Feuerwehr Bitburg: Neubeginn nach Krisenzeit

Kostenpflichtiger Inhalt: Stellvertretender Wehrleiter steht am Donnerstag zur Wahl : Feuerwehr Bitburg: Neubeginn nach Krisenzeit

Die Feuerwehr Bitburg wählt am Donnerstag einen neuen stellvertretenden Wehrleiter. Die Position ist vakant, seit Guido Weiler im Krisenjahr 2018 zurücktrat. Schafft es die Stadt, den Streit mit den Löschtruppen im neuen Jahr endlich hinter sich zu lassen?

Zwei ereignisreiche Jahre liegen hinter der Feuerwehr und der Stadt Bitburg. Zwei Jahre, in denen sich lange schwelende Konflikte zwischen Verwaltung und Löschtruppen entzündeten. Die letztlich in einer Austrittswelle mündeten und zwei große Lücken in die Wehrleitung rissen.

Der Posten des Wehrleiters ist seit Juli 2019 mit Michael Becker zwar wieder besetzt. Die Position seines ersten Stellvertreters allerdings ist nunmehr seit über einem Jahr vakant. Im August 2018, inmitten eines heftigen Streits zwischen Bürgermeister und Feuerwehr, trat Amtsinhaber Guido Weiler zurück. Nun soll die Mannschaft am Donnerstag bei einer nicht-öffentlichen Wahlversammlung einen Nachfolger für die nächsten zehn Jahre benennen.

Dass solche Abstimmungen mehr sein können als Formsache, wurde im Frühjahr 2018 deutlich. Als Bürgermeister Joachim Kandels (CDU) dem im Mai gewählten Wehrleiter Manfred Burbach die Ernennung versagte. Kandels begründete dies mit einem Vertrauensverlust und bekam später vor Gericht Recht. Was die Löschtruppen allerdings nicht davon abhielt, gegen den Bürgermeister zu protestieren und dessen Rücktritt zu fordern. Im Rathaus sieht man der aktuellen Wahl aber gelassen entgegen. Er freue sich darauf, sagt Kandels, wenn mit der Wahl des ersten Stellvertreters die gesamte Wehrleitung wieder komplettiert sei.

Mit dem neuen Feuerwehrchef Michael Becker arbeite sowohl er als auch die Verwaltung „sehr konstruktiv und vertrauensvoll zusammen“. Gemeinsam richte man den Blick in die Zukunft. Und das soll wohl auch heißen: Nicht mehr in die krisenbehaftete Vergangenheit. Auch Wehrleiter Becker spricht von einer „guten Zusammenarbeit“. Hinter den Kulissen aber scheint es noch zu brodeln, wie aus Feuerwehrkreisen zu erfahren ist. Die Stimmung sei, so eine TV-Quelle: „weiterhin kastastrophal.“ Es gebe etliche Kameraden, die zu Einsätzen nicht mehr rausführen: „Da läuft gar nichts mehr.“

Auch die Zahlen belegen, dass 2018 und 2019 viel Porzellan zerschlagen wurde. Noch immer scheint sich die Wehr nicht gänzlich von der Austrittswelle erholt zu haben. Von rund 180 Mitgliedern (Stand: September 2018) sind laut Stadtverwaltung noch 149 übrig.

Vor allem im Stadtteil Mötsch kriselt es offenbar. Derzeit zählt die Mannschaft, das bestätigt Ortsvorsteher Heiko Jakobs (SPD) auf Anfrage, nur noch 17 Mitglieder: „Die Personaldecke ist schon sehr eng.“ Außerdem muss Mötsch seit Monaten ohne Wehrführer auskommen. Der Stellvertreter übernehme diesen Job seit einiger Zeit, sagt Jakobs. Um diesen Zustand zu ändern, sei man derzeit dabei, neue Mitglieder anzuwerben und Gespräche mit früheren Kameraden zu führen.

Auch die Verwaltung bemüht sich, sagt Kandels. 15 Jugendliche würden ab dem 18. Januar neu ausgebildet. „Die erfahrenen Kollegen lassen sich durch junge Kollegen aus dem Grundlehrgang aber natürlich nicht ersetzen“, räumt Kandels ein. Wehrleiter Becker sagt: Seine Truppe sei einsatzfähig und „gut aufgestellt“.

Noch besser aufgestellt wird die Wehr wohl nach der Wahl sein. Welche Aufgaben Beckers Stellvertreter wahrnehmen wird, ist laut Kandels noch nicht geklärt. Auch über mögliche Kandidaten will sich der Bürgermeister nicht äußern. Aus Feuerwehrkreisen ist allerdings der Name Andreas Menne zu hören. Ob der Bitburger der einzige Bewerber ist, ließ sich nicht herausfinden. Wehrleiter Becker erklärt außerdem: „Es kann auch sein, dass bei der Versammlung zehn Leute aufstehen, um sich zu bewerben.“ Der Ausgang der Wahl also vorerst: komplett offen.