Flugplatz Bitburg: Bund will Million in Sanierung von Altlasten investieren

Kostenpflichtiger Inhalt: Problem PFT : Flugplatz Bitburg: Bund will Million in Sanierung von Altlasten investieren

25 Jahre nach dem Abzug der Amerikaner bleibt der Flugplatz Bitburg ein Sanierungsfall. Vor allem bei der PFT-Problematik geht es nicht voran. Nun soll eine weitere Million in die Sanierung fließen, die noch gar nicht recht angelaufen ist.

80 000 Kubikmeter Erde sind eine ganze Menge. Zehn Zeppeline könnte man damit füllen, 40 olympische Schwimmbecken oder 1000 Omnibusse. Wer mit diesen Vergleichen etwas anzufangen weiß, hat eine Vorstellung davon, wie kontaminiert der Flugplatz Bitburg immer noch sein muss. Denn der Bund plant gerade, auf dem Gelände Platz zu schaffen, für weitere 80 000 Kubikmeter belastetes Material.

Es ist bekannt, dass unter dem ehemaligen Militärgelände auch nach mehr als zwei Jahrzehnten Sanierung noch manche Altlast schlummert. Vor allem perfluorierte Tenside, kurz PFT, bereiten Umweltschützern derzeit Sorgen. Über Jahre gelangten die krebserregenden Stoffe durch Löschschäume von Feuerwehren ins Umland des Gewerbegebietes. Und dort blieben sie.

Denn die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der ein Großteil der Grundstücke gehört, wusste nicht, wohin mit dem giftigen Aushub. In den nächsten fünf Jahren soll sich das ändern. Die Behörde plant nämlich, auf dem Flugplatz eine Lagerstätte für belastete Erde zu errichten.

Der Stand der Planungen: Wann genau es so weit sein wird, will ein Bimasprecher nicht preisgeben. Ebenso wenig kann oder will er darüber verraten, wo das Bauwerk entstehen soll. Dies sei Teil laufender Planungen. Und die befänden sich in einer „frühen Phase“. Eine Antwort, die heute genauso wahr ist wie vor fünf Jahren, als die PFT-Problematik publik wurde. Viel getan hat sich seitdem, zumindest augenscheinlich, nämlich nicht. Und das, obwohl Umweltschützer seit Jahren auf eine Sanierung drängen.

Auch bei der Landesumweltbehörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord heißt es: „Wir befinden uns im Abschluss orientierender Untersuchungen.“ Das schreibt Joachim Gerke, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, in der Antwort auf eine Anfrage der Bitburger Grünen.

Ein Ingenieurbüro habe Boden, Grundwasser, Gewässer und Abwassersystem rund um das Militärgelände untersucht. Beprobt worden sei der Boden dabei bis in eine Tiefe von drei bis fünf Metern. Was darunter liegt: nach wie vor ungewiss.

Die Belastung: Bei den Untersuchungen konnten laut Gerke mehrere „Teilflächen mit hohen PFT-Werten ermittelt werden, unter anderem zwei ehemalige Feuerlöschübungsplätze“. Auch die Flüsse und Bäche sowie das Grundwasser rund um den Flugplatz sind belastet. Die Trinkwasserbrunnen der Stadt seien dank undurchlässiger Muschelkalkschichten sicher vor Schadstoffen.

Dann kann es ja jetzt losgehen mit der Sanierung, oder? Nicht ganz. Erst, schreibt Gerke, stehen weitere „Detailuntersuchungen“ an. Sie sollen einer „Eingrenzung des Schadens“ dienen. Erst danach laufe die „Sanierungsphase“ an. Im Rahmen eines umfangreichen Konzeptes könne hier auch eine PFT-Lagerstätte auf dem Flugplatz zum Tragen kommen, erklärt Gerke weiter. Diese Möglichkeit sei mit der Umweltbehörde besprochen worden, und „technisch und rechtlich machbar“.

Ein möglicher Standort? Wo dieses Bauwerk errichtet werden soll, lässt der Abteilungsleiter im Schreiben allerdings offen. Eine TV-Quelle weiß aber mehr. Der Informant, der lieber anonym bleiben will, hat ältere Planungen des Lagers gesehen. Dort war auch ein möglicher Standort für die Lagerstätte eingezeichnet. Demnach könnte das Bauwerk auf einem Grundstück hinter der Firma „Eiden und Wagner“ Platz finden, an der Start- und Landebahn (siehe Karte). Festgelegt habe man sich auf das Grundstück aber noch nicht.

Die Kosten: Auch über die Kosten des Projektes ist kürzlich mehr bekannt geworden. Das ist einer Anfage der Bundestagsabgeordneten Brigitte Freihold (Die Linke) ans Finanzministerium zu verdanken. Daraus geht hervor, dass der Bund seit 2010 rund 600 000 Euro in die Dekontamination des Flugplatzes Bitburg investiert hat.

Es ist nur die Spitze eines immensen Eisbergs: Für die Beseitigung weiterer Altlasten wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten nämlich mehr als 10 Millionen Euro ausgegeben. Zigtausende Tonnen Boden wurden abgetragen, Gase abgesaugt, Öl aus dem Wasser gefiltert.

Nur das PFT-Problem blieb und  bleibt ungelöst. Auf TV-Anfrage erklärt ein Bima-Sprecher, wofür jüngst die 600 000 Euro ausgegeben wurden: nämlich für „Erkundungsarbeiten“ und „Sanierungsplanungen“. Er bestätigt somit, dass in Sachen PFT in Bitburg bislang kein Spatenstich getan wurde.

Aus der Antwort des Finanzministeriums auf Freiholds Anfrage geht aber noch mehr hervor. Laut dem Schreiben plant der Bund nämlich, in den nächsten fünf Jahren rund eine Million Euro in die Arbeiten auf dem Flugplatz zu stecken.

Auf Anfrage konkretisiert der Bima-Sprecher dies: Rund 85 Prozent der Mittel seien für die „Bewältigung der PFT-Belastungen“ vorgesehen. Mit den restlichen 150 000 Euro sollen „ein Mineralölschaden und ein Lösemittelschaden“ auf dem Gelände saniert werden. Es ist eine weitere Kontamination, von der zuvor nie die Rede war.

Direkt an der Landebahn (vorne links) soll das PFT-Lager nach Informationen von TV-Quellen entstehen. Foto: TV/Bernhard Heller

Ein Vierteljahrhundert nach dem Abzug der Amerikaner ist also noch immer kein Ende der Sanierung in Sicht.

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