Fesseln der Ehe

Langsam sollte ich mal ans Heiraten denken, höre ich von meiner Oma fast täglich. Aber ich strebe ja keine Karriere in einer großen deutschen Partei an, in die man nur noch eintreten darf, wenn man mindestens zweimal geschieden ist.



Aber wen sollte ich bloß ehelichen? Wo sind all die Männer heute, vor denen mich meine Eltern vor zehn Jahren gewarnt haben? Vermutlich bereits alle unter irgendwelchen Hauben. Aber wer schnell heiratet, hat auch viel Zeit, es zu bereuen. Darin liegt eben der Vorteil von späten Ehen, die dauern einfach nicht so lange. Leider finden wir meist erst nach der Heirat heraus, welchen Partner wir eigentlich gewollt hätten. Doch eher den unscheinbaren Intellektuellen und nicht den durchtrainierten Macho, mit dem man sich nun 50 Jahre Bett und Fernbedienung teilen muss. Wie sagte einst der legendäre Robert Lembke: EHE sei die Abkürzung für errare humanum est - Irren ist menschlich.

Ich wünsche mir jedenfalls einen Mann, der mich dann, wenn es einmal so weit ist, über die Schwelle tragen kann, ohne hochrot zu werden, einen Hexenschuss zu bekommen und jahrelang vor seinen Kumpels damit zu prahlen.

Claudia Thiel ist ein Teil des Kabarettduos "Weibsbilder" und beschreibt ihre Gedanken immer freitags in dieser Kolumne. www.kabarett-weibsbilder.de