Feierabend in der Eifel

PRÜM. Sonderausstellung im Prümer Heimatmuseum: Leiter Franz Josef Faas (82) hat eine Sonderschau vorbereitet, die zeigt, was die Eifeler früher nach Feierabend taten. Eröffnung ist am Sonntag, 21. November, um 11.30 Uhr.

Was taten die Eifeler, als es noch keinen Fernseher gab, das Radio noch in den Kinderschuhen steckte, "Playmobil" und elektrische Eisenbahn noch nicht erfunden waren? Antworten darauf gibt die Sonderschau "Nach Feierabend", die am Sonntag, 21. November, im Prümer Heimatmuseum eröffnet wird. Die Schau zeigt eine Fülle von Exponaten aus der Zeit von 1880 bis 1945, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Leiter Franz Josef Faas: "Wir zeigen, wie sich die Männer mit Skatspiel, Kegeln, Kneipengang und Vereinstätigkeiten beschäftigten." Dazu hat Faas eine hölzerne Kegelbahn im Museumsflur aufgebaut. Auch zeigt er Kartenspieler bei Spielen wie Skat und Schach in der Museumskneipe. Hausmusik spielte vor 130 Jahren und danach eine tragende Rolle an langen Winterabenden. "Es wurde geflötet und gegeigt - zumindest im Bürgertum. Andere Bevölkerungsschichten spielten Mundharmonika oder sangen in der guten Stube am warmen Ofen", sagt Faas, der sich in vielen Jahrzehnten große Verdienste um das Prümer Heimatmuseum erworben hat. Die Frauen spielten in der Öffentlichkeit keine Rolle. Faas: "Frauen führten kein Eigenleben, Emanzipation war noch kein Thema." Selbst Perlstrickerei war wegen der hohen Arbeitslosigkeit Sache der Männer. Frauen betätigten sich beim Nähen, Sticken, Klöppeln oder schrieben lange Briefe. In Prüm gab es allerdings schon einen Frauenclub: die "Höhner". Was diese Frauen allerdings nach Feierabend machten, ist selbst dem Museumsleiter nicht bekannt. "Es war wohl ein Kaffeeklatsch", vermutet er. Die Kinder spielten draußen oder drinnen mit Quartetten und anderen Kartenspielen. Zudem gab es eine große Sammelleidenschaft. Besonders Alben mit Bildchen waren beliebt. So zeigt Faas überaus interessante Exponate von Reklame-Sammelbildchen, Bilderbögen, Kinderbüchern, Mal- und Bastelbüchern. Auch waren "Ergänzungsspiele" ("Ballonfahrt"), Kochspiele mit Rezepten, Spiele mit bewegten Bildern ("laterna magica") beliebt. Eine "Laubsägen-Schnitzecke" für Jungen gewährt im Museum Einblick in das manuelle Tun der Knaben. Käfer-Schaukästen, Herbarium und Zinnfiguren komplettieren das große Angebot an teils wertvollen Ausstellungsstücken. Die Sonderausstellung zeigt auch einen uralten Roller ("Der ist bestimmt Jahrhunderte alt", sagt Faas), einen hölzernen Schlitten Marke Eigenbau und eiserne, arg ramponierte Schlittschuhe. Gut nachvollziehen kann der Besucher auch die Entwicklung der Baukästen: Über den Holz-, Stein-, Bilder- bis hin zum Metallbaukasten der Marke Märklin. Öffnungszeiten des Heimatmuseums Prüm: mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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