FEUERWEHR
Zum Bericht "Bedingt einsatzbereit" (TV, 2. Dezember) und Kommentar "Besser weniger als gar nicht":
Die Forderung, einen Lehrgang unterhalb des Gruppenführers einzurichten, um eine bessere Ausbildung der Wehrführer kleinerer Ortschaften zu erreichen, mag zwar auf den ersten Blick logisch erscheinen, ist jedoch entschieden abzulehnen. Das Argument, dass ein Wehrführer einer kleineren Wehr aufgrund der geringeren Einsatzzahl nur eine geringere Ausbildung benötigt, greift nicht: Selbst wenn eine Wehr kaum Einsätze hat, heißt das nicht, dass diese automatisch ungefährlich sind. Im Gegenteil: Gerade im ländlichen Raum mit landwirtschaftlichen Nutzgebäuden, Biogas- und Solaranlagen gibt es enorme Gefährdungspotenziale. Das erfordert bei der Feuerwehr geschulte Führungskräfte, die umsichtig und planvoll vorgehen. Genau das erlernt man im Rahmen des Gruppenführerlehrgangs an der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Koblenz. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass dieser Lehrgang wesentlich dazu beiträgt, sich der möglichen Gefahren für Betroffene, Mannschaft und Gerät bewusst zu werden und zu lernen, damit umzugehen. Angehenden Führungskräften diese Ausbildung vorzuenthalten, bedeutet, sie und ihre Mannschaft wissentlich größeren Gefahren auszusetzen. Weiterhin droht durch eine Sonderbehandlung der Wehrführer kleiner Wehren eine "Zweiklassengesellschaft" innerhalb der Feuerwehren. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass Wehrführer ohne Lehrgang möglicherweise überhaupt nicht als Führungskräfte akzeptiert werden - sowohl im Einsatz wie auch von Kollegen etwa bei Wehrführertagungen. Zuletzt sei mit einem Vorurteil über den Gruppenführerlehrgang ausgeräumt. So gibt es zwar immer noch den klassischen Präsenzlehrgang, bei dem man innerhalb von zwei Wochen zum Gruppenführer geschult wird. Daneben gibt es jedoch schon seit Jahren den E-Gruppenführer, der nur noch sechs Präsenztage innerhalb von acht Wochen umfasst und bei dem die restlichen Lehrgangsinhalte am heimischen PC erlernt werden. Vergleicht man dies mit einem einzuführenden Lehrgang auf Kreisebene, der mindestens 50 bis 60 Unterrichtsstunden nach Feierabend und am Wochenende umfassen müsste, so ist der E-Gruppenführerlehrgang die bessere Alternative - und muss nicht erst erfunden werden. Michael Anschütz, Prümzurlay (Wehrführer der Feuerwehr Prümzurlay)