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Firma braucht einen Monat, um Eifeler Solarpark zu bauen

Wirtschaft : Energiewende im Laufschritt

In Bickendorf entsteht ein Solarpark für rund sechs Millionen Euro. In knapp vier Wochen haben die Planer und Arbeiter es geschafft, die Anlagen aufzustellen. Aber warum musste das überhaupt alles so schnell gehen?

Bunte Punkte bewegen sich im weißen Schnee. Von weitem sieht die Photovoltaikanlage aus wie ein Wimmelbild. Rund 60 Arbeiter in neonfarbenen Overalls laufen durch die Korridore zwischen den Solarmodulen. Hier klemmt ein Mann mit oranger Warnweste ein ganzes Kabelgeäst an. Ein Arbeiter, gehüllt in grünes Neopren, schippt Schlamm und Erde beiseite. In gerade einmal einem Monat haben sie es geschafft, einen zwölf Hektar messenden Acker mit Solarzellen zu bestücken. 26 000 Module blitzen  auf einer Fläche so groß wie 17 Fußballfelder. Ihr Standort liegt unmittelbar neben der Autobahn 60 zwischen Bitburg und Waxweiler. Er befindet sich nur einen kurzen Fußmarsch entfernt von der Rastplatz Nimstal West bei Bickendorf. Und das ist kein Zufall.

Photovoltaik-Anlagen sollen auf vorbelasteten Flächen entstehen, beispielsweise in der Nähe von Autobahnen. So steht es im Erneuerbaren Energien Gesetz, kurz EEG. Deshalb hat sich der Trierer Projektentwickler „Wes Green“ das Gelände in Bickendorf als Standort für eine Solaranlage ausgesucht.

Seitdem sind etliche Monate ins Land gegangen. Doch erst im November haben die Bauarbeiten begonnen. Kostenpunkt: etwa sechs Millionen Euro. Und wieso muss jetzt alles so schnell gehen? Weil sonst ein Zuschlag verfallen würde. Ein Förderbescheid liegt nämlich nur noch für das laufende Jahr vor. Bekommen wird das Geld aber nicht Wes Green, sondern die Firma Naturstrom aus Düsseldorf.

Die beiden Unternehmen haben sich im Herbst zusammengetan, um den Bickendorfer Solarpark zu realisieren. Denn der eine hat, was dem anderen fehlt. Wes Green kommt an einen Zuschlag und Naturstrom an ein Projekt. Einziger Haken: Irgendwie mussten die beiden Unternehmen es schaffen, das Ganze noch 2017 auf die Beine zu stellen.

Das ist nun geglückt. Die Module stehen. Die Trasse zum Transport der Energie fehlt zwar noch. Aber Fördergeld fließt, sobald Strom erzeugt werden kann. Es muss noch nicht möglich sein, ihn einzuspeisen. Soweit wird es wohl erst Ende April 2018 sein. So lange werden die Firmen brauchen, um eine etwa 10 Kilometer lange Leitung von Bickendorf bis nach Kyllburg zu verlegen. Dann sollen im Jahresmittel etwa sieben Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom durchs Netz fließen. Zum Vergleich: Ein deutscher Haushalt verbraucht jährlich im Durchschnitt 3000 Kilowattstunden. Und was sagt der Bickendorfer Ortsbürgermeister Arnold Berg zu diesem Millionenprojekt unweit seines Dorfes? „Wir haben die Anlage genehmigt und stehen hinter dem Projekt“, sagt er. Seine Gemeinde profitiert freilich nicht finanziell von dem Projekt. Aber: „Wer bei der Energiewende A sagt, muss auch B sagen.“