FLÜCHTLINGE

Zu unserem Bericht "Die Attraktivität des Gewerbegebiets leidet" (TV vom 30. November) schreibt diese Leserin:

Um es gleich zu sagen: Ich habe nichts gegen Gewerbetreibende. Im Gegenteil, es ist traurig zu lesen, dass sich die Kundschaft zum Teil nicht mehr ins Gewerbegebiet traut - wegen der Flüchtlinge. Eigentlich mag ich die Bitburger. Sie sind im Allgemeinen bereit, "Fremde" in "ihrer" Stadt aufzunehmen. Kein Wunder, denn bisher handelte es sich zum größten Teil um Amerikaner. Bitburg hat sich im Laufe der Zeit auf die Amerikaner eingestellt. Nach dem Motto: Wer mir Geld bringt, ist mein Freund. Warum hat die Tanzschule keine Verluste zu vermelden? Warum bringen Eltern ihre Kinder weiter dorthin? Sind tanzende Menschen vielleicht kulturell offener? Es ist sicher eine unglückliche Situation, Menschen in solchen Sammelunterkünften unterzubringen. Andererseits hätte man auch große organisatorische Probleme, würde man die Menschen in Wohnungen unterbringen. Wie könnten die Helfer dann noch helfen? Würden sie in Wohnungen untergebracht, die Bevölkerung wäre sofort dafür. All die leer stehenden Wohnungen im Bitburger Land könnten gefüllt werden. Das wäre dann fast wie mit den Amerikanern. Endlich Mieter gefunden. Geld stinkt nicht. Mir haben Menschen, die den Krieg erlebt haben, erzählt, wie dankbar sie waren, wenn ihnen mit etwas Brot, mit etwas Holz, Reden, Schweigen, Dulden und Zuhören geholfen wurde. Es wäre schön, wenn die Kunden der Gewerbetreibenden einen Moment lang darüber nachdenken würden, wie sie sich fühlen würden als einer der 1700 Menschen, die vor einem Krieg geflohen sind und nun in diesen Massenunterkünften untergebracht wären. Vor ein paar Tagen erzählte mir ein junger Mann, dass ihn drei syrische Flüchtlinge in Bitburg nach dem Weg fragten. Sie sprachen Englisch. Zwei von den Männern hatten keine Jacken an (zurzeit sind Jacken Mangelware). Einer der beiden sagte: "Germany is beautiful." Ich bekam Gänsehaut, als ich die Geschichte hörte, denn wir Deutsche haben das vielleicht ein wenig vergessen. Deutschland ist wunderschön. Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, weil wir zufällig hier geboren worden sind. Glück gehabt. Wir sind in der Lage, Menschen, die vor Krieg und Terror flüchten, ein wenig zu helfen. Nicht für immer. Nicht ohne Regeln. Nicht um jeden Preis. Aber vielleicht mit etwas mehr Selbstvertrauen und mit etwas mehr Selbstbewusstsein. Und weniger Angst! Angela Junk, Bitburg