Fördern bis der Arzt kommt

Können Stipendien ein Rezept gegen den Landarztmangel sein : Fördern bis der Arzt kommt

Könnten Stipendien angehende Ärzte in die Eifel locken? Die SPD-Fraktion hat dem Kreistag vorgeschlagen, eine Studienförderung für Mediziner einzurichten. Ein Arbeitskreis soll sich nun mit dem Thema befassen.

Wer studieren will, muss der Provinz meist den Rücken kehren. Und viele junge Universitätsabsolventen kommen nach Bachelor, Master oder Staatsexamen nicht aus der Großstadt zurück. Den ländlichen Regionen in Deutschland gehen deshalb die Ärzte aus. Die älteren Semester verabschieden sich in den Ruhestand. Und es fehlen Jüngere, die sie beerben könnten. Die Wartezimmer der verbleibenden Praxen füllen sich in der Folge.

Auch in der Eifel ist das ein Problem. Wer in Bitburg einen Arzttermin braucht, wartet oft Tage. In der Schneifel oder Islek können es Wochen sein. Und die Situation wird schlimmer. Bis 2022 hängen laut Prognosen mehr als die Hälfte der Doktoren in der Region Trier ihre Kittel an den Haken.

Seit Jahren kämpft der Eifelkreis  gegen den Mangel an. Beispiele sind  die Aktion „Heimspiel“, die junge Eifeler zurück in die Region locken soll, und die Unterstützung der Eifeler Genossenschaft Medicus, die Ärzte als Angestellte beschäftigen will.

Nun hat die SPD-Fraktion im Kreistag einen weiteren Vorschlag eingebracht. Die Idee: Der Eifelkreis könnte Stipendien für Medizinstudenten einrichten. Der finanzielle Bonus soll die Region für angehende Ärzte attraktiver machen. Ganz neu ist der Einfall nicht: Solche Stipendien werden unter anderem schon im Kreis Unna im Ruhrgebiet und in Brandenburg erprobt.

Konkret stellen sich die Sozialdemokraten das laut Antrag so vor: Jährlich würde der Eifelkreis drei Stipendien ausschreiben. Bewerben könnten sich Ärzte aus dem In- und Ausland. Wer die Studienförderung bekommt, sollen Vertreter der Hausärztevereinigung, der Verwaltung und Kreistagsfraktionen entscheiden. Die Stipendiaten erhielten 300 Euro im Monat bis zum Abschluss der ersten ärztlichen Prüfung, dem Physikum, und monatlich 500 Euro nach dem Bestehen. Die Kommune könnte den Studenten zudem Hilfe bei der Wohnungssuche anbieten. Im Gegenzug müssten die Studenten sich verpflichten. nach dem Abschluss fünf Jahre lang im Eifelkreis zu praktizieren.

„Das kann ein Mosaikstein sein, um das Leben im Kreis attraktiv und lebenswert zu machen“, wirbt Fraktionssprecher Nico Steinbach im Kreistag für den Antrag. Und tatsächlich stimmen alle Fraktionen überein, die Idee zumindest im Arbeitskreis Gesundheit zur Diskussion zu stellen.

Das Fachgremium wird unter anderem folgende Fragen zu klären haben: Ist es rechtlich tragbar, Ärzte zur Arbeit in einem Landkreis zu verpflichten? Wie ist mit Studienabbrechern umzugehen? Und könnte ein Stipendium Bafög-Ansprüchen in die Quere kommen? Bis Frühjahr 2020 soll das Thema im Kreisentwicklungsausschuss besprochen und dem Kreistag erneut vorgelegt werden.

Bedenken am Konzept werden aber schon in der Sitzung am Dienstag laut. So sagt Dirk Kleis (FWG), seine Fraktion begrüße die Initiative zwar. Allerdings scheitere das Medizinstudium bei vielen Schülern nicht am Geldbeutel, sondern am geforderten Notenschnitt von 1,0. Kleis schlägt daher vor, dass erwogen wird, ob der Kreis nicht ganze Studienplätze buchen könne, um diese freihändig an Abiturienten zu vergeben – auch wenn der Numerus Clausus nicht stimme.

Marie-Luise Niewodniczanska (FDP) sieht das Problem auch darin, dass es an der Universität Trier nach wie vor keine medizinische Fakultät gibt: „Da müssen alle Kreise in der Region Druck ausüben, damit sich was bewegt.“

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