich auf der korrekten Seite stehe - moralisch sei das eine andere Frage. "Auch uns lassen die Einzelschicksale - insbesondere bei Kindern - nicht kalt. Im Gegenteil, auch wir leiden als Eltern mit den Familien." Aber das Asylrecht sei nach der Entscheidung des Bundesamt für Migration konsequent anzuwenden: "Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung würden gar eine Untreue im Amt begehen, wenn sie sich anders verhielten. Das wird auch niemand moralisch von uns verlangen können."
Ein weiteres Problem war nach TV-Informationen offenbar die Frage einer ärztlichen Nachsorge für den Fall, dass der kleine Amar in Deutschland noch weiter behandelt worden wäre. Zwar hatte sich die Familie dazu bereit erklärt, irgendwann freiwillig zurückzugehen. Aber Amar hätte dennoch hier weiter betreut werden, weil das in seiner Heimat nicht möglich ist - und deshalb auf unabsehbare Zeit im Land bleiben müssen. Und darauf haben der knapp Zweijährige und seine Familie schlicht keinen Anspruch.Meinung

Recht und Ordnung
Der kleine Kerl wird den Rest seines Lebens in Dunkelheit verbringen müssen. Nichts hören, nichts sehen, immer auf andere Menschen angewiesen sein. Wer sich davon nicht berühren lässt, hat kein Herz im Leib. Stimmt, wir können nicht allen helfen, in diesem Fall macht das besonders traurig. Aber es ist rechtens. Klar, die Maksutis gehören wohl zu denen, die von manchen herablassend als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet werden. Das sind aber jene, die ihre Milliönchen schwarz in der Schweiz oder in Luxemburg in Pflege geben, auch. Schade, dass man in so einem Fall keinen von denen dazu verdonnern kann, mit seinem Geld zu helfen. Zu simpel gedacht? Bestimmt. Und, genau: Das wäre ja auch nicht rechtens. f.linden@volksfreund.deExtra

"Wir werden in Zukunft noch viele Fälle der Abschiebung haben", sagt Landrat Joachim Streit. "Dabei sollte die Humanität im Einzelfall auch Gelegenheit geben, über Humanität im Generellen zu sprechen." Der stetige Strom der Zuwanderung nämlich "verpflichtet uns, für die, die wirklich Asyl suchen und zu Hause mit dem Tode bedroht sind, diejenigen in ihre Heimatländer zurückzuführen, die rechtswidrig in Deutschland sind." Dabei sei es bedauerlich, "dass das Bundesamt für Migration seit 2009 nicht seiner Arbeit nachkommt und dadurch der Rechtsschein entstehen konnte, es gäbe ein Aufenthaltsrecht. In der Linie Bund-Land-Kreise gibt es die klare Vorgabe der Rückführung. Der kommen wir nach." Gleichzeitig seien aber auch weit mehr als 90 Prozent der abgelehnten Asylbewerber freiwillig bereit, nach Hause zu reisen - "und wir helfen ihnen dabei. In den anderen Fällen der zwangsweisen Abschiebung kann ich als Landrat versichern, dass wir uns gesetzlich und ethisch korrekt verhalten." fpl