Feuchttücher verstopfen die Abwasserleitungen in Bitburg und Umgebung

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv August 2019 : Verstopftes Abwassersystem in der Eifel - Das teure Leid mit den Feuchttüchern

Von wegen aus den Augen, aus dem Sinn: Achtlos über die Toilette entsorgte Feuchttücher verstopfen das Abwassersystem. Nach der Stadt Bitburg schlägt nun auch die Verbandsgemeinde Bitburger Land Alarm. So geht es nicht weiter.

Immer wieder gibt es Ärger mit Feuchttüchern, die in die Toilette geworfen werden – und dann die Pumpen im Abwassersystem verstopfen. Zuletzt schlug der Leiter der Bitburger Stadtwerke deshalb Alarm. Allein für die Kreisstadt würde die Beseitigung der Tücher Jahr für Jahr Kosten von rund 100 000 Euro verursachen. Im Bitburger Land sieht es, ähnlich wie überall, nicht besser aus. Auch hier bleiben die VG-Werke vom Leid mit den Tüchern nicht verschont.

Zuletzt musste während des laufenden Betriebes ein Taucher einen defekten Schieber in der Kläranlage in Burbach abdichten. Der TV war vor Ort.

So ein Einsatz will gut vorbereitet sein. Die Klärwärter Robert Jegen und Manfred Hoffmann haben alle Vorbereitungen bereits getroffen, als das Team des Koblenzer Tauchunternehmers Guido Hirt mit Transporter und Spezialausrüstung anrückt. Ein defekter Schieber muss ausgetauscht werden. Der Auftrag für die Spezialisten: Die Verbindung vom Rücklaufschlammbecken zum großen Klärbecken muss mit einer sogenannten Dichtblase verschlossen werden. Erst dann kann das Becken mit dem defekten Schieber leergepumpt und das Bauteil ausgetauscht werden.

Dann mal rein: Taucher Guido Hirt repariert die Kläranlage Burbach im laufenden Betrieb. Foto: Rudolf Höser/Rudolf Höser

Bevor Taucher Guido Hirt in die braune Brühe absteigt, zwängt er sich in den Gummianzug hinein. Nachdem der Taucheranzug fest verschlossen ist, sorgen die Männer am Beckenrand für die Sicherheit des Kollegen. „Wir sind über drei Leitungen mit dem Taucher verbunden: Eine Sprechfunkverbindung für die notwendige Kommunikation, eine Leitung mit Druckluft zur Versorgung mit Atemluft und eine Ersatzleitung für Atemluft, sollte die erste Verbindung wider Erwarten ausfallen“, erklärt Thomas Limmer.

Dann verschwindet Guido Hirt in der braunen Brühe und meldet sich über Funk. Sehen kann er da unten gar nichts mehr. „Er muss alles ertasten und genau wissen, was er macht“, sagt Limmer. Der 55-jährige Limmer ist selbst auch Taucher, weiß, dass ein solcher Einsatz eine gute körperliche Verfassung voraussetzt. Jährlich müssen sich die Männer einer ärztlichen Untersuchung stellen.

Der heutige Einsatz ist nach zehn Minuten geschafft. Hirt hat die Verbindung zum Hauptbecken abgedichtet und taucht wieder auf. Mit einem Wasserstrahl werden der Taucher und seine Ausrüstung gründlich gereinigt. Was der „Kurzeinsatz“ kostet, wollte Hirt nicht verraten. „Nur soviel, es ist viel günstiger, als die Anlage über mehrere Tage stillzulegen.“ Die Kläranlage in Burbach läuft nun wieder wie gehabt.

Die Kosten für den Betrieb der Kläranlagen werden aber auch durch einen anderen Umstand unnötig in die Höhe getrieben. „Wir haben im Schnitt rund 200 Störungseinsätze im Jahr, die in direktem Zusammenhang mit Feuchttüchern stehen. Die werden in großen Mengen über die Toiletten in die Kanalisation gespült“, erklärt Christof Lichter, Leiter der VG-Werke Bitburger Land. Feuchttücher verrotten nicht, sie verwickeln sich in den Pumpen und Rechenanlagen der Kläranlagen, führen zu Störungen und Ausfällen der Anlagen. „Das verursacht jährliche Kosten von rund 90 000 Euro“, klagt Lichter und bittet die Bevölkerung dringend, die Feuchttücher doch über den Hausmüll zu entsorgen.

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