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Landmarken: Felsblöcke als Naturschauspiel

Landmarken : Felsblöcke als Naturschauspiel

In Irrel in der Südeifel haben sich vor 12000 Jahren Felsstücke gelöst und sind in das 170 Meter tiefer gelegene Prümtal gestürzt. Dort haben sich beeindruckende Stromschnellen gebildet, die „Irreler Wasserfälle“.

Schon von weitem, wenn man das Auto am Wanderparkplatz zwischen Irrel und Prümzulay abstellt, hört man das kräftige Rauschen des Wassers und wird neugierig, auf die „Irreler Wasserfälle“, die zwar keine Wasserfälle, aber dennoch beeindruckende Stromschnellen sind.

Nach etwa 200 Metern, die man bequem auf einem gepflasterten Weg gehen kann, hat man schon einen Blick auf die überdachte Holzbrücke, die 1959 gebaut wurde. Unter ihr tobt das Wasser der Prüm auf etwa 140 Metern. Felsblöcke, die bis zu drei, vier Meter hoch sind, liegen im Wasser, als hätte ein Riese mit ihnen gespielt und sie dort liegen lassen. Sie bestehen aus Luxemburger Sandstein, der ein kalkig gebundener Sandstein aus der Zeit des Unteren Schwarzen Juras ist. Die Steine habe eine glatte Oberfläche, dennoch hat sich an verschiedenen Stellen Moos gebildet. Damit setzen sie sehr schöne Farbakzente in die Landschaft. Entstanden sind die Irreler Wasserfälle vor etwa 12 000 Jahren. Damals sind Felsmassen vom Ferschweilerer Plateau und vom Wolsfelder Heiderücken herabgestürzt und ins Tal geschlittert. Für Wanderer, Touristen und Einheimische, die in der Süd­eifel, beispielsweise in der Teufelsschlucht, unterwegs sind, ist dieses Naturschauspiel ein besonderer Anziehungspunkt, denn oberhalb der Stromschnellen fließt das Wasser ruhig, dann nimmt es bei den kleineren Felsstufen Geschwindigkeit auf um schließlich gegen die hohen Felsbrocken zu prallen.

Für Angler und Kanufahrer sind die Wasserfälle sehr interessant. Bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hat es beispielsweise noch Aale in der Prüm gegeben. Dabei hat eine Wirtin um eine Lieferung von Aalen gebeten, wie Peter Wagner in seinen Texten zur Geschichte und Geschichten über die Fischerei in Nims und Prüm schreibt. „Die Lieferung wurde in einem Sack unter einem Wirtshaustisch deponiert. Kurze Zeit später kam ein fürchterlicher Schrei aus der Küche „helft mir, hier ist eine Schlange unter meinem Herd“, dabei war es nur ein Aal, der aus dem Transportsack ausgebüxt war, der aber eingefangen werden konnte.“

Auch Lachse waren in der Prüm zu Hause, besonders um die Jahrhundertwende. Sie mussten lebend gefangen werden. „Es war auch für Nichtfischer ein Erlebnis, wenn die Fische über die riesigen Steinbrocken der Prüm sprangen“, so Wagner. Am sogenannten „Lachsfelsen“ wurden 1910, etwas unterhalb der Stromschnellen, 159 Fische gefangen, von denen der Größte 39 Kilogramm schwer war.

Kanufahren ist bei den Irreler Wasserfällen ebenfalls möglich, der TV Bitburg, der eine eigene Kanuabteilung hat, richtet dort regelmäßig Oktoberwettkämpfe aus. Freizeitfahrer sollten aber vorsichtig sein, denn die Stromschnellen sind gefährlich. Im Juli 1986 ist ein 16-jähriger gegen einen Felsbrocken gestoßen, gekentert und er konnte sich nicht mehr befreien.

Strenge Regelungen der Struktur- und Genehmigungsbehörde sorgen für den Naturschutz bei den Wasserfällen.

 In viele der am Ufer liegenden Steine sind Liebesbeweise in Herzchen eingeritzt.
In viele der am Ufer liegenden Steine sind Liebesbeweise in Herzchen eingeritzt. Foto: Christina Bents
 Die Kräfte des Wassers werden hier an den Stromschnellen sichtbar.
Die Kräfte des Wassers werden hier an den Stromschnellen sichtbar. Foto: Christina Bents

Warum die Irreler Wasserfälle diesen Namen tragen, obwohl es im eigentlichen Sinne Stromschnellen sind, kann nur vermutet werden. Elke Wagner von der Tourismus GmbH Felsenland Südeifel sagt: „Die „Stromschnellen tragen den Namen Wasserfälle seit mehr als 100 Jahren. In einem Reiseführer aus dem Jahr 1911 wird er so selbstverständlich verwendet, dass er wahrscheinlich um einiges älter ist. Bereits zu dieser Zeit führte ein Steg über die „herrlichen Kaskaden.“ Weiter erklärt sie: „Es mag sein, dass man schon damals nach einem besonders verkaufsfördernden Namen suchte, aber die schwärmerischen Beschreibungen lassen eher vermuten, dass die Menschen wirklich beeindruckt waren von diesem Naturphänomen und „Wasserfälle“ als angemessen empfanden.“