Fast jeder spendet für die Fahrt

Fast jeder spendet für die Fahrt

Die Fahrpläne von öffentlichen Bussen auf dem Land sind weitestgehend auf die Bedürfnisse von Schülern ausgerichtet. Damit aber auch Senioren mobil bleiben, hat die Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld 2012 das Projekt Bürgerbus auf den Weg gebracht. Kostenlos fahren Ehrenamtliche die Bürger dabei durch die Verbandsgemeinde.

Arzfeld. Hügelige Wiesen, verwunschene Täler und ein Blick, der nur von dem einen oder anderen Windrad gestört wird: Die Landschaft, in der die Verbandsgemeinde Arzfeld liegt, lädt dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Doch wer ohne Auto in der fast 266 Quadratkilometer großen VG lebt, stößt in seiner Mobilität an Grenzen. "Besonders älteren Menschen wollen wir sie aber garantieren und haben so vor drei Jahren unseren Bürgerbus eingeführt" sagt der VG-Bürgermeister Andreas Kruppert. Der kostenlose Fahrservice sei beliebt bei den Bürgern - mittlerweile wurde sogar das erste Fahrzeug durch ein größeres ersetzt (der TV berichtete).
"Dass es den Bus überhaupt gibt, ist besonders unserem treuen Team von zwanzig ehrenamtlichen Fahrern zu verdanken", sagt Kruppert.
Seit Einführung des Angebots stehe das Team. "Immer mal wieder kam jemand Neues dazu, der Grundstamm unserer Ehrenamtler ist aber sehr treu." Man müsse sich einfach mal dafür bedanken, zumal die freiwilligen Fahrer tatsächlich nichts für ihren Dienst bekommen: "Auch keine Aufwandsentschädigung."
Im Schnitt komme jeder Fahrer einmal im Monat dran. "Einen Tag bevor es los geht, bekommt er seinen Fahrplan", sagt der VG-Bürgermeister. Das Team der Verwaltung, dass die Busbestellungen annehme, entwerfe die Route möglichst ökonomisch, "damit wenig doppelt gefahren werden muss." Gute Planung sei da das A und O: "Auch, damit der Dienst kostenfrei angeboten werden kann. Ein Fahrgeld wird nämlich nicht verlangt."
Aber die Nutzer sind großzügig. "Die meisten wollen nicht gratis fahren und geben eine kleine Spende, mit ihr werden unter anderem Benzin und Versicherung mitbezahlt", sagt Kruppert.
Der Fahrzeugwechsel sei übrigens eine direkte Reaktion auf den Erfolg. Das "alte" Elektromobil sei einfach am Maximum seiner Kapazitäten gefahren.
Denn die Verbandsgemeinde mit ihren 43 Dörfern ist groß, die Strecken können richtig lang werden, da stößt der Elektrowagen an seine Grenzen. Und wenn man schon dabei war, wurde gleich ein etwas größeres Auto angeschafft: ein Ford Tourneo Custom mit neun statt der bisher fünf Sitze, einer Trittstufe zum erleichterten Einsteigen - und mit Dieselmotor."Wir brauchen einfach mehr Reichweite", sagt Kruppert. Außerdem ist das Leasing günstiger und auch das Innenministerium förderte den Bus mit 8500 Euro.
Sinnvolles Angebot


Kruppert ist sich sicher, dass das Projekt weiter auf Erfolgskurs bleibt, zumal einige Verbandsgemeinden die Idee aufgegriffen haben - so gibt es in der VG Speicher ein ähnliches Angebot und auch der Rat der VG Wittlich-Land hat beschlossen, einen Fahrdienst einzurichten. Ein Schritt, den auch Andreas Heiseler, zuständig für die Umsetzung der Zukunfts-Checks des Eifelkreises Bitburg-Prüm für manche Gegenden empfiehlt.
"Bürgerbusse sind ein sinnvolles Angebot, wenn genug Ehrenamtliche mitmachen", erklärte er bei der Auftaktveranstaltung des Bleialfer Dorfchecks. Der normale Busverkehr sei eben sehr auf die Schulzeiten ausgerichtet, Senioren, die zum Arzt oder einfach einkaufen müssen, würden durch das Angebot sehr in ihrer Mobilität gestärkt.
Wer sich vom Bürgerbus mitnehmen lassen will, kann dazu bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung in Arzfeld anrufen und für Montag, Mittwoch, Donnerstag Oder Freitag eine Fahrt buchen. Anrufe nehmen Michael Thiel und Claudia Breuer entgegen. Sie sind zu erreichen unter den Rufnummern 06550/974122 und 06550/974123.

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