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Feuchte Erde und alte Legenden

Feuchte Erde und alte Legenden

Irrhausen - woher hat der Ort in der Verbandsgemeinde Arzfeld seinen seltsam klingenden Namen? Mit Wirren und Irren hat der Ortsname jedenfalls nichts am Hut. Der TV hat sich auf die Suche nach der Herkunft des Ortsnamens Irrhausen gemacht.

Irrhausen. Vor Jahrzehnten stand in der Trierischen Landeszeitung der Beitrag: "Die Bundesregierung hat beschlossen, den Ortsnamen ‚Irrhausen' in ‚Irrenhaus' zu ändern." Das war jedoch ein Scherzbeitrag zum ersten April. Jedoch ist seine Namensdeutung eine ganz andere und recht spannende.

Irrhausen ist zwar die kleinste Pfarrei im Dekanat Waxweiler, mit heute rund 280 Einwohnern. Dennoch kann dieser idyllische Ort auf ein hohes Alter zurückblicken. Zwei saubere, klare und fischreiche Bäche, die Irsen und die Manner, münden dort. Und in diesen von Bergen geschützten Talauen siedelten schon vor rund 2000 Jahren Kelten und Römer. Sie hinterließen nachweisbare Spuren, wie der Daleidener Heimatforscher Pfarrer Bormann nachweist. Wesentlich jüngeren Datums ist hingegen der Ortsname Irrhausen.

Er wandelte sich über Urhuissen (1391), Hurnise (ca. 1400), Urhausen (1455), Urhusen (1456), Urhoussenn (1563) hin zu Urhausen (1600). Erst danach kam es zu der Lautverschiebung "U" zu "Ü", bedingt durch Geistliche, die aus dem luxemburgisch-lütticher Sprachraum eher der französischen Sprache zuneigten. So finden wir 1736 "Ürhausen", aus dem dann über andere Variationen "Yrrhausen" (1821), das heutige "Irrhausen" wurde.

Dieser Ortsname veranlasste wohl Geschichtenerzähler oder Schulmeister zu der erfundenen Erzählung, Karl der Große habe sich dereinst dort in den dichten Waldungen verirrt. Nach langer verzweifelter Suche soll er dann tief unten im Irsental das schwache Licht einer Köhlerhütte entdeckt haben. Voller Freude über seine Rettung habe der Kaiser dann später dort das erste Haus, das "Urhaus", erbauen lassen.

Jedoch hat dieses Märchen absolut nichts mit dem Ortsnamen zu tun. Dieser leitet sich vielmehr von dem uralten keltischen Bachnamen der heutigen "Irsen" ab. Der wurde nämlich zur karolingischen Zeit "Uruersem" genannt wurde. Deutlich geht dies aus einer Urkunde hervor, die um 760 verfertigt wurde. In ihr ist die Rede, dass der fränkische Hertuwin und seine Gattin Absinda ihren Wald, der zwischen den Bächen "Urem" (Our) und "Urversem"(Irsen) liegt, der Echternacher Willibrords-Kirche schenken.

Die heutige "Irsen", ein Zufluss zur Our, hieß also von Beginn an nicht anders als "Urversem", was in dieser Verkleinerungsform soviel wie "kleine Our" bedeutet.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus dem gar nicht so leicht zu sprechenden Wort letztlich das heutige "Irsen". Dass die Worte "Our" und damit auch "Irsen" aus der keltischen und treverischen Sprache unserer Vorfahren stammen, darüber sind sich alle Sprachforscher einig. Das keltische Wort "ûrâ" bedeutet "Erde, Wasser" und beinhaltet stets etwas "Nasses, Feuchtes, Fließendes". Auch unser heutiges Wort "Urin" entstammt jener uralten Sprache unserer Vorfahren.

Ortsname hat keltische und treverische Wurzeln



Das Wort lebt noch in manchen Ortsnamen im Eifelbereich weiter, angefangen bei "Euren" über "Urb" (Urava oder Uruba) bis eben hin zu "Urhausen", der "Siedlung (Haus) an der kleinen Our". Vergleiche auch: Urft, Erft von Urdefa oder Rur, Roer von Rura.

Der Name allein beweist, dass Irrhausen ein Ort ist zum Wohlfühlen und zum Entdecken - der Natur und der Eisvögel, die die "Urversem-Irsen" genauso lieben wie die dort lebenden Einwohner und jeder Besucher und jeder Gast.