Formensprache trifft  Leichtigkeit

Kultur : Formensprache trifft  Leichtigkeit

Noch bis 6. Oktober sind in Weißenseifen Zeichnung und Malerei von Marianne Baumüller-Scherl und Skulpturen von Esther Wiswe zu sehen. Auf den ersten Blick: viel Kontrast; auf den zweiten: so viel Verbindendes.

Dass der ohnehin markante Galerieraum von Christiane Hamann mit den jeweils gezeigten Kunstwerken immer wieder überraschende Verbindungen eingeht, weiß, wer hier schon häufiger zu Gast war. So ist es  auch dieses Mal bei der Schau mit den Bleistiftzeichnungen und Kaltnadelradierungen von Marianne Baumüller-Scherl und den Steinskulpturen von Esther Wiswe.

Die Galeristin räumt ein: „Der Kontrast könnte nicht stärker sein. Gleichzeitig gibt es eine tiefe Verbindung zwischen den beiden Künstlerinnen und ihren Themen.“

   Beim Gespräch zur Halbzeit der Ausstellung kann nur Esther Wiswe zugegen sein. Klein und zierlich ist die 1980 in Bonn geborene und in Düsseldorf ausgebildete Stein- und Bildhauerin. Seit 2008 arbeitet sie bei Steinmetzbetrieben im Eifelkreis Bitburg-Prüm und verdient bei ihnen ihr Brot. „Ich liebe meine Arbeit und bin stolz auf meinen Beruf“, sagt sie.

Seit 2011 lebt sie in der Nähe von Neuerburg; an ihrer Wahl-Heimat hängt ihr Herz. Seit 2014 rückt ihr Kunstschaffen immer mehr in den Vordergrund. Und in den Fokus von Experten: 2016 erhielt sie den Förderpreis der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler (EVBK), 2018 gehörte sie zu den Nominierten des Ramboux-Preises der Stadt Trier, was mit einer gemeinsamen Ausstellung im Simeonstift verbunden war. Von ihr stammt der viel beachtete „Stamm-Tisch“ an der „KultOurtalstraße“ im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Belgien (der Trierische Volksfreund berichtete).

    In Weißenseifen ist Esther Wiswe zum dritten Mal. Was ihr eigentliches künstlerisches Ziel ist, wird in dieser Ausstellung an einer Handvoll Werke mehr als deutlich: ihre ruhige geometrische Formensprache, ihre Präzision und Konzentration, ihre Ästhetik. „Das Viereck ist für mich die perfekte Form“, sagt sie. Und erklärt an ihren Skulpturen, was in der Psychologie mit dem Begriff „Containing“ bezeichnet wird: „Ich lege meine Gedanken in eine Form, sortiere, ordne, abstrahiere sie, um sie mir vereinfacht und klar wieder anzusehen und damit dem inneren Raum Luft und Weite zu verschaffen.“ Berührend anzusehen bei den vier gleichgroß geschnittenen Steinquadraten, in die je eine rote Holzperle eingelassen ist; oder bei den acht anthrazitfarbenen, an der Stirnfläche abgeschrägten länglichen Quadern, die zu vier Paaren in immer anderen Konstellationen zusammengestellt sind. „Die Steine symbolisieren Menschen und wie sie in Beziehung zueinander stehen können“, erklärt die Künstlerin, die auch den kleinen Würfel geschaffen und ihn „Essenz“ genannt hat – das Wesentliche also, den Kern, die innere Natur von etwas.

Beziehungen sind auch das Hauptthema von Marianne Baumüller-Scherl. Die heute 74-Jährige ist seit Jahrzehnten künstlerisch tätig, bildete sich in Paris, Salzburg und München fort, stellt in der Region und im benachbarten Ausland aus, ist Mitglied der Künstlergruppe „Intaglio“. In Weißenseifen sind als ihre Hauptmotive Musiker, Menschen und Blumen zu sehen, drei Dutzend Exponate, allesamt Spiegel ihrer kreativen Leichtigkeit, ihres Talents, ihrer Schaffenskraft.    

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