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Folklore und Politik: Bitburg feiert Europa

Folklore und Politik: Bitburg feiert Europa

Bis in die Nacht haben 300 geladene Festgäste im Haus Beda die Eröffnung des Folklore-Festivals gefeiert. Der politische Abend war diesmal keinem bestimmten Land, sondern Europa gewidmet. Zur Bedeutung kultureller Vielfalt hat die Kulturministerin der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Isabelle Weykmans, gesprchen.

 Joachim Kandels. TV-Foto: Rudolf Höser
Joachim Kandels. TV-Foto: Rudolf Höser

Bitburg. Randlage ist relativ: Es ist eine Frage des Standpunkts, ob Bitburg am westlichen Rand Deutschlands liegt oder mitten im Herzen Europas. Daran, dass der Wunsch eines friedlichen Miteinanders in der Grenzregion 1965 Wurzel des Folklore-Festivals war, erinnerte Bitburgs Bürgermeister Joachim Kandels in seiner Ansprache vor rund 300 geladenen Gästen im Haus Beda - unter ihnen Vertreter aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und Vereinsleben.

"Heute hat die Europäische Union 27 Mitgliedsstaaten, und es scheint fast selbstverständlich, dass wir friedlich miteinander leben und zusammenarbeiten", sagte Kandels und blickte zurück in eine Zeit, als noch Schlagbäume an den Grenzen zu den Nachbarländern standen und der Eiserne Vorhang Ost- und Westeuropa trennte. "Das können sich junge Leute heute doch kaum noch vorstellen", sagte Kandels. Mit Europa ist auch das Grenzlandtreffen gewachsen und wurde Anfang der 90er Jahre, als auch immer mehr Tanz- und Musikensembles aus Osteuropa nach Bitburg kamen, in Folklore-Festival umbenannt. Dass verschiedene Kulturen nicht immer reibungslos zusammenfinden, räumte Isabelle Weykmans, Ministerin für Kultur, Medien und Tourismus der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, angesichts der Regierungskrise ihres Landes gleich zu Beginn ein. Seit mehr als einem Jahr wird Belgien, das in eine flämische, französische und deutschsprachige Gemeinschaft unterteilt ist, regierungslos verwaltet.

"Das ist ein Weltrekord", sagte Weykmans, die es mit Wim Wenders hält: "Ich zahle lieber den relativ kleinen Preis zur Erhaltung der Vielfalt als den großen für deren Verlust." In ihrem Vortrag hob sie darauf ab, dass die Chance kultureller Vielfalt in einer gegenseitigen Bereicherung liegt: "Es geht nicht um ein Verschmelzen zu einer Einheitskultur, sondern darum, im Kontakt mit anderen Kulturen wahrzunehmen, was uns ausmacht und was wir von anderen lernen können."

Dann wurde es feierlich: Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, erhoben sich die Gäste, die Formation Horns on Fire spielte die Europa-Hymne. Bei Kulinarischem aus ganz Europa feierten die Gäste bis in den frühen Morgen - ein gutes Training für die kommenden Tage.

Joachim Kandels (43), Bürgermeister der Stadt Bitburg: Heißt das größte Fest in Bitburg denn nun Folklore-Festival oder Grenzlandtreffen?
Kandels: Der Name ist Europäisches Folklore-Festival. Natürlich habe ich auch früher Grenzlandtreffen gesagt, solange es so hieß. Aber Anfang der 90er Jahre wurde es umbenannt, weil auch immer mehr Teilnehmergruppen aus Osteuropa nach Bitburg gekommen sind. Was ist für Sie das Besondere am Folklore-Festival?
Kandels: Das Fest hat so viele verschiedene Facetten. Aber vor allem lebt es von dem Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen, der Begegnung der Menschen und dem Austausch. Als Betreuer von Teilnehmergruppen, Mitglied und Leiter des Musikvereins sowie Organisator bei der Stadtverwaltung haben Sie das Folklore-Festival schon lange Jahre vor Ihrer Amtszeit als Bürgermeister begleitet. Was ist Ihr schönstes Festerlebnis?
Kandels: Ein besonderer Moment war für mich auf jeden Fall der Einzug der Nationen 1990, als eine Gruppe aus der ehemaligen DDR erstmals zusammen mit Vertretern von westdeutschen Ensembles gemeinsam zur deutschen Nationalhymne eingezogen ist. Wir hatten vorher noch die DDR-Hymne "Auferstanden aus Ruinen" geprobt. scho