Folklore-Koch aus Leidenschaft
Er war von Anfang an dabei und kommt am kommenden Wochenende zum 44. Mal nach Bitburg: Auch dieses Jahr versorgt Paul Kaiser mehr als 1000 Mitglieder von 31 Gruppen aus 16 Ländern. Somit hat der Sprendlinger (Reinhessen) vom 10. bis zum 14. Juli alle Hände voll zu tun.
Bitburg/Sprendlingen. (cmk) "44 Jahre lang bin ich jetzt dabei", sagt Paul Kaiser, der ehrenamtlich die Rolle des Folklore-Festival-Chefkochs ausfüllt. Seit den Festival-Anfängen versorgt der gelernte Kraftfahrzeugmeister zusammen mit seinen Mitarbeitern vom rheinland-pfälzischen Hilfszug des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Sprendlingen die Festival-Teilnehmer kulinarisch. Der rüstige 75-jährige ist damit ein Festival-Urgestein. Das Bitburger DRK hatte damals die Idee, die Kochausrüstung und Mitarbeiter des DRK-Hilfszugs für die Versorgung beim Festival zu beanspruchen. Seitdem heißt es für Kaiser: "Wir kochen, was gewünscht wird, und sind von früh bis spät ausgelastet", erklärt der routinierte Festival-Koch. Insgesamt müssen die rund zehn DRKler während der Festivaltage etwa 4000 Mahlzeiten zubereiten. Das bedeutet für sein Team harte Arbeit, während die Gäste und Teilnehmer die Auftritte der verschiedenen Gruppen feiern. Gerade kulturelle Differenzen bezüglich der Essgewohnheiten führen zu noch mehr Arbeit. Früher seien zum Beispiel keine muslimischen Gruppen dabei gewesen, erzählt der Koch, "nun müssen wir auch für Essen ohne Schweinefleisch sorgen". Auf dem Speiseplan der Kochgruppe steht internationale Küche, zum Beispiel aus dem Mittelmeerraum. Dem Klischee des deutschen Krautfressers werde das Angebot nicht gerecht, sagt Kaiser. Nur am abschließenden Sonntag gibt es dieses Jahr typisch deutsches Essen: Kartoffelpüree mit Rotkohl und Bratwurst. Für diejenigen, die Schweinefleisch aus religiösen Gründen ablehnen, gibt es dann eine "Extrawurst" - vom Rind. Trotz der Arbeit kommt bei dem Kochteam der Spaß nicht zu kurz. Die Team-Mitglieder haben freien Eintritt zum Festivalzelt und zum Schwimmbad. Nach getaner Arbeit sitzen die Mitarbeiter gerne in geselliger Runde zusammen und trinken etwas. Dabei konnten Kaiser und sein Team in den vergangenen Jahren viele Bekanntschaften und Freundschaften zu Bitburgern, aber auch zu den Teilnehmern aus aller Welt knüpfen. Diese Kontakte pflegten sie gerne weiter, sagt er. In Bitburg sind die DRK-Mitarbeiter inzwischen bekannt und die Leute begrüßen sie freundlich. Am meisten freut sich der 75-Jährige jedoch auf den "Einmarsch der Nationen" am Samstagabend: "Den wollen wir mitnehmen, das genießen wir jedes Jahr." Genauso genießen will Kaiser auch das Essen mit Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit. Dann können er und seine Kollegen sich selbst kulinarisch verwöhnen. Vielleicht mit einem "leckeren Rumpsteak", kündigt Kaiser an. Bei dem Essen bekommen die DRKler ihr Gastgeschenk von Streit. Das bewahren sie als schöne Erinnerung. Als solche versteht Kaiser auch seine Bierhumpensammlung, die viele der Festival-Krüge mit Jahreszahl umfasst: "Die hat bestimmt bald richtig Sammlerwert!"