1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Fleißig wie die Heinzelmännchen

Fleißig wie die Heinzelmännchen

Urlaub der etwas anderen Art: Noch bis Sonntag werkeln 60 Freiwillige des katholischen Bunds Neudeutschland (ND) auf der Burg Neuerburg, die der ND seit mehr als 80 Jahren gepachtet hat. Sie übernehmen dort Renovierungs- und andere Arbeiten.

Neuerburg. Ein schrilles metallisches Kreischen durchdringt die Luft. In den Pausen hört man Hämmern und das monotone Sirren einer Schleifmaschine. In und rund um die Burg Neuerburg wird an allen Ecken und Enden fleißig gearbeitet.
Wer vermutet, die Heinzelmännchen hätten heimlich das Kommando übernommen, liegt nicht ganz falsch. Aber die Kölner Hausgeister, die einer Sage nach ihre Arbeit nachts verrichteten, während die Bürger der Stadt schliefen, sind hier nicht zugange. Vielmehr sind es 60 engagierte Christen, die sich zum 19. Mal zu einem Urlaub der anderen Art auf der Burg Neuerburg treffen. Unter dem Motto "ora et labora" (bete und arbeite) renovieren sie Teile der Burg oder schaffen neue Bereiche. "In diesem Jahr bauen wir einen Team-Building-Parcours mit Hochseil-Elementen im Wald. Außerdem werden die Treppe im Ruinenteil erneuert, Zäune und Türen gestrichen, und der Rittersaal bekommt neue Vorhänge", zählt Volker Krump, Leiter der Jugendburg, auf. Er und seine Frau Sonja sind seit eineinhalb Jahren Herbergseltern und erleben die Arbeitswoche der Freiwilligen vom Bund Neudeutschland (siehe Extra) zum zweiten Mal.
"Hier wird irre viel geleistet. Das ist immer ein riesiger Berg von Aufgaben, die anstehen", sagt Sonja Krump. In diesem Jahr sind 60 Freiwillige angereist, davon rund 20 Kinder. "Ich bin begeistert, wie viele sich zur Hilfe bereiterklären", sagt sie.
Idee entstand am Lagerfeuer


Das Arbeitspensum hat es in sich. Nach dem gemeinsamen Morgenlob und Frühstück wird bis zum Mittag gearbeitet. Dann geht es noch mal zwei Stunden weiter bis zum Kaffee. Arbeitsende ist um 18.30 Uhr. Neben gemeinsamen Gottesdiensten gibt es Lagerfeuer, Musik und einen Ausflug nach Trier.
Der Burgbeauftragte Bernard Heckenbücker koordiniert die Arbeiten, flankiert von Birgit und Stephan Jakobiedeß. "Wir haben ora et labora vor 19 Jahren ins Leben gerufen. Ich habe viele schöne Veranstaltungen auf der Burg erlebt und die Herbergseltern kennengelernt. Da entstand aus einer Lagerfeuerlaune heraus die Idee, man könne am Erhalt der Burg mithelfen", erzählt Birgit Jakobiedeß. Für sie ist die Woche jedes Mal "ein tolles Erlebnis". "Es ist schön zu erleben, was man miteinander schaffen kann", sagt sie. Bereichernd sei auch der spirituell-religiöse Rahmen.
Seit 30 Jahren kommt Sabine Salditt aus Köln auf die Burg Neuerburg. Schon als Schülerin ist sie durch die alte Anlage gestreift. Nun ist sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern, sechs, neun und elf Jahre, dort. "Die Kinder genießen ihre Freiheiten, können nach Lust und Laune mauern und hämmern", sagt sie.
"Ich kann hier mal was reparieren. Zu Hause in unserer kleinen Mietwohnung durfte ich keine Nägel einschlagen", sagt Linus Regenbrecht, elf Jahre. Johannes Niemeier, 16 Jahre, ist zum ersten Mal dabei: "Also für mich ist das hier das Gegenteil von Qual. Ich kann auch ganz gut handwerklich arbeiten."
Arbeiten und spielen - die Kombination mögen auch Willem, elf Jahre und Cedric Otto, zehn Jahre aus Mettmann und Leipzig.
Sie haben den Trampelpfad vom Unkraut befreit und 40 Säcke Zementmörtel mit der Schubkarre transportiert. Derweil streicht Angelika Gröbl aus München im Schatten der Hecke den Zaun am Straßenrand. "Diese Gemeinschaft ist so schön. Wir lieben alle die Burg", sagt die Erzieherin, die zum sechsten Mal bei der Aktion mitmacht.
Die Volkshochschule Neuerburg organisiert im Rahmen des musikalischen Sommers den Projektabschluss von ora et labora am Sonntag, 18. August, auf der Burg Neuerburg. Um 10.30 Uhr geht es los mit einem gemeinsamen Gottesdienst, mitgestaltet von Kirchenchor, MGV 1865 und MV 1821 Neuerburg. Nach einem deftigen Essen gibt es ab 14 Uhr Unterhaltung mit kölschen Liedern durch den MGV-Worringen 1848.
Extra

Der Bund Neudeutschland (ND) wurde 1919, in der Zeit der Jugendbewegung, gegründet und versteht sich heute als Lebensgemeinschaft engagierter Christen. Zum ND zählen die Katholische Studierende Jugend und die Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen. Seit 1930 ist der ND Träger der Burg Neuerburg. Dort ist heute eine Jugendherberge untergebracht mit Platz für 100 Gäste. sn