1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Flüsse in der Region Trier sind mit Medikamenten belastet

Kostenpflichtiger Inhalt: Nachholbedarf bei Kläranlagen? : Flüsse in der Region sind mit Medikamenten belastet

Viele rheinland-pfälzische Gewässer sind mit Arzneimitteln belastet. Das bestätigen Untersuchungen des Landesumweltamtes. Die meisten Kläranlagen sind für Arzneimittel nicht gerüstet. Wissenschaftler warnen.

Gabapentin, Diclofenac, Metoprolol – Laien kennen solche Substanzen höchstens aus dem Medizinschränkchen. Seit einiger Zeit aber tauchen Rückstände solcher und anderer Arzneimittel auch in rheinland-pfälzischen Gewässern auf.

Am häufigsten nachweisbar sind nach Angaben des Landesumweltamtes Röntgenkontrastmittel sowie Wirkstoffe gegen Bluthochdruck und Schmerzmittel. Aber auch Mittel gegen Epilepsie oder Hormonpräparate wie „die Pille“ treiben in den Flüssen und Bächen der Region. Über menschliche Fäkalien gelangen die Stoffe ins Abwasser. Und werden dann von den Kläranlagen in die Natur gespült.

Auch die Mosel ist davon nicht unbenommen, wie Analysen des Landesumweltamtes zeigen. Demnach schwimmen bei Palzem (Kreis Trier-Saarburg) pro Liter Wasser etwa 0,2 Mikrogramm des Schmerzmittels Diclofenac und 0,15 Mikrogramm des Blutdrucksenkers Metoprolol mit. Werte, die sich nicht bedrohlich anhören, aber dennoch höher liegen, als Vorschläge zur Umweltqualitätsnorm. In der Saar bei Kanzem (Kreis Trier-Saarburg) wurden für die beiden Stoffe ebenfalls erhöhte Werte gemessen. Auffälliger aber ist die Konzentration von Gabapentin, einem Mittel zur Behandlung von Epilepsie. Der 2018 gemessene Wert liegt hier bei 0,43 Mikrogramm pro Liter. Die Konzentration ist demnach viermal höher als Experten für verträglich halten.

In Gewässern, die weniger Wasser führen, sind die Konzentrationen teils noch bedenklicher. Denn dort verdünnen sich die Stoffe nicht so stark. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Wasseranalyse, die dem TV zugespielt wurde. Dabei wurde offenbar Wasser untersucht, das aus dem Ablauf einer Kläranlage in Bettingen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) stammt. Das Ergebnis: Hier sind einzelne Werte zehn- bis zwanzigmal höher als sie nach Meinung vieler Wissenschaftler sein dürften.

Zu diesen Experten zählt Jörg Oehlmann, Ökotoxikologe an der Universität Frankfurt. Der Professor erforscht seit längerem die Auswirkungen von Arzneimitteln auf Wasserlebewesen und hat dabei herausgefunden: „Für Fische und andere Tiere ist die ständige Aufnahme von Medikamenten eine Dauerbelastung.“ Schmerzmittel könnten etwa Nieren und Leber von Fischen schädigen. Blutdrucksenker, wie Metoprolol, beeinträchtigten das Fortpflanzungsverhalten von Wasserschnecken. Viele weitere mögliche Effekte der Wirkstoffe seien noch nicht erforscht. Dennoch plädiert Öhlmann wie viele seiner Kollegen dafür, Kläranlagen nachzurüsten. Damit diese die Arzneimittel künftig etwa durch eine Behandlung mit Ozon oder Aktivkohle aus dem Wasser filtern können. Denn das geschehe längst nicht flächendeckend.

Solche Überlegungen gibt es auch beim Landesumweltamt. In Rheinland-Pfalz, schreibt die Behörde auf TV-Anfrage, werde eine erste Vorauswahl von  Kläranlagen getroffen, die eine sogenannte vierte Reinigungsstufe bekommen sollen.

Einen Hintergrund zum Thema lesen Sie hier.