Fernseher wird zum Luxus

BITBURG-PRÜM/GEROLSTEIN/BERNKASTEL-WITTLICH. Hotels mit mehr als 50 Zimmern werden ab 1. April des kommenden Jahres mit 75 Prozent der Rundfunkgebühren zur Kasse gebeten, um den Gebührendurst der Öffentlich-Rechtlichen zu stillen.

Fernseher im Hotelzimmer - das ist doch eine Selbstverständlichkeit, denkt der Gast. Was früher Luxus war, ist heute Standard. Aber für den Hotelier könnten die Fernseher bald wieder zum Luxusgut werden. Denn die Ministerpräsidenten aller Länder, darunter auch Kurt Beck, haben Anfang Oktober entschieden, von deutschen Hoteliers das Doppelte an Rundfunkgebühren zu verlangen. Davon ausgenommen sind Häuser, die weniger als 50 Betten haben. Im Gegensatz zu ihren europäischen Kollegen zahlen die Hoteliers bisher im Schnitt acht Euro Rundfunkgebühren pro Zimmer und Gerät. Ab 1. April nächsten Jahres wird dieser Betrag auf 17,03 Euro monatlich angehoben. Die Entscheidung steht allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung aller Landtage."Nicht mittelstandsfreundlich"

Für die Fernsehgeräte in Gästezimmern zahlen Hotels mit weniger als 50 Zimmern wie bisher 50 Prozent der Gebühr, größere Hotels 75 Prozent. Auch wenn im Vorfeld der Beratungen die komplette Abschaffung der so genannten Hotelpauschale zur Diskussion gestanden hat, zeigen sich der Hotelverband Deutschland (IHA) und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) über diesen faulen Kompromiss der Länderchefs enttäuscht. Karl-Heinz Schott, Hauptgeschäftsführer vom Dehoga-Landesverband Rheinland-Pfalz, ist "mehr als enttäuscht": "Das ist nicht mittelstandsfreundlich. Statt die Kosten auf wenige abzuwälzen, wäre es besser gewesen, eine gleichmäßige Erhöhung für alle einzuführen, das wären dann vielleicht zwei Cent für jeden gewesen", rechnet er vor. Nicht zufrieden mit der Arbeit des Hotel- und Gaststättenverbands ist Peter Heck, Geschäftsführer vom Hotel Eifelstern in Bitburg. Das Hotel ist mit 358 Zimmern das bettengrößte Haus in Rheinland-Pfalz. "Tatsache ist, dass wir immer mehr mit Gema- und Rundfunkgebühren belastet werden", sagt er und fährt fort: "Wenn wir keine Fernseher auf die Zimmer stellen würden, wären wir nicht mehr wettbewerbsfähig." Er halte es aber auch für keine gute Lösung, die Kosten auf die Zimmerpreise abzuwälzen. Einziger Ausweg für ihn: "Das geht dann von unserer Marge ab." 380 Hotels in Deutschland werden von der Acor-Gruppe gemanagt. Dazu zählt auch das Dorint Hotel in Biersdorf mit 204 Einheiten. Verena von Gehlen, Pressesprecherin von Acor, möchte zwar keine Zahlen nennen, bestätigt aber, dass die Erhöhung der Gebühren zu einer finanziellen Belastung führt, die jedoch nicht existenzbedrohend sei. Genau 50 Zimmer hat das Hotel Calluna in Gerolstein. Direktor Karl-Heinz Ottowitz überlegt, ob er nicht ein Zimmer opfern soll, um die Kosten zu sparen. "Diese Preiserhöhung können wir bei der derzeitigen durchschnittlichen Jahresbelegung nicht erwirtschaften", sagt er. Total ungerecht findet die neue Gebührenregelung ein Hotelier von der Mosel, der nicht genannt werden möchte. "Das ist ja nicht nur die Gebührenerhöhung, da kommt ja noch ein ganzer Rattenschwanz hinterher", sagt er empört. Die Hoteliers müssten jetzt die Löcher im Etat von ARD und ZDF stopfen. Die Einnahmen aus der neuen Regelung seien für die Sender doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Kosten könnten für manchen Mittelständler aber Existenz bedrohend sein. Fernsehen auf dem Hotelzimmer - für den Gast Pflicht für die Hoteliers (teure) Kür.

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