Flugplatzstreit verhindert Traktorentraining - Landmaschinenkonzern will Ex-Air Base mieten und wartet vergeblich auf Antwort
Bitburg · Der Großkonzern John Deere möchte den Flugplatz 2015 erneut mehrere Monate lang für Schulungen mieten. 1500 Gäste aus ganz Europa würde dies Bitburg bescheren. Schon seit Juli wartet das Unternehmen vergeblich auf eine Zusage - und kehrt der Stadt daher nun den Rücken.
Da sind nicht nur die Weite der Rollfläche, die Länge der Taxiways und die Höhe der Hallen, in denen man selbst riesige Mähdrescher problemlos parken kann. Da sind auch Äcker, die sich mit großen Landmaschinen nach Herzenslust grubbern, pflügen und einsäen lassen.
2013 hat der Landmaschinenkonzern John Deere den Bitburger Flugplatz für sich entdeckt. Bietet das große Gelände doch optimale Bedingungen, um Händler im Umgang mit Traktoren und anderem Gerät zu schulen. "Das war ein traumhaftes Geschäft", sagt Claudia Arens, Direktorin des Dorint-Hotels in Biersdorf am See. Denn drei Monate lang sind von montags bis freitags Landmaschinenhändler aus ganz Europa in ihrem Resort zu Gast gewesen. Nicht nur das Hotel, sondern auch dessen Lieferanten oder die Bitburger Gastronomie hätten von der Anwesenheit des Weltkonzerns profitiert.
Letzte Chance vertan
2015 wäre John Deere gerne wieder nach Bitburg gekommen. Doch daraus wird wohl nichts. Im Juli hat der Konzern bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) um eine mehrmonatige Nutzung des Geländes im Jahr 2015 nachgesucht. "Eine Antwort auf diese Anfrage steht bis heute aus", sagt Unternehmenssprecher Oliver Neumann.
Man sehe sich daher derzeit nach einem alternativen Standort für die Schulung der 1500 Mitarbeiter von in- und ausländischen Vertriebspartnern um. "Diese hätten einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Beitrag zum Wohlergehen der Region leisten können", sagt der Sprecher der Firma, die nun wohl nicht nach Bitburg kommt.
Es sei denn, es gelänge Landrat Joachim Streit, den Traktor auf der Schussfahrt nochmals zu wenden. Am 16. Oktober gibt es ein Vermittlungsgespräch mit dem Vorstand der Bima. Dass diese sich bisher nicht zu einer Vermietung an John Deere entschließen konnte, liegt kurioserweise daran, dass die Bima endlich Geld mit ihrem Gelände verdienen möchte. Nach 20 Jahren der vergeblichen Versuche, in Bitburg einen internationalen Flughafen anzusiedeln, verlangt der Bund erstmals eine Pacht von der (inzwischen privatisierten) Flugplatz Bitburg GmbH, die das Areal nutzt. Und zwar 250.000 Euro. Die GmbH jedoch beruft sich auf einen alten Vertrag, demzufolge sie das Gelände kostenlos nutzen kann. Daher hat die Bima eine Räumungsklage eingereicht, über die nun das Landgericht Trier entscheiden muss (der TV berichtete). "Wir würden natürlich gerne an John Deere vermieten, aber wir dürfen nichts machen, was dem Räumungsverfahren zuwiderläuft", sagt Frank-Michael Kreis von der Bima, die dringend aus dem alten Vertrag mit der GmbH rausmöchte.
Die GmbH wiederum könnte sich inzwischen auch vorstellen, den alten Vertrag aufzugeben. Und zwar dann, wenn John Deere Hauptmieter des Geländes würde und sie selbst Untermieter. "Das wäre eine positive Lösung für die gesamte Region", sagt Friedhelm Nau, Geschäftsführer der Flugplatz GmbH, der hofft, dass sich alle an einen Tisch setzen, um nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Nach einer Lösung, die dazu führt, dass neben kleinen Flugzeugen auch große Landmaschinen das Geschehen auf und neben der Rollbahn prägen. Wenn es dafür denn nicht bereits zu spät ist.Meinung
Absolut unverständlich
Unglaublich. Mit der Hand vor den Kopf schlagen möchte man sich, so unverständlich ist das. Da wird der Flugplatz Bitburg zwei Jahrzehnte lang mit Steuergeld für die absurdesten Tagträume bereitgestellt.
Kaum ist das Trauerspiel endlich vorbei, will ein seriöser Mieter Geld für das Gelände zahlen und nebenbei 1500 Übernachtungsgäste in die Eifel bringen.
Und was passiert? Nichts. Das kann doch wirklich nicht wahr sein! Dass die Bima diese Chance sehenden Auges verpasst, ist trotz des Rechtsstreits nicht nachzuvollziehen.
Seit John Deere angefragt hat, sind Monate vergangen. Da hätte man sich längst mal mit allen Beteiligten zusammensetzen müssen, um nach einer Lösung zu suchen. Dass die Politik nun einschreitet, ist löblich, wenn auch womöglich zu spät.
Schade um die vertane Chance.
k.hammermann@volksfreund.de