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Familien für heimatlose Kinder und Jugendliche gesucht: Eifelkreis überträgt Betreuung unbegleiteter junger Flüchtlinge auf Caritasverband Westeifel

Familien für heimatlose Kinder und Jugendliche gesucht: Eifelkreis überträgt Betreuung unbegleiteter junger Flüchtlinge auf Caritasverband Westeifel

Unter den Flüchtlingen, die auf die Kommunen des Eifelkreises verteilt werden, sind auch viele auf sich allein gestellte Jugendliche. Die meisten von ihnen sind derzeit noch in Jugendeinrichtungen der gesamten Region untergebracht. Unter Federführung des Caritasverbands Westeifel sollen nun aber gezielt Pflegefamilien für die jungen Menschen gesucht werden.


Zu den Dingen, bei denen die Bundesregierung im Umgang mit Flüchtlingen überfordert ist, zählt die Betreuung und Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern in Deutschland ankommen. Bislang war es so geregelt, dass diese jungen Menschen am Ankunftsort untergebracht wurden.

Seit dem 1. November dieses Jahres jedoch werden die Jugendlichen, die im Verwaltungsjargon UMA (Unbegleitete jugendliche Ausländer) genannt werden, genau wie die übrigen Flüchtlinge nach einem festen Schlüssel verteilt. Und gemäß dieser Quotenregelung sollen bis Ende 2015 auch rund 70 junge Flüchtlinge im Eifelkreis untergebracht werden.

Ein Teil dieser Unter-18-Jährigen ist bereits in der Eifel angekommen. Also mehr oder weniger. Denn gemeinsam mit anderen jungen Flüchtlingen sind sie in der gesamten Region Trier auf Jugendeinrichtungen verteilt. Erklärtes Ziel des Eifelkreises ist es jedoch, für die ihm zugeteilten Jugendlichen Pflegefamilien zu finden. Helfen soll dabei das Projekt (Zu)Flucht & Heimat des Caritasverbands Westeifel. Bei diesem Projekt geht es darum, Interessierte aus dem Kreisgebiet zu werben, die bereit sind, als Pflegefamilie minderjährige Flüchtlinge bei sich aufzunehmen.

"Für uns war es ganz wichtig, dass die Pflegefamilien fachlich begleitet werden, sodass es nicht zu Abbrüchen kommt", erklärt Josef Winandy, Leiter des Jugendamts, der in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses auf die Vorteile einer Zusammenarbeit mit dem Caritasverband verweist. So könne die katholische Organisation sowohl im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe als auch auf dem Gebiet der Flüchtlingsbetreuung auf ausreichend Erfahrung zurückgreifen. Zudem arbeite die Caritas mit vielen anderen Einrichtungen und Institutionen zusammen, wodurch eine optimale Bündelung der Ressourcen erreicht werden könne.

Dem schließt sich auch Jugendhilfeausschuss-Mitglied Klaus Schnarrbach an. "Wir können dankbar sein, dass die Verwaltung durch die Verbände entlastet wird", sagt er. Rainer Hoffmann, der als Chef des DRK-Kreisverbands Bitburg-Prüm selbst Leiter eines Wohlfahrtsverbands ist, sieht das ähnlich. Eine Zusammenarbeit in dieser Form sei auf jeden Fall zu begrüßen, so Hoffmann.

Aufstockung möglich

Für den Kreis, der im Rahmen seiner gesetzlichen Jugendhilfe ebenfalls mit Pflegefamilien zusammenarbeitet und dieses Kontingent an Familien auch für die Betreuung seiner einheimischen Jugendlichen benötigt, ist diese Zusammenarbeit nicht nur begrüßenswert, sondern unterm Strich auch recht günstig.
So sieht der dazu einstimmig gefasste Beschluss des Jugendhilfeausschusses vor, dass der Kreis das Projekt rückwirkend zum 1. November 2015 bis zunächst Ende Oktober 2018 mit monatlich 150 Euro unterstützt. Finanziert wird damit anteilig eine 15-prozentige Stelle, die bei erfolgreicher Umsetzung Mitte 2016 auf 25 Prozent aufgestockt werden soll.

Vergleichsweise wenig Geld, das nach Auffassung von Landrat Joachim Streit aber gut investiert ist. Und zwar in die Wirtschaft. Jeder Minderjährige, der im Eifelkreis eine Ausbildung absolviere, trage zur Fachkräftesicherung bei, sagt Joachim Streit. Für den Kreis sei die Aufnahme und Integration der jungen Flüchtlinge im Grunde also nicht nur eine soziale Aufgabe, sondern auch Wirtschaftsförderung.